Wandern auf Mittelalterspuren - auf Deutschlands schönstem Wanderweg
Hunsrück - Wandern ist wieder „in“ - und der Hunsrück hat sich fast unbemerkt zur Top-Wander-Destination in Deutschland gemausert. An der Spitze der Bewegung: der „Mittelalterpfad“ in Herrstein (Kreis Birkenfeld), der heute zu Deutschlands schönstem Wanderweg gekürt wird.
Wer noch vor zehn Jahren in seinem Bekanntenkreis ankündigte, er gehe am Wochenende wandern, wurde mehrheitlich schräg angesehen - jedenfalls von jüngeren Semestern. Das hat sich grundlegend geändert. Wandern ist zur Trendsportart geworden. Statt Knickerbocker und Lodenjacke dominieren plötzlich sündhaft teure Funktionskleidung und GPS-Geräte. Und das Traumziel der neuen Wandergeneration heißt nicht mehr Schwarzwald oder Lüneburger Heide, sondern - Hunsrück.
Mit dem Saar-Hunsrück-Steig (SHS), der je nach Planung sieben bis zwölf Tages-Märsche von Trier oder Mettlach nach Idar-Oberstein oder umgekehrt umfasst, ist alles anders geworden. Schon zwei Jahre nach seiner Eröffnung 2007 wurde er mit einer Punktzahl, die vor ihm noch kein anderer deutscher Fernwanderweg erreicht hatte (und nach ihm bisher auch nicht), als Premiumweg zertifiziert und zu "Deutschlands schönstem Routenwanderweg" gewählt.
Der Erfolg gab den Machern und Vordenkern vom Wanderzentrum Losheim (Kreis Merzig-Wadern) recht. Dabei war die Grundidee ganz einfach: "Zuallererst muss die Qualität stimmen", sagt SHS-Projektleiter Achim Laub, der nach und nach alle Verbandsgemeinden, Kommunen, Forstverwaltungen und private Grundstücksbesitzer in ein Boot holte und an einer spannenden Wegeführung feilte, die - wo immer es geht - einen Bogen um Asphalt und breite Waldautobahnen macht. 70 Prozent Naturwege auf 184 Kilometern Länge sind deutschlandweit unerreicht: Trampelpfade, aussichtsreiche Plätz-chen und komfortable Ruhebänke dominieren. Eine "unverlaufbare" Ausschilderung und ausreichend Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten runden das Angebot ab. "Genusswandern auf höchstem Niveau", lautet die Philosophie.
Doch Achim Laub und sein Team ruhten sich auf dem Lorbeer nicht aus. Nun sollte der Erfolg in die Fläche getragen, dem begeisterten Wanderer auf dem Fernweg vermittelt werden: Schaut her, wir haben noch Dutzende weitere tolle Premiumwege. Die Idee der Traumschleifen war geboren. Zwischen der französischen Grenze und den Hunsrückhöhen, zwischen Trier und Baumholder wurden bis jetzt 78 Premiumrundwege erstellt, für die die Latte von Anfang an sehr hoch lag. Nicht 40 Punkte, die für eine Zertifizierung als Premiumweg durch das Deutsche Wanderinstitut erreicht werden müssen, sind gefordert, sondern mindestens 50. Das Ergebnis war ein regelrechtes Wettrennen der Kommunen. Und die Krönung: der "Mittelalterpfad".



















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