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  • Mann verweigert Notruf für Mädchen mit Kopftuch

    Koblenz. "Für so einen dreckigen Kopftuchträger mach' ich gar nichts.“: Mit diesen Worten  verweigerte ein Mann einer Ersthelferin, die sich um ein kollabiertes Mädchen kümmerte, vor ein paar Tagen in Koblenz jegliche Unterstützung.

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    Noch immer ist Dana Minhas fassungslos. Noch immer kann sie kaum glauben, was vor ein paar Tagen passiert ist, als sie einem auf dem Boden liegenden jungen Mädchen hilft, das nach einem Arztbesuch nicht ansprechbar ist und krampft. „Ich hab einen Mann gebeten, einen Notarzt zu rufen“, berichtet die 25-Jährige. Und da hat der wörtlich gesagt: ,Für so einen dreckigen Kopftuchträger mach' ich gar nichts.‘“

    „Ich habe einen Mann gebeten, dass er einen Notarzt anruft. Und da sagt der wörtlich: ,Für so einen dreckigen Kopftuchträger mach' ich gar nichts.‘ Ich war total entsetzt – bin es immer noch.“  Dana Minhas hat einer jungen Muslimin geholfen, die auf der Straße zusammengebrochen ist.
 
    „Ich habe einen Mann gebeten, dass er einen Notarzt anruft. Und da sagt der wörtlich: ,Für so einen dreckigen Kopftuchträger mach' ich gar nichts.‘ Ich war total entsetzt – bin es immer noch.“  Dana Minhas hat einer jungen Muslimin geholfen, die auf der Straße zusammengebrochen ist.  

    Ein Mann, vermutlich Mitte 50 war er, unauffällig gekleidet – ein ganz normaler Mann eben, erinnert sich die Rhenserin, die gerade mit dem Fahrrad in der Casinostraße losfährt, als sie beim Blick zurück ein Mädchen auf dem Boden liegen sieht. Die Beine zucken nur noch, die Begleiterin schaut sich Hilfe suchend um und wirkt total überfordert. Dana Minhas sind die beiden Teenager, die sie auf 16 oder 17 Jahre schätzt, schon auf dem Weg von der Arbeit in der VRM-Geschäftsstelle zu ihrem Fahrrad vor der Schlossapotheke aufgefallen, als diese aus dem Ärztehaus herauskommen.

    „Erst habe ich gedacht, die machen Blödsinn, aber dann habe ich kapiert, dass die eine wirklich krampft“, sagt die junge Frau. Sofort eilt sie hin, dreht die Bewusstlose auf die Seite und hält sie sanft, damit sie sich nicht verletzt und nicht an Erbrochenem oder Schleim im Hals erstickt. Dana Minhas vermutet einen epileptischen Anfall. „Das ist zwar nicht angenehm, aber es geht vorbei“, sagt sie zu der Begleiterin. Doch die verneint, als die Helferin fragt, ob ihre Freundin das schon häufiger hatte. „Nein! Sie war bei Arzt. Impfen“, sagt das junge Mädchen in gebrochenem Deutsch.

    Jetzt bekommt Dana Minhas richtig Angst. „Ich habe sofort an einen anaphylaktischen Schock gedacht“, sagt sie rückblickend. Und sie weiß: Der kann tödlich sein. „Also habe ich den nächstbesten Passanten angesprochen, dass er bitte sofort einen Notarzt anruft.“ Die Reaktion ist bekannt.

    „Ich war total entsetzt. Ich glaube, wenn ich das Mädchen nicht im Arm gehabt hätte, wäre ich auf den Mann losgegangen“, sagt Dana Minhas nachdenklich. „Wie kann man so reagieren, wenn es möglicherweise um das Leben eines Menschen geht?“

    Unterdessen ist jemand aus der Apotheke da, auch ein Arzt aus dem Ärztehaus. Wenige Minuten später kommt auch der Rettungswagen bei dem jungen Mädchen an, das zwar nicht mehr krampft, aber auch noch nicht ansprechbar ist. „Ich bin dann weg, nach Hause“, sagt Dana Minhas. „Es war alles getan, ich wäre mir wie eine Gafferin vorgekommen, wenn ich geblieben wäre.“

    Dem Mädchen geht es übrigens wieder gut. Es war auch kein allergischer Schock, sondern wohl eher eine Mischung aus Stress und Hitze. Aber das konnte der Passant nicht wissen, der seine Hilfe verweigert hat. Wenn er ermittelt würde, könnte die Verletzte ihn anzeigen, Dana Minhas würde auf jeden Fall als Zeugin zur Verfügung stehen, sagt sie wütend. In Paragraf 323 c des Strafgesetzbuches ist klar geregelt: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

     

    [Hinweis] Die Umfrage zu dem Artikel "Mann verweigert Mädchen mit Kopftuch" haben wir deaktiviert. Bei der Vorgabe der Antwortmöglichkeiten sind wir nicht sensibel genug vorgegangen. Keinesfalls wollten wir tendenziöse Antworten vorgeben, sondern lediglich im demokratischen Sinn mit einem breitem Antwortspektrum auch ein möglichst breites Meinungsbild zuzulassen. dom

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