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  • Weil er vor Risiken beim Hochmosel-Bau warnte: Chefgeologe Harald Ehses vor Versetzung?

    Rheinland-Pfalz. Der Leiter des Geologischen Landesamts, Harald Ehses, soll wegen seiner Warnungen vor dem Baurisiko beim Hochmoselübergang vor seiner Versetzung stehen. Wie aus gut informierten Mitarbeiterkreisen verlautet, sei es im Landesamt „ein offenes Geheimnis“, dass das Wirtschaftsministerium Ehses ablösen wolle. 

    Harald Ehses leitet das Geologische Landesamt.
    Harald Ehses leitet das Geologische Landesamt.
    Foto: dpa

    Von unserer Redakteurin Claudia Renner

    Offenbar solle damit verhindert werden, dass Ehses ein zusätzliches wasserkundliches Gutachten zu dem Rutschhang kommentiert, in dem die Brückenpfeiler auf der Westseite bei Ürzig gründen. Erste Ergebnisse des Gutachtens sollen nach den Osterferien vorgestellt werden. Das Haus von Ministerin Eveline Lemke (Grüne) teilte auf Anfrage mit: „Zu Spekulationen äußern wir uns nicht.“

    Soll Prof. Dr. Harald Ehses (53), der seit 14 Jahren an der Spitze des Landesamtes für Geologie und Bergbau steht, ein neuer - diesmal endgültiger - Maulkorb umgehängt werden? Die nun im Raum stehende Versetzung des anerkannt kompetenten, für die Politik mitunter unbequem freimütigen Fachmanns stünde im Widerspruch zu einer Ankündigung von Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne).

    Demnach soll sich Ehses dann wieder öffentlich zu dem 375 Millionen Euro teuren Brückenprojekt der B 50 bei Zeltingen-Rachtig äußern dürfen, wenn erste Ergebnisse eines wasserkundlichen (hydrogeologischen) Gutachtens vorliegen. Nach den Osterferien soll es so weit sein.

    Den Maulkorb bekam Ehses zu Jahresbeginn. In der Weihnachtspause waren seine Warnungen vor erheblichen baulichen und finanziellen Risiken bekannt geworden: Der Baugrund am Moselhang bei Ürzig, einem Rutschhang, sei nicht ausreichend erkundet. Vor allem im Infrastrukturministerium läuteten die Alarmglocken. Die 1700 Meter lange und 160 Meter hohe Brücke ist seit 2011 im Bau. Auf der geologisch weniger anspruchsvollen  Zeltinger Seite stehen schon Pfeiler.

    Minister Roger Lewentz (SPD) beeilte sich Anfang Januar zu erklären, das von Ehses angemahnte Gutachten sei längst beschlossen und werde nun vergeben. Und ausgerechnet ein Ministerium der Grünen, die in der Opposition das Brückenprojekt jahrzehntelang bekämpft hatten, ist nun aus Koalitionstreue zur SPD dafür zuständig, dem obersten Landesgeologen den Mund zu verbieten.

    Was aber könnte das mit 235.000 Euro veranschlagte Gutachten eines Gießener Fachbüros so brisant machen, dass die Landesregierung seinen kompetentesten Kommentator womöglich kalt stellen will? Infrastrukturminister Lewentz rechnete vorab nicht mit wesentlichen Folgen für das Projekt. Zwei mit dem Gelände vertraute Geologen würden das nicht unbesehen unterschreiben.

    "Wenn hydrogeologische Untersuchungen gemacht werden, dann mindestens über ein gesamtes Jahr hinweg", sagt Johannes Feuerbach, Leiter eines ingenieurgeologischen Fachbüros in Mainz. Nur so könnten die Grundwasserströme in allen Jahreszeiten erkundet werden. Aussagekräftige Ergebnisse wäre demnach erst 2015 zu erwarten. 2016 soll die Brücke stehen.

    Dass es sich bei dem Eifelhang der Moselschleife bei Ürzig geologisch um einen aktiven Rutschhang handelt, ist seit Jahrzehnten bekannt. Grundwasser wirkt wie ein Schmiermittel zwischen unterschiedlichen Gesteinsschichten, die sich gegeneinander verschieben können. Mit Bohrungen bis in 100 Meter Tiefe wollen die Gutachter wohl erkunden, ob es unterhalb der bekannten Gleitschicht in 22 Metern Tiefe noch weitere in bis zu 80 Metern gibt, vermutet Feuerbach. "Die Frage ist, warum das nicht früher gemacht wurde." Die tiefsten Gründungen für Brückenpfeiler reichen 47 Meter hinab.

    Nach Feuerbachs Auffassung dürfte der Bau sowieso nicht ohne Änderungen weitergehen, weil der berechnete Wert für die Standsicherheit am Ürziger Hang unter der DIN Norm liegt: statt mindestens 1,25 beträgt er nur 1,1. "Das ist nahe an der Instabilität." Der Wert berechnet sich aus den gegeneinander wirkenden Rutsch- und Haltekräften. Liegt er bei 1, befindet sich ein Hang einem labilen Gleichgewicht.

    Für Prof. Dr. Edmund Krauter, Gründer der "Forschungsstelle Rutschungen" an der Universität Mainz, wird die Brücke an ohnehin an der am wenigsten dafür geeigneten Stelle der Mittelmosel gebaut. "Man kann es technisch lösen, aber nur mit ungeheurem finanziellen Aufwand." Schon ein bis zwei Kilometer weiter wäre der Baugrund besser, sagt Krauter. "Dort gibt es keine Standsicherungsprobleme."

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