Viele Eltern zahlen nicht für Essen der Kinder
Westerwaldkreis - Die Versorgung mit Mittagessen in den Ganztagsschulen stellt den Westerwaldkreis vor immer größere finanzielle Lasten. Neben der strukturellen Unterdeckung – der Kreis fordert im Schnitt von den Eltern 1,04 Euro weniger als das Essen eigentlich kostet – kommt eine besorgniserregende Zahl von Eltern hinzu, die sich schlichtweg weigern, ihren Anteil für die Mahlzeit ihrer Kinder zu zahlen. „Dieses Phänomen betrifft nicht nur die Förderschulen“, stellte Landrat Achim Schwickert jetzt im Kreisausschuss fest: „Gleiche Erfahrungen machen auch andere Schulträger.“
Vor dem Hintergrund, dass mit dem Ausschluss vom Essen die Falschen, nämlich die Kinder, getroffen werden, wird diese rigorose Maßnahme nur in extremen Fällen angewandt. „Häufig springen auch die Fördervereine oder vereinzelt Lehrkräfte ein“, erläuterte der Landrat. „Das können aber beide auf Dauer nicht leisten.“
Dabei ist das Essen für die Eltern eigentlich gar nicht so teuer: Die Versorgung erfolgt durchweg über Caterer. Diese stellen alle gelieferten Essen dem Westerwaldkreis in Rechnung; die Kreisverwaltung fordert im Nachgang von allen Teilnehmern die anteiligen Kosten. Der durchschnittliche Essenspreis beläuft sich auf 3,91 Euro. Die Eltern zahlen im Regelfall 2,87 Euro Eigenanteil. Dieser Betrag entspricht dem Sachbezugswert aus dem Sozialversicherungs- beziehungsweise Steuerrecht und wird jährlich angepasst. Dazu werden Geschwisterermäßigungen gewährt (25 Prozent für das zweite Kind und 40 Prozent für das dritte, 50 Prozent für das vierte und alle weiteren Kinder).
Anspruchsberechtigte nach dem Bildungs- und Teilhabepaket zahlen 1 Euro; der Differenzbetrag zu 2,87 Euro wird durch die Sozialleistungsträger erstattet. Inzwischen hat die Landesregierung auch den Sozialfonds wieder aktiviert. Danach sollen alle Kinder mit Anspruch auf Lernmittelfreiheit das Mittagessen für 1 Euro erhalten. „Bisher reichten die Ersatzleistungen aus dem Sozialfonds nicht aus, um die Differenz zu dem jeweiligen Eigenanteil abzudecken“, stellt Schwickert fest.
Im Ergebnis beläuft sich die Lücke zwischen Essenskosten und den dem Kreis zustehenden Elternanteilen auf etwa 80 000 Euro im Jahr. Um die Finanzierung der Essensversorgung auf eine tragfähigere Basis zu stellen, will der Kreis im Schulzentrum Höhr-Grenzhausen testen, ob sich die Essensausgabe künftig über ein EDV-gestütztes Portal, welches ein vorab gezahltes Guthaben bei den Eltern voraussetzt, abwickeln lässt.
Zudem beschloss der Kreisausschuss einstimmig, dass der Elternanteil an der Essensversorgung an den Ganztagsschulen des Westerwaldkreises vom 1. August an auf 3 Euro festgesetzt wird. Geschwisterermäßigungen gibt es dann nicht mehr. Ausnahmen gelten für Kinder, die Anspruch auf BuT-Mittel haben, und Kinder, die Anspruch auf Sozialfonds-Mittel des Landes haben. Sie zahlen 1 beziehungsweise 2 Euro. mm













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