Westerwald ist Schauplatz eines professionellen Krimis
Heilberscheid - Vor der kleinen Grillhütte am Ortsrand stehen ein Dienstfahrzeug der Polizei und ein Leichenwagen. Zwei junge Frauen laufen in desinfizierten Schutzanzügen durch den Wald, um Spuren eines Verbrechens zu sichern. Im kleinen Dorf Heilberscheid in der Verbandsgemeinde Montabaur scheint etwas Schreckliches passiert zu sein - auf den ersten Blick jedenfalls.
Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Szenerie als Drehort eines professionellen Kurzfilms. Vier Studenten aus Dortmund haben sich den idyllischen Westerwald ausgesucht, um ihre Vordiplom-Arbeit zu verwirklichen. Es handelt sich um eine Krimi-Komödie mit dem Titel "Stockdunkel".
Produktionsleiterin Janine Keßler ist eine der vier Organisatoren. Die 21-Jährige stammt aus Reckenthal bei Montabaur und konnte ihre Freunde davon überzeugen, dass der Westerwald der ideale Drehort für ihren Film ist. Die jungen Studenten werden von einem professionellen Team begleitet. An einigen der sechs Drehtage tummeln sich bis zu 30 Leute am Set. Schauspieler, Kameraleute, Licht- und Tontechniker oder auch Maskenbildner - sie alle arbeiten, ohne dafür eine garantierte Gage zu erhalten. Nur in dem eher unwahrscheinlichen Fall, dass der Kurzfilm einen Gewinn einspielen sollte, würden sie daran beteiligt. Für die meisten Mitwirkenden ist der Dreh eine gute Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen und die eigenen Bewerbungsunterlagen zu ergänzen.
Schauspieler Roland Nitschke etwa spielt als Kommissar Bernd Heppner die männliche Hauptrolle. Der 60-jährige Darsteller hat bereits in etlichen Fernsehfilmen wie zum Beispiel Tatort mitgewirkt und ist die feste Synchronstimme von Tommy Lee Jones. Auch die weibliche Hauptdarstellerin, Jasmin Weber, hat schon reichlich Fernseherfahrung vorzuweisen. Drei Jahre lang spielte sie zum Beispiel die Rolle der Franzi Reuter in der RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Dass sich die 28-Jährige nun entschieden hat, die Rolle der Polizistin Lea Kampmann in "Stockdunkel" zu spielen, liegt vor allem an den professionellen Drehbedingungen.
Im Durchschnitt werden pro Tag gerade einmal zwei Minuten des späteren Films produziert. Einzelne Szenen können und müssen aus unterschiedlichen Kameraperspektiven etliche Male wiederholt werden. Selbst Laiendarsteller Philipp Reichert, der die Leiche im Wald spielt, braucht eine Menge Geduld. Die Verletzung am Hals, verursacht durch den Angriff mit einem Nordic-Walking-Stock, die blasse Hautfarbe und das angetrocknete Blut - alles muss säuberlich und genau von einer Maskenbildnerin aufgetragen werden.
Würde ein solcher Film für den Markt produziert, die Kosten lägen vermutlich bei über 200.000 Euro. Dank der vielen ehrenamtlichen Helfer und zahlreicher Sponsoren aus der Region werden die vier Studenten das Projekt voraussichtlich für rund 5000 Euro stemmen, sagt Janine Keßler. Restaurants und Bäckerein aus dem Westerwald zum Beispiel liefern kostenlos das Catering. Das gesamte Team wird günstig in hiesigen Hotels untergebracht. Sogar die Polizei unterstützt die Studenten, indem sie einen Dienstwagen und zwei junge Kollegen in Uniform für einige Stunden zur Verfügung stellt.














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