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  • Bürokratie: DFB lässt junge Flüchtlinge kein Fußball spielen

    Niederwörresbach. In Niederwörresbach im Landkreis Birkenfeld dürfen Flüchtlingskinder, die in einem Kinderheim untergebracht sind, nicht Fußball spielen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) weigert sich, Spielerpässe für sie auszustellen.

    Jugendfußball (Symbolbild)
    Jugendfußball (Symbolbild)
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Sascha Nicolay

    Seit vielen Jahren arbeiten das Kinderheim in Niederwörresbach und der Sportverein SV Niederwörresbach zusammen. "Wir bemühen uns sehr, die Kinder aus dem Heim an unserem Jugendspielbetrieb teilnehmen zu lassen", erklärt SV-Abteilungsleiter Günter Reichardt und ergänzt: "Viele dieser Kinder kommen als Flüchtlinge aus Krisen- und Kriegsgebieten. Oft ist nicht geklärt, was mit den Eltern geschehen ist."

    Bisher war die Spielgenehmigung kein Problem gewesen

    Mithilfe der Kreuznacher Diakonie und des Südwestdeutschen Fußballverbandes (SWFV) war es nie ein Problem, den Kindern eine Spielgenehmigung zu besorgen. Seit dieser Saison sind diese Zeiten vorbei. Auslöser soll der FC Barcelona sein. So jedenfalls begründete der SWFV die Verweigerung der Spielerpässe. Der spanische Spitzenklub aus Barcelona war Ende der vergangenen Saison vom Weltverband Fifa mit einem Transferverbot belegt worden, weil der Verein gegen die Transferbestimmungen bei minderjährigen Spielern verstoßen hatte. Diese Bestimmungen sehen unter anderem vor, dass die Eltern einen Wohnsitz im Land des neuen Vereins haben. Außerdem muss ein internationaler Passantrag ausgefüllt werden, der nur Gültigkeit besitzt, wenn die Eltern unterschrieben haben.

    In Niederwörresbach ist diese Vorschrift ein Riesenproblem. "Meistens ist völlig unklar, was mit den Eltern ist, ob sie noch am Leben sind, oder welches Schicksal sie erlitten haben", sagt Reichardt.

    Bürokratisches Hemmnis

    Franz Kolb, der Leiter der Passstelle des SWFV in Edenkoben, bestätigt: "Wir dürfen keinen Pass ausstellen, wenn kein Elternteil unterschrieben hat. Ich finde das auch schade und verstehe es nicht, aber ich kann nichts machen. Eine Passausstellung ist in solchen Fällen streng verboten."

    Kolbs Chef ist Hans-Dieter Drewitz, der Präsident des SWFV und Vizepräsident des DFB, verantwortlich für den Jugendbereich im größten Fachverband der Welt. Drewitz müsste erklären können, warum der DFB derart pedantisch beim Erstellen von Spielerpässen ist. Doch der Vizepräsident lässt über eine Sekretärin lediglich ausrichten, dass er zu diesem Thema nichts sagen will. Er empfiehlt, beim zuständigen Ressort in der DFB-Zentrale nachzufragen. Das ist der DFB-Jugendausschuss, für den Drewitz im Präsidium sitzt. Der DFB hat sich das Thema Integration auf die Fahne geschrieben. Auf einem DFB-Plakat ist ein junger Fußballer zu sehen, darunter der Spruch: "Sein Pass spielt keine Rolle. Seine Pässe schon." Vom Spielerpass ist freilich nicht die Rede.

    „Würde man den jungen Flüchtlingen den Spielerpass verweigern, wäre das eine unerträgliche Ausgrenzung.“ Die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Irene Alt.
    „Würde man den jungen Flüchtlingen den Spielerpass verweigern, wäre das eine unerträgliche Ausgrenzung.“ Die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Irene Alt.
    Foto: picture alliance

    DFB hat „das Problem verstanden“

    Doch der DFB ist sich des Problems offenbar bewusst. Thomas Hackbarth von der Pressestelle erklärt: "Wir haben verstanden, dass die Auslegung unserer Regeln kontraproduktiv sein kann und arbeiten an Lösungen." Wie diese Lösungen konkret aussehen, wird nicht erklärt.

    Auf wenig Verständnis stößt das Vorgehen des DFB beim rheinland-pfälzischen Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen. Das Ministerium stellt klar, dass "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Obhut des Jugendamtes leben. Sie verfügen sowohl über gültige Ausweisdokumente als auch über einen gesetzlichen Vormund." Demzufolge müsste also die Unterschrift eines Jugendamtsvertreters ausreichen, um auch einen Spielerpass beim Fußball zu bekommen. Empört reagierte die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Irene Alt. "Würde man den jungen Flüchtlingen den Spielerpass verweigern, wäre das eine unerträgliche Ausgrenzung", erklärte die Ministerin.

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