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  • Unmodern: Sinzig erlaubt keinen Zirkus - Knie erwägt Klage

    Sinzig. Darf eine Stadt jeden Zirkus aussperren?  „Ja“, meint die Stadt Sinzig und gibt dem renommierten Zirkus Charles Knie einen Korb. Der will klagen. Der Fall wird deutschlandweit beachtet, auch wenn es vordergründig nicht um Tierschutz geht.

    Die Artisten des Zirkus Charles Knie 2011 vor einem Auftritt in Koblenz. Weil sie in Sinzig nicht auftreten dürfen, will der Zirkus klagen. 
    Die Artisten des Zirkus Charles Knie 2011 vor einem Auftritt in Koblenz. Weil sie in Sinzig nicht auftreten dürfen, will der Zirkus klagen. 

    Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

    Sinzig untersagte sowohl die Knie-Gastspiele im vergangenen als auch in diesem Jahr auf der Jahnwiese. Die Begründung, die dafür genannt wird: eine Änderung der Stadtmarketing-Strategie, eine „Übersättigung“ der Bevölkerung an Zirkusvorstellungen und um Verdruss und Beschwerden durch die Bürger vorzubeugen.

    „Nein“, meint dagegen der Berufsverband der Tierlehrer mit Sitz in Hamburg empört und rät den Zirkusunternehmen: „Sollte sich die Stadt Sinzig weiterhin weigern, die Jahnwiese an Zirkusunternehmen zu vermieten, können wir den Zirkussen nur empfehlen, Klage bei Gericht einzureichen“, schreibt Torsten Brandstätter vom Berufsverband der Tierlehrer. Der Fall Sinzig alarmiert die Branche, weil es immer wieder Bestrebungen gibt, Zirkusse mit Wildtieren zu verbieten. Bislang waren Kommunen damit gescheitert.

    Reist mit dem Zirkus Knie: Tiger "Prince". Foto: Zirkus Charles Knie
    Reist mit dem Zirkus Knie: Tiger "Prince".
    Foto: Zirkus Charles Knie

    So hatte die Stadt Montabaur Ende 2011 verbieten wollen, dass Zirkusse mit Wildtieren dort gastieren. Der Stadtrat musste aber einen Rückzug machen von dem Ansinnen, bei dem der Tierschutz im Vordergrund stand. In Chemnitz hatte das Verwaltungsgericht der Stadt ein solches Verbot untersagt: Auch Bewerber mit Wildtieren müssten in die Auswahl für Gastspiele einbezogen werden. Ansonsten greife die Kommune in unzulässiger Weise in die Freiheit der Berufsausübung des Zirkusunternehmers ein.

    Damit argumentiert der Berufsverband auch im Fall von Sinzig, in dem die Stadt Tierschutzaspekte gar nicht thematisiert. Zirkusunternehmen gehörten zum Reisegewerbe, und das habe ein grundsätzliches Anrecht auf die Nutzung städtischer Festplätze. Die Stadt handele rechtswidrig, wenn sie die Jahnwiese nicht zur Verfügung stelle. Brandstätter sagte auf RZ-Anfrage: „Die Begründungen der Stadt sind vorgeschoben und fadenscheinig. Mich würden die wahren Beweggründe interessieren.“

    Es sei nicht zu verstehen, wenn Sinzig in den vergangenen Jahren doch so großen Wert auf die Gastspiele renommierter Zirkusunternehmen als Aushängeschild gelegt habe. Und Charles Knie gehöre zweifelsohne in diese Kategorie. „Warum bevormundet der Bürgermeister seine Bürger?“, fragt Brandstätter.

    Es sei absolut unverständlich, dass den Bürgern in Sinzig das uralte Kulturgut Zirkus einfach vorenthalten wird, weil es der Bürgermeister so möchte. Es möge jeder Bürger für sich entscheiden, ob er einen Zirkus besucht oder nicht: „Mit der allgemeinen Marketing-Strategie einer Stadt haben diese Gastspiele doch gar nichts zu tun.“

    Der genaue Wortlaut der Absage von Sinzigs Bürgermeister Kroeger von Mai 2013: „Wir richten unser Marketing strategisch neu aus. Um offen zu werden für Neues, verzichten wir zunächst auf Projekte der Vergangenheit.“ Und in einem weiteren vom Juli 2013: „Wir haben in der jüngeren Vergangenheit eine Häufung von Vorstellungen verzeichnet, die bei den Bürgern der Stadt Sinzig zu einem Sättigungseffekt an Zirkusveranstaltungen geführt hat. Damit hier kein Verdruss oder gar eine Beschwerdeführung gegen die Zirkusunternehmen entsteht, ist die Überlegung entstanden, in diesem und im folgenden Jahr keine Veranstaltungen auf städtischen Flächen durchzuführen.“

    Der Zirkus Charles Knie "erwartet ein Einlenken der Stadt", wie Pressesprecher Patrick Adolf auf Anfrage sagte. "Nach unserer Rechtsauffassung darf Sinzig das nicht einfach so machen." Man wolle nun die weitere Entwicklung abwarten, auf das grundsätzliche Anrecht des Zirkus bestehen und sich rechtliche Schritte vorbehalten. Adolf: „Demnächst sind wir zum 40-jährigen Bestehen der Grafschaft als ein Highlight geladen. Da kann man sehen, wie unterschiedlich hier in den Gemeinden gewertet wird.“ Der Zirkus wird in den nächsten Wochen in der Region unter anderem auch in Bonn, Simmern, Bad Kreuznach, Ingelheim und Mayen gastieren.

    Brandstätter vom Berufsverband der Tierlehrer meint: „Es wäre traurig, wenn ein Unternehmen sich das Recht zu gastieren, vor Gericht erstreiten müsste. So etwas ist mir bislang auch noch nicht untergekommen.“ In der Absage aus dem Sinziger Rathaus heißt es weiter: „Der Stadt sind die beiden Gastspiele des Zirkus Charles Knie in 2007 und 2010 in bester Erinnerung. Den Bürgern wurde niveauvolle Zirkuskunst geboten.“

    Bürgermeister Kroeger vertritt die Ansicht, dass die Jahnwiese seit 2007 dem Zirkus gern zur Verfügung gestellt wurde und die Stadt das Recht hätte, sich nun anders zu orientieren. Anstelle der Zirkuskarten für die Angehörigen der Caritas-Werkstätten und die Senioren der Stadt seien nun Fahrten zur Bundesgartenschau und mit dem Vulkanexpress angedacht.

    Die Frage des Tierschutzes wird in Sinzig überhaupt nicht angesprochen. Gleichwohl dürften viele Kommunen in dem möglichen Vorgehen ein Vehikel sehen, auch dem Tierschutz Rechnung zu tragen. Um die Frage gibt es seit Jahren Streit, Vorstöße des Bundesrats zu einem Wildtierverbot sind 2011 und 2013 von der Bundesregierung zurückgeweisen worden. Einer der Wortführer gegen das Verbot war dabei der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Bleser, lange Zeit verbraucherschutzpolitischer Sprecher der Unionsfraktion und Parlamentarischer Staatssekretär im zuständigen Ministerium. Unserer Zeitung hatte er gesagt, man dürfe doch Kulturgüter "nicht ohne Not und aus purem Populismus" verbieten. Außerdem mache es den Tieren Freude, Kunststücke vorzuführen.

    Die umstrittene Tierschutzorganisation Peta macht dagegen seit dem Sommer 2013 mit einer Petition mobil für ein Wildtierverbot und hat nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Unterzeichner gesammelt. Mit einem emotionalen Video um die Tötung eines Zirkuselefanten auf Hawaii vor 20 Jahren wird die Forderung unterstrichen - hier der Trailer: 


    Tyke – Der letzte Auftritt - Der Trailer - MyVideo

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