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  • Brustkrebs: Immer mehr kleine Tumore früh erkannt

    Rheinland-Pfalz. Das Mammografie-Screening entwickelt sich im nördlichen Rheinland-Pfalz zunehmend zu einer Erfolgsgeschichte: Die Teilnahmequote hat sich auf einem relativ hohen Niveau eingependelt, und immer häufiger werden bei den Untersuchungen der Ärzte im Screening-Programm Mittelrhein Vorstadien oder kleine und daher gut behandelbare Brustkrebstumore diagnostiziert.

    Erfolgreiche Früherkennung: Beim Brustkrebs-Screening im nördlichen Rheinland-Pfalz werden immer häufiger nur kleine Tumore entdeckt. Foto: dpa
    Erfolgreiche Früherkennung: Beim Brustkrebs-Screening im nördlichen Rheinland-Pfalz werden immer häufiger nur kleine Tumore entdeckt.
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Christian Kunst

    "Die positive Wahrnehmung des Screenings überwiegt bei vielen Frauen. Die Akzeptanz ist groß", sagt Dr. Jochen Schenk, neben Dr. Toni Vomweg einer von zwei programmverantwortlichen Ärzten. 220 000 Untersuchungen gab es seit dem Start des Programms vor sieben Jahren. 1700 Brusttumore wurden dabei diagnostiziert.

    2013 wurden im nördlichen Rheinland-Pfalz an den Standorten Koblenz, Mayen und Betzdorf sowie im Mammografiebus 37 935 Frauen untersucht. Eingeladen wurden jedoch 64 833 Frauen. Die Teilnahmequote lag damit 2013 bei 58,5 Prozent. 2012 waren es zwar noch 62,2 Prozent. Doch Schenk will dies nicht überbewertet wissen. Schließlich liege die Quote im nördlichen Rheinland-Pfalz damit immer noch über dem Bundesschnitt von 56 Prozent.

    Allerdings ist Schenk auch bewusst, dass der europäische Zielwert 70 Prozent beträgt und dass skandinavische Länder bereits heute Teilnahmequoten von 80 bis 90 Prozent erreichen. "Dort gibt es das Screening schon seit 20 bis 30 Jahren. Deshalb ist es gesellschaftlich anerkannter", meint Schenk und ergänzt: "Es ist ganz schwer einzuschätzen, warum wir nicht mehr als 60 Prozent der eingeladenen Frauen erreichen."

    Wichtige Rolle für Hausärzte

    Der Koblenzer Radiologe macht dafür unter anderem die immer wiederkehrende negative Berichterstattung über die Risiken des Screenings verantwortlich. Dies verunsichere viele Frauen. Dabei sei die biologische Empfindlichkeit der weiblichen Brust im Alter des Screenings - 50 bis 69 Jahre - sehr gering. Fakt sei aber auch, dass laut Umfragen nur 30 Prozent der Frauen in ihrem Leben überhaupt einmal zu einem Frauenarzt gehen.

    Daher kommt den Hausärzten laut Schenk eine große Bedeutung bei der Brustkrebsfrüherkennung zu. Diese sollte man deshalb immer wieder über das Screening-Programm informieren. Umfragen hätten nämlich gezeigt, dass sich Frauen vor allem durch die Empfehlungen ihrer Haus- oder Frauenärzte zur Mammografie bewegen lassen, zu dem sie im Alter von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre eingeladen werden. Besonders wichtig seien Haus- und Frauenarzt bei noch einem anderen Thema: dem früh auftretenden Brustkrebs, der oft familiär bedingt ist. Dies müsse zwingend beim Erstkontakt mit Frauen von Haus- oder Frauenarzt thematisiert werden. "Frauen mit solch einem familiären Risiko müssen jährlich, eventuell sogar halbjährlich untersucht werden, und sie sollten eine genetische Beratung erhalten." Darauf hat unlängst auch die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie hingewiesen.

    Eine große Rolle bei der Entscheidung, zu einer Brustuntersuchung zu gehen, spielen nach Schenks Beobachtung auch prominente Vorbilder. Als sich Angelina Jolie aus Angst vor Brustkrebs vorsorglich beide Brüste entfernen ließ, stieg auch die Teilnahmequote bei der Brustkrebsfrüherkennung. Die Ärzte in der Region Mittelrhein versuchen, diesen Effekt zu nutzen. Seit 2012 ist Fürstin Gabriela zu Sayn Wittgenstein-Sayn Schirmherrin des Programms. Sie hat in Gesprächen mit Frauen ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht: "Es gibt Frauen, die sehr offen über das Thema Brustkrebs und Früherkennung reden. Sie berichten über eigene Erfahrungen, aber auch über ihre Angst, dass bei einer der Untersuchungen mal etwas entdeckt werden könnte." Andere wiederum würden das Screening meiden - aus Angst vor einem positiven Befund. Ihnen versucht die Fürstin, die Angst mit Fakten zu nehmen: "Im Screening werden die modernsten Mammografie-Geräte eingesetzt, und auf jedes Bild schauen mindestens zwei besonders erfahrene Radiologen."

    Was jedoch noch deutlich mehr hilft, ist etwas ganz anderes, weiß die Fürstin: "Die Information, dass die gefundenen Brusttumore größtenteils in einem so frühen Stadium entdeckt werden, dass sie gut behandelbar und heilbar sind, hilft vielen, mit diesem unbehaglichen Gefühl umzugehen."

    Auf das Milchgangsystem begrenzt

    Dies unterstreichen auch die Zahlen: Demnach mussten von den 2013 knapp 38 000 untersuchten Frauen nur etwa 1100 Patientinnen (2,9 Prozent) noch einmal wiederkommen, weil bei ihnen etwas gefunden wurde. Eine Brustkrebserkrankung lag aber nur bei 226 Frauen vor. Und in 197 Fällen (87 Prozent) handelte es sich einen Tumor in der Vorstufe (DCIS) ohne Lymphknotenbefall (59 Fälle) oder im Stadium T1 (138 Fälle). "Diese Diagnose ist ein Glücksfall für die Frauen, weil der Tumor in dieser Phase noch nicht invasiv ist und auf das Milchgangsystem begrenzt ist. Selbst im Stadium T1 gibt es eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Patientinnen ohne Chemotherapie davonkommen", sagt Schenk.

    Die Zahl der Frauen, bei denen 2013 ein größerer Tumor zwischen T2 und T4 festgestellt wurde, ist laut Schenk zunehmend rückläufig. 2013 waren es insgesamt 29 Fälle (13 Prozent), nur bei fünf Frauen wurden Tumore im Stadium T3 und T4 diagnostiziert. 2012 lag der Anteil der Tumore T2 bis T4 noch bei 18 Prozent. Dies liegt laut Schenk auch daran, dass mittlerweile 70 Prozent der teilnehmenden Frauen schon zum zweiten oder dritten Mal zur Mammografie kommen. "Die Frauen in der ersten Runde hatten größere Karzinome, weil einige von ihnen jahrelang nicht untersucht worden waren. Heute sind die Tumore kleiner." Schenk hofft, dass sich dies unter den Frauen herumspricht.

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