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Notarztdienst in der Region: 42 Prozent abgemeldet

Altenkirchen/Hachenburg - 42 Prozent der Notarztdienste waren von Januar bis Mitte Juni 2011 in der Region abgemeldet. Das gilt für die Standorte Altenkirchen, Kirchen, Hachenburg und die Außenstelle Wissen, wie es inzwischen heißt. Landesweit liegt die Abmeldequote an Notarztstandorten bei rund 6 Prozent.

Für den Monat April 2011 lagen die Abmeldungen der Dienste in Altenkirchen bei 33 Prozent, in Wissen bei 40 Prozent, Kirchen 43 Prozent und Hachenburg 23,5 Prozent. Zum Vergleich: Am Standort Dierdorf waren es 1,96 Prozent und in Asbach 4,37 Prozent.
Gerade im Bereich der Tagesdienste, so Informationen unserer Zeitung, fällt das Krankenhaus Kirchen mit vielen Abmeldungen auf. Von bis zu 60 Prozent ist hier die Rede. „Fünf Notärzte stehen mir zur Verfügung“, bedauert Klaus Schmidt als kaufmännischer Direktor. Elf Ärzte, andere sprechen sogar von 20 Ärzten, hätten in dem Haus aber den Notarztschein, heißt es. Verbesserungen werden von den Beteiligten immer wieder versprochen, zuletzt bei einem Spitzentreffen in Montabaur. Dort wurde verdeutlicht, dass von den vier Notarztstandorten drei ständig besetzt sein sollten.
Doch bei einem tödlich verlaufenden Verkehrsunfall am Mittwoch, 13. Juli, 11.50 Uhr, in Freusburg stellte sich heraus, dass die drei Notarztstandorte Kirchen, Altenkirchen und Wissen ihre Dienste abgemeldet hatten. Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung wurde erstattet. Bei einem tödlichen Radunfall in Herdorf musste der Rettungshubschrauber aus Köln kommen. Auch hier war kein Notarzt in der Nähe im Dienst. Das war auch bei einem tödlichen Unfall in Wissen der Fall. Rund 660 000 Euro fließen jährlich zur Sicherstellung der Notarztversorgung in die Region. Auch Dr. Stefan Schaefer, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes für die Bereiche Montabaur und Koblenz, kennt die prekäre Situation im Kreis Altenkirchen. Als verantwortlicher Arzt kann und will er damit nicht zufrieden sein. Er hat einen Vorschlag unterbreitet: zwei Planstellen für feste Notärzte schaffen. Diese Planstellen könnten aufgeteilt werden in Teilzeitstellen.
Der Notfallmediziner sieht gute Chancen, dass sich Ärzte bewerben. Mit diesen Planstellen, so Schaefer, könnte einiges an notwendigen Diensten aufgefangen werden. Die restlichen Dienste müssten dann über die Krankenhäuser beziehungsweise Ärzte am Ort bewältigt werden. Es habe sich bisher gezeigt, dass das derzeitige System im AK-Land nicht funktioniere. Zur Umsetzung eines neuen Systems „muss sich jeder bewegen“, mahnt Schaefer, von der Politik bis zur Krankenkasse. Bisher hatte Schaefer immer den Eindruck, dass jeder die Verantwortung auf den anderen schiebt.
Verkraftbare Mehrkosten würde das neue System verursachen. Denn derzeit, so Schätzungen des Mediziners, würden die Einsätze des Rettungshubschraubers wegen fehlender Notarztdienste rund 100 000 Euro an Mehrkosten im Jahr verursachen.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Peter Enders hat noch einen anderen Vorschlag unterbreitet. Zum einen müsste im Rettungsdienstgesetz auf Landsebene die Mitwirkungspflicht der Krankenhäuser an der notärztlichen Grundversorgung konkretisiert werden. Weiterhin sollte der Finanzausgleich, der für den allgemeinen Rettungsdienst gilt, auch auf den Notarztdienst ausgeweitet werden. Von unserm Redakteur Andreas Neuser

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