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  • Land unter: Ausnahmezustand in Kattenes und im Oberen Brohltal

    Kattenes/Oberdürenbach/Nickenich. Millionenschäden in der Region nach kurzen, aber heftigen Gewitterregen: Mehrere Orte wurden von Wassermassen, Dreck und Geröll überspült. Manche Einsatzkräfte waren die Nacht hindurch im Einsatz. Die B 416 an der Mosel wurde erneut gesperrt, die Bahnstrecke dort bleibt ebenfalls gesperrt.


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    Die Möhnen von Kattenes wollten zum Wandern, die Feuerwehr in Kobern-Gondorf war alles bereit fürs Feuerwehrfest, in Oberdürenbach im Brohltal sollte Kirmes gefeiert werden. Nach den heftigen Regenfällen war für die eine wie für die anderen daran nicht mehr zu denken: Im Bürgerhaus von Kattenes, Ortsteil der Moselgemeinde Löf, bereiteten die einen Brötchen und Getränke für die anderen vor, die mit anderen Helfern in einem so nicht gekannten Einsatz waren: Kattenes wurde förmlich überrollt von Wasser- und Schlammmassen.

    Und einige Kilometer weiter im oberen Brohltal sah es wenig später nicht anders aus. Die Böden hatten kein Wasser mehr aufgenommen, in Sturzbächen schoss es abgeerntete Felder hinunter. An der Mosel riss das Wasser Schlamm, Steine, Holz, Straße und sogar Autos mit. Ausnahmezustand! Zwischen Löf und Kattenes sammelte sich das Wasser auf der B416 - die Bundesstraße musste gesperrt werden. Und in der Nacht musste nach mehreren Erdrutschen zwischen Brodenbach und Burgen auch die B49  auf der anderen Moselseite geschlossen werden. Am Sonntag soll hier geräumt werden. Immerhin: Die B416 sei wieder frei, teilte die Polizei am Morgen mit. Aber dieses „Glück“ war nur von kurzer Dauer: Nach Begutachtung des angrenzenden Hanges durch einen Geologen wurde die Bundesstraße erneut gesperrt. Es besteht die Gefahr, dass weitere Geröllmassen auf die B 416 niedergehen. Eine Umleitung wurde ab den Brückenübergängen Löf und Kobern-Gondorf eingerichtet. Auch die Bahnstrecke bleibt gesperrt.

    Gegen 13 Uhr hatte der Himmel über der Untermosel die Schleusen geöffnet. Wenig später kamen die ersten Meldungen von Bewohnern von Häusern am Hang: Wasser schießt aus dem Mühltal herab - und die Flut schwillt noch an. Das Video zeigt die Situation gegen 14.15 Uhr:

    Ein weiteres Video zeigt, welche Gewalt das Wasser hatte: Die Leitplanke im Mühltal hängt in der Luft, ein Auto über dem Abgrund, weil der Bach in einem Einschnitt das Ufer weggefressen hat:

    Schnell liefen auch Keller voll, in einem hoch gelegenen Haus lief ein Öltank aus, im Mühltal wurde ein Gebäudeteil einer leerstehende Mühle mitgerissen. Der Mühlbach, der zwar mit einigem Gefälle, aber sonst dennoch beschaulich plätschert, war nicht wiederzuerkennen, war überall. Die Gleise der Moselstrecke: Mit Dreck und Schlamm bedeckt, sie soll mindestens zwei Tage gesperrt bleiben. Am Sonntag liefen neue Geröllmassen nach, falls möglich, sollte ein Busverkehr eingerichtet werden. Die Bahn: Reisende sollten sich vor Fahrtantritt auf bahn.de oder bei der Kundenhotline 01806 99 66 33 (20 Cent pro Anruf aus dem Festnetz) informieren.

    Während am Samstagmittag in Kattenes Aufräumarbeiten anlaufen, kommen Meldungen aus anderen Orten. Am Flughafen Hahn kämpft die Flughafenfeuerwehr mit Wasser, das zentimeterhoch im Terminal steht, eine Maschine wird nach Karlsruhe umgeleitet, zwei landen mit 30 Minuten Verspärung.

    In Nickenich in der Verbandsgemeinde Pellenz haben die starken Niederschläge tonnenweise Bims, Sand und Gestein von einem Feld oberhalb der Straßen Lärchenhof und Auf der Rausch gespült, das nun in einer Schlammlawine durch halb Nickenich fließt. Elf Straßen werden mit einer dicken Schlammschicht bedeckt. Zwei Häuser wurden in größerem Umfang beschädigt, heißt es zunächst. Bei einem Anwesen wurde das Kellerfenster des Heizungsraumes durch die Flut eingedrückt, der Raum lief bis zur Hälfte voll. Auch die Friedhofskapelle wird überflutet. Am Sonntag spricht die Polizei davon, dass fünf Häuser in Nickenich beschädigt worden sind. Schaden alleine dort: 250.000 Euro.

    Im Brohltal geht es etwa um 16 Uhr los: Schon wieder in Niederzissen, wo erst Ende August zwei Mal das große Aufräumen nötig war und etwa 15 Häuser betroffen waren. Von der Polizei Remagen hieß es schon in der Nacht: "Der genaue Schaden ist noch nicht ersichtlich, aber es hat zumindest wieder gleich gelagerte Dimensionen". Vom Polizeipräsidium KOblenz hieß es in der Nacht sogar, dass im Brohltal die Bewohner von etwa 35 Häuser mit eintretendem Schlamm zu kämpfen hatten und zu großen Teilen die Keller überflutet wurden.

    Alle Wehren der Verbandsgemeinde waren im Einsatz, dazu das THW. Es ging ums Säubern, aber auch darum, bereits gesäuberte Teile zu schützen. Es waren weitere Regenfälle angesagt, es wurden Sandsäcke verteilt. Die Sorge gab es auch in Nickenich: Hier wurde die Feuerwehr Saffig noch zur Verstärkung angefordert. 

    Viel Arbeit gab es im Brohltal auch im nahen Oberdürenbach, wo eigentlich Kirmes gefeiert werden sollte. Vor der Königsseehalle stand der Schlamm knöchelhoch, die Straße zwischen Ober- und Niederdürenbach wurde zeitweilig gesperrt.

    Beeindruckend hier wie in den anderen Orten: Schnell sind alle möglichen schweren Fahrzeuge zur Hilfe da, Bauern helfen, aber auch viele Bewohner, die nicht selbst betroffen sind. 

    In Kattenes ist das etwas, was die Situation gleich erträglicher macht: Zusammenhalt. Im bereiten Freiwillige Brötchen, Gulaschsuppe und Getränke vor für die anderen Helfer. Aus allen Ecken sind Menschen mit Schaufeln und Besen gekommen, packen mit an. Wenn die braune Masse trocken wird, dann ist sie viel schwerer wegzubekommen. Es scheint bereits geschafft, freiwillige Helfer von auswärts mussten unverrichteter Dinge umdrehen, der Einsatz scheint hier beendet, als nach 23 Uhr die Sirene erneut geht. Starke Regenfälle. Und der Ablauf des Bachs ist verstopft, wieder läuft es in die Straßen. Mitten in der Nacht wird die Stelle freigebaggert, wo der Mühlbach in Rohre abläuft. 

    Im Brohltal werden um diese Zeit Sandsäcke verteilt, Barrieren an den Hängen errichtet. Es wird eine lange Nacht. Zwischendurch ist ein Blitzeinschlag in Wassenach gemeldet worden, der Ort vorübergehend ohne Strom, weil es ein Transformator-Gebäude getroffen hat, aber der Strom ist bald wieder da.  

    In Niederzissen waren erneut Gebiete betroffen unterhalb von Flächen, die auf einer Übersichtskarte zu Bodenerosionen als "hoch erosionsgefährdet" vermerkt sind. Auf der Rheinland-Pfalz-Karte sind diese Einschätzungen für Jedermann abrufbar. Lars Wienand

     

    Vor einem Jahr tobte heftiges Unwetter an der Mosel: Schlammlawine hat Spuren hinterlassen Video: Der Hangrutsch in LinzHangrutsch: Familie aus Haus Nummer 15 ist wieder eingezogenFamilie nach Haus-Abriss in Linz: "Den Schlüssel behalten wir"Arbeiten nach Hangrutsch in Linzweitere Links
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