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  • Wie geht's weiter? Mitarbeiter am Ring bangen um ihre Jobs

    Rheinland-Pfalz. Sie halten den Betrieb bei Wind und Wetter am Laufen, sie sind das Rückgrat des Nürburgrings, und sie leben seit Jahren mit der Angst vor der Zukunft: Die rund 300 festen Mitarbeiter des Ring-Komplexes in der Eifel bangen um ihre Jobs. 

    Foto: picture alliance

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Die Stimmung ist überall zu greifen. Nur offiziell darüber reden will niemand. Kein Wunder. Äußert sich einer der Mitarbeiter negativ über einen möglichen Käufer in der Öffentlichkeit, macht er sich vielleicht bei seinem künftigen Chef unbeliebt. Wer will das schon riskieren? Ein altgedienter Angestellter: "Hier weiß niemand, wie es weitergeht. Alle haben Angst um ihren Arbeitsplatz."

    Die größten Befürchtungen scheinen in der Belegschaft in Richtung H.I.G. zu bestehen. Die internationale Investmentgesellschaft gehört zu den wenigen Bietern, die derzeit noch Chancen auf einen Zuschlag haben. Mitglieder des Bieterkonsortiums waren bereits vor Ort, haben sich leitenden Mitarbeitern der Nürburgring Betriebsgesellschaft (NBG) hinter verschlossenen Türen vorgestellt.

    Ziel: 15 bis 20 Prozent Rendite

    Was viele Mitarbeiter offenbar besonders erschreckt hat, sind die Renditevorstellungen von H.I.G. und Co. Von 15 bis 20 Prozent soll die Rede gewesen sein. Solche Margen sind natürlich Wasser auf die Mühlen all jener, die der Meinung sind, dass dieser Bieter zu den "Heuschrecken-Fonds" gehört, "die gute Restsubstanz von Unternehmen plündern und diese anschließend wegwerfen oder, wenn es gut läuft, weiterverkaufen", wie es in einem der einschlägigen Internetforen heißt. "Man muss schließlich Rendite um jeden Preis machen, das ist man seinen Anlegern schuldig", warnt dort ein Motorsportfan. Ein NBG-Mitarbeiter zu unserer Zeitung: "H.I.G. ist hier am Ring ziemlich aggressiv aufgetreten. Uns ist schwarz vor den Augen geworden, als wir von ihren Plänen gehört haben. Eine solche Rendite ist hier niemals zu erwirtschaften."

    Eine offizielle Anfrage bei dem Finanzinvestor führt natürlich zu dem üblichen "kein Kommentar". Der Konzern steht in intensiven und vermutlich auch sensiblen Verhandlungen mit den Insolvenzverwaltern. In gut einer Woche muss der Vertrag stehen, wenn die Frist nicht noch einmal verschoben wird. Auf inoffiziellen Kanälen lässt sich dann aber doch ein wenig darüber erfahren, wie bei der Investmentgesellschaft gedacht wird. Angeblich liegt den Insolvenzverwaltern ein unterschriftsreifer Vertragsentwurf vor. H.I.G. ist offenbar bereit, sofort zu kaufen.

    Eine hohe Renditeerwartung wird gar nicht bestritten. Dafür ist man, so heißt es, aber auch bereit, das Geschäft (Freizeitbereich und Motorsport) mit viel Geld auszubauen. Das sei die übliche Vorgehensweise von H.I.G. und anderen Finanzinvestoren. Offenbar will man die hohe Rendite erst mittelfristig sehen. Groß beruhigen wird das die Menschen am Ring kaum.

    Zumal gerade die Belegschaft fürchtet, dass kräftig an der Jobschraube gedreht wird. "Wer viel verdienen will, muss Personal sparen", sagt ein NBG-Mitarbeiter, "da bleiben schnell 50 bis 60 Beschäftigte auf der Strecke." Vor allem in der Verwaltung könnte die Sparschere ansetzen. Bei H.I.G. versucht man offensichtlich, Befürchtungen zu zerstreuen, indem man mit Marcus Graf von Oeynhausen, dem Geschäftsführer der Test- und Präsentationsstrecke Bilster Berg, ein seriöses deutsches Aushängeschild mit ins Bieter-Boot genommen hat.

    Der dritte im H.I.G.-Bunde ist der Finanzinvestor und Ex-Rennfahrer Meyrick Cox. Ein im Hintergrund agierender Brite, der angeblich gute Zugänge zu schwerreichen Fonds hat und über die CVC Capital Partners auch an der Formula One Group beteiligt sein soll. Diese trat am Nürburgring als Veranstalter des Formel-1-Zirkus auf. Dem Milliardär Bernie Ecclestone und seiner Familie gehört ein Teil der Unternehmensgruppe. Wobei der Einfluss des Formel-1-Matadors allmählich schwinden soll, wie es in Branchenkreisen heißt. Vielleicht ist daher zu erklären, dass Eccle-stone mit einem eigenen Angebot zum Kauf des Nürburgrings aufgetreten ist. Kurios bleibt: Gleich zwei aktuelle Offerten scheinen mit Verbindung zur Formula One Group zu erfolgen.

    Unter Jobgesichtspunkten sieht man übrigens am Ring auch die Unternehmensgruppe Capricorn, die ebenfalls Chancen auf den Zuschlag hat, nicht unkritisch. Einen angedachten Abriss des Freizeitparks würden viele zwar als Genugtuung empfinden. Dennoch kostete er (zunächst) Arbeitsplätze. Zugleich hält sich in der Eifel hartnäckig das Gerücht, dass Capricorn Finanzprobleme hat und sich um offene Rechnungen streitet. Dies hat die Firmenleitung gegenüber unserer Zeitung aber bereits mehrfach zurückgewiesen.

    Langen: Alles dauert noch Monate

    Schließlich stellt sich die Frage, wie man die vielen Veranstalter am Ring halten will. "Bald müssen die Verträge für 2015 gemacht werden - nur mit wem?", fragt man sich in der Eifel. Die Insolvenzverwalter sehen die Lage nicht dramatisch. Zur Not bleibt die NBG bis Ende 2014 aktiv und schließt auch die neuen Verträge ab, wurde Ring-intern bereits verkündet. Bis ein etwaiger Kaufvertrag Gültigkeit erlangt, könnte noch viel Zeit ins Land gehen. Brüssel muss grünes Licht geben, das laufende Beihilfeverfahren beenden und den neuen Eigentümer von allen Forderungen freistellen. Der EU-Abgeordnete Werner Langen (CDU) gegenüber unserer Zeitung: "Das dauert eher Monate als Wochen."

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