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Conrads Elektro-Dienstwagen läuft jetzt mit Solarstrom

Bingen - Großer Bahnhof für eine Tankstelle: An der FH Bingen ging gestern die erste Solartankstelle der Region in Betrieb und Umweltministerin Margit Conrad ließ einen ihrer Dienstwagen tanken. Sie setzt auf Strom aus Sonne und Wind. Der derzeitige Mix hat für sie keine Zukunft, sonst würden mit Elektrotankstellen die Laufzeit von Atomkraftwerken verlängert.

Bei der Einweihung der Solartankstelle an der FH Bingen wurden mehrere E-Fahrzeuge gezeigt. Unter anderem der motorradähnliche e-Wheeler, der mit Neigetechnik fährt und 130 Stundenkiloemter schnell ist.
Armin Seibert

 

Stecker rein und schon fließt der Solarstrom. Umweltministerin Margit Conrad setzt auf Elektroautos, will aber ausschließlich erneuerbare Energie tanken. Pufferspeicher sollen Wind- und Sonnenstrom liefern, auch nachts und bei Windstille. M Foto: A. Seibert
Armin Seibert

Elektroautos und Motorräder auftanken und den Alltagsbetrieb erforschen. Das ist die Aufgabe des Binger Teams von der E-Tankstelle. Gestern wurde an der Fachhochschule vor 200 Gästen eine Solartankstelle eingeweiht – ein erster Baustein eines Technolgienetzwerks, das bald um weitere Aufladekomponenten und Pufferspeicher erweitert werden soll. Umweltministerin Margit Conrad ließ ihren „Tazzari“ (25 000 Euro) auftanken. Das FH-Team von Prof. Rüdiger Thiemann soll permanent die Daten des Zweisitzers abrufen, Akkuleistung oder Reichweite messen. Beim dreirädrigen Neigefahrzeug „Tiltable 3-Wheeler“ haben die Binger Maschinenbau die Straßenzulassung erarbeitet, ein drittes Fahrzeug (der auf dem Campus laufende City-el) soll sie demnächst erhalten.
Die Ministerin sieht den Elektroantrieb als Baustein einer mobilen Zukunft. Sie habe mit der Anschaffung des Elektro-Dienstwagens, den sie selbst gerne nutze, gewartet, bis Ökostrom bereitsteht. Der „Tazzari“ lief gestern vom Ministerium nach Bingen, am Steuer Energieeffizienz-Referent Dr. Andreas Neff. „Wir haben 110 gepackt“, sagt er stolz. Wenn die Sonne nicht scheint, gibt’s an der FH-Tankstelle keinen Strom. Das soll sich schnell ändern, sagt Prof. Dr. Ralf Simon, Leiter des Binger Transferinstituts. Nächste Woche soll das Speicher-Konzept vorgestellt werden. Geplant ist die Vernetzung und intelligente Steuerung der in der FH verfügbaren regenerativen Energieerzeuger wie Sonne, Biogas und Wind. Wenn nicht getankt wird, fließt der Solarstrom übrigens nicht nutzlos ab, sondern er wird ins FH-Netz eingespeist und gegebenenfalls vermarktet.
Die Tankstelle entstand unter der Verantwortung von Elektrotechnikprofessor Dr. Dr. Christoph Wrede im Rahmen eines Studentenprojekts und der Zusammenarbeit mit der Transferstelle. Das Projekt ist Teil eines 2,5 Millionen Euro teuren Forschungsvorhabens, dass in drei Jahren die E-Technik weiterbringen soll. Die Summe beinhaltet auch Anschaffung oder Leasing weiterer Fahrzeuge. Prof. Wrede beziffert den Wert der installierten Komponenten auf rund 25 000 Euro. Sie wurden überwiegend von Sponsoren getragen. Wrede: Die Installation kostete ja praktisch nichts, weil die Studierenden eingebunden sind.
Wrede erhofft sich in den nächsten Jahren eine deutliche Steigerung der Akku-Kapazitäten. Die derzeitige Technik sei noch meilenweit von Benzin- oder Dieselaggregaten entfernt Als Übergangsprodukt für die Stadt sei die Technik geeignet, nicht aber für die Autobahn.
FH-Präsident Prof. Dr. Klaus Becker erhofft sich als Initiator der Solartankstelle eine fruchtbare Zusammenarbeit etlicher Disziplinen. Umweltschutz, Elektromobilität, Automobiltechnik und erneuerbare Energien seien Schwerpunkte im Studium und in der angewandten Forschung.
Die Tankstelle leistet bei 35 Quadratmetern Photovoltaikmodulen bis zu 6kW und bringt im Jahr rund 5000 KWh. 300 bis 400 mal pro ja Jahr kann damit ein kleiner Elektro –PKW für rund 100 Kilometer Fahrtstrecke betankt werden. Die Ladesäule verfügt über alle gängigen Anschlusssysteme, so dass alle elektrisch betankbaren Fahrzeuge vom Fahrrad bis zum Pkw bedient werden können. Privatkunden sind freilich außen vor. Dazu fehle die Konzession und auch die Kapazität, sagt Prof. Wrede. Armin Seibert

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