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  • Seltsame Leak-Seite: Fitnesstrainer mit Seniorensiegel will die Welt verbessern - aber keine Nachfragen

    Kaarst/Berlin. Eine PR-Agentur mit Kerngeschäft "Seniorensiegel" bringt die Stiftung Warentest bundesweit in Negativschlagzeilen - und kündigt auf populeaks.org noch brisantere Enthüllungen an. Möglicherweise übernimmt sich da ein Fitnesstrainer mit seinen vollmundigen Ankündigungen zum "weltweit ersten Leak-Verhinderungs-Projekt". Wer genauer hinsieht, stolpert über Ungereimtheiten beim Projekt des "Experten für innovative Marketing- und PR-Strategien".

    Kaarst/Berlin. Eine PR-Agentur mit Kerngeschäft "Seniorensiegel" bringt die Stiftung Warentest bundesweit in Negativschlagzeilen - und kündigt auf populeaks.org noch brisantere Enthüllungen an. Möglicherweise übernimmt sich da ein Fitnesstrainer mit seinen vollmundigen Ankündigungen zum "weltweit ersten Leak-Verhinderungs-Projekt". Wer genauer hinsieht, stolpert über Ungereimtheiten beim Projekt des "Experten für innovative Marketing- und PR-Strategien".

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    Es war eine brisante Enthüllung: Konzerne haben die Zusammensetzung von Produkten vorübergehend angepasst, weil sie von bevorstehenden Tests durch die Stiftung Warentest wussten: Die Nachricht lief durch viele Medien - mit Nennung der "Internetplattform populeaks.org". Deren Verdienst war es offenbar, dass die Trickserei aufflog. Sie besaß diese Info und hat die Bestätigung der Information durch die gemeinnützige Stiftung veröffentlicht.

    Das sei nur ein "vorgezogenes Randthema" gewesen, heißt es jetzt. Auf populeaks.org werden zwei weitere noch brisantere Anfragen angekündigt. Doch wer ist Populeaks?

    Sven Lilientröm hat hochtrabende Pläne. Nur Nachfragen dazu beantwortet er nicht so gerne. Das Foto ist von seinem Projekt populeaks.org, wo er es als Pressebild zum Herunterladen anbietet.
    Sven Lilientröm hat hochtrabende Pläne. Nur Nachfragen dazu beantwortet er nicht so gerne. Das Foto ist von seinem Projekt populeaks.org, wo er es als Pressebild zum Herunterladen anbietet.

    "Powered by Rheingewinn" steht über der Seite. Populeaks-"Gründer und -Organisator" Sven Lilienström ist ein Enddreißiger, Diplom-Fitnessökonom, Personal Trainer und betreibt eine PR-Agentur in einer Nebenstraße in Kaarst bei Düsseldorf, die es auch mit einem 24-Stunden-Notdienst für Krisen-PR schon in die Öffentlichkeit geschafft hat

    Die Agentur-Seiten hat er aber jetzt aus dem Netz genommen, sie sind nur noch über den Cache von Google abrufbar. „Sie werden überarbeitet und aktualisiert“, erklärt er immerhin dazu. „Rheingewinn nimmt seit Juli 2012 keine Aufträge mehr zu Marketing, Public Relations und Krisen-PR an. Vielmehr konzentrieren wir uns auf die Entwicklung und Organisation der Plattform populeaks.org.“ Und das nach eigenem Bekunden „ohne wirtschaftliche oder politische Interessen“, sondern nur, wie es heißt, um auf Missstände hinzuweisen.

    Lilienström versucht sich auch bei der Rettung des Klimas: Das Projekt Climatevoteproject.org mit dem Ziel von 10 Millionen Facebook-Likes bringt es nach einem Jahr auf knapp 900 Likes. Mit Wissenschaftler Mojib Latif gibt es dafür immerhin einen prominenten Paten. Beim neuen Projekt Populeaks sollte es noch besser kommen: National und international bekannte Politiker, Wirtschaftsbosse und Stars der Unterhaltungsbranche seien dabei, war auf populeaks.org zu lesen. Dieser Absatz ist inzwischen verschwunden - auch eine Form der Antwort auf die Frage unserer Zeitung nach Namen.

    Gut möglich, dass demnächst Fragen kommen vom Deutschen Rat für Public Relations, Selbstkontrollorgan der Branche. Der PR-Rat wird sich "intensiver mit dem Fall beschäftigen". Heiko Kretschmer, Mitglied dort und Ethikbeauftragter der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung, wundert sich in einer ersten Stellungnahme gegenüber der Rhein-Zeitung: Populeaks erlaube es namentlich nicht genannten Hinweisgebern, "Behauptungen zu verbreiten, deren Wahrheitsgehalt nicht überprüft wurde, die aber erst einmal an angeblich 6000 Journalisten ausgesendet werden".

    Allerdings scheint Lilienström den Wahrheitsgehalt des zweiten „Leaks“ sehr gut selbst einschätzen zu können - die Information könnte von ihm selbst stammen: Es geht um Hinweise auf Hakenkreuzarmbinden und nationalsozialistisches Liedgut bei der Luftwaffe in Köln, die Anfrage an Bundesverteidigungsminister de Maizière ist unbeantwortet. Ein "Hinweisgeber" schilderte Populeaks die Fälle aus einem Zeitraum, in dem Lilienström dort selbst Soldat war. Das beweist ein Foto, das ihn mit einem prominenten Grundwehrdienstleistenden zeigt - Ralf Schumacher, der dort zwei Monate lang seine Grundausbildung absolviert hat.

    Nach welchen Kriterien Hinweise veröffentlicht werden? Lilienström beantwortet diese Frage nicht. Wie will er die Anonymität von Hinweisgeber technisch sichern, wenn es wirklich mal brisant sein sollte und der Staatsanwalt kommt? Die Vermutung liegt nahe, dass der Fal nicht vorgesehen ist. Eine Antwort gibt Lilienström auch hier nicht. Fünf Tage Frist hatte sich der Mann zunächst erbeten, der sich auch Experte für Guerilla-Marketing nennt - und nach eigenen Angaben erfolgreich das postgraduale und akademische Hochschulstudium „Master of Global Management“ an der FH Koblenz in Zusammenarbeit mit der Europäischen Wirtschaftsakademie, Schloss Sayn, absolviert hat. Nach einer Rückfrage wollte er den umfangreichen Fragenkatalog gar nicht beantworten und verwies auf die neue allgemeine Presseerklärung

    Fehlende Flexibilität kann man Lilienström nicht nachsagen: Nachdem Rheingewinn im Frühjahr 2011 angetreten war (Pressemitteilung im Google-Cache), um Unternehmen aus dem Rhein-Kreis Neuss zu beraten, erklärte er im September 2012 ein Seniorensiegel, nein, das Seniorensiegel zum Kerngeschäft. Das "Seniorensiegel Deutschland" fügte im November 2011 den fast 500 bestehenden Gütezeichen und Siegeln ein weiteres hinzu. Es ist bei  Lilienthal zu haben, wenn der Händler in einem Bewertungsbogen an den richtigen Stellen die richtigen Angaben machen kann - und 1196 Euro netto zahlt. Fragen nach der Seriosität dieses Siegels könnte er routiniert beantworten. Die hatte die "Computerbild"  aufgeworfen, als Lilienström noch Marketingchef für den "Plus X Award" war.

    Der war damals mit 464 Euro Nominierungsgebühr und im Erfolgsfall 3082 Euro Lizenzgebühr verbunden. Sogar Prototypen wurden ausgezeichnet, jede dritte Anmeldung bekam den Preis. 

    Von unserem Redakteur Lars Wienand

    Autor:
    Lars Wienand
    (Mail, )

     

    (Der Artikel wurde aktualisiert.)

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