"Geheimnisverräter" veröffentlicht Buch zum Nürburging
Nürburgring - Als staatlich verfolgter „Geheimnisverräter" wurde Wilhelm Hahne (78) bundesweit bekannt.
Die Staatsanwaltschaft Koblenz verdächtigte den Motorsport-Journalisten aus dem Eifeldörfchen Virneburg, vertrauliche Informationen über das 330 Millionen Euro teure Bauprojekt am Nürburgring veröffentlicht zu haben – das Bauprojekt, das den politischen Diskurs in Rheinland-Pfalz seit Jahren bestimmt. Am Morgen des 9. Juni 2009 musste Hahne mitansehen, wie Ermittler bei einer Razzia in seiner Wohnung Computer, Handys und Notizbücher beschlagnahmten. Später erklärte das Landgericht Koblenz die Hausdurchsuchung als nicht rechtens.
Jetzt hat der angebliche Geheimnisverräter ein Buch veröffentlicht: „Nürburgring 2009. Skandal? Affäre?" Die Erwartungen an das 600-Seiten-Werk waren groß. Aber: Sie wurden herb enttäuscht. Hahne nennt sein Buch ein Schwarzbuch zum Nürburgring-Skandal. Nicht wegen seines schwarzen Einbandes, sondern weil es enthüllen soll, was den Skandal zum Skandal macht. Aber der Autor enthüllt in seinem Buch nichts, was nicht schon enthüllt wäre. Das hat einen einfachen Grund: Das Buch besteht in weiten Teilen aus Artikeln, die er bereits seit Langem im Internet veröffentlich hat.
Hahne blickt nicht zurück und erklärt mit langem Atem große Zusammenhänge. Stattdessen liefert er dem Leser ein Sammelsurium aneinandergereihter, teils veralteter Einzeltexte, die obendrein auch noch vor ärgerlichen Flüchtigkeitsfehlern strotzen.
Der Autor geißelt das Bauprojekt am Nürburgring als riesiges, mit Steuergeldern finanziertes Millionengrab. Die neuen Hotels und Restaurants, das Erlebnismuseum und die Einkaufsmeile seien überflüssig und passten nicht in die Realität der Eifel.
Als einen Hauptverantwortlichen für den „Gigantismus" an der legendären Rennstrecke nennt Hahne den 2009 gefeuerten Geschäftsführer der Nürburgring GmbH Walter Kafitz. „Dr. Kann-nix" habe vom Rennsport keine Ahnung gehabt, konnte dies aber vor der „politischen Provinz-Elite" in Mainz gut verbergen. Schließlich habe die genauso wenig Ahnung.
Sich selbst inszeniert Hahne gern als Nürburgring-Experten, der im Gegensatz zu allen anderen gründlich recherchiert und kritisch berichtet. Mit Eigenlob ist er nicht zimperlich. Im Kapitel zur nicht funktionstüchtigen Achterbahn „ring racer" gerät er über sich selbst ins Schwärmen: „Lesen Sie nachfolgend, was ich – der Journalist Wilhelm Hahne – zum Ablauf der Geschehnisse ermittelte." Es ist unbestritten: Hahne hat über die Jahre beeindruckend viel recherchiert. Umso bedauerlicher ist, dass er seine Ergebnisse nicht angemessen präsentiert.
Hartmut Wagner
Das Buch „Nürburgring 2009. Skandal? Affäre?" ist im Südwest- und Eifelzeitung Verlag erschienen.



















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