A-cappella-Gesang ging unter die Haut
Heiligenroth - Klar wie ein Bergquell und genauso inspirierend: Das ist A-cappella-Gesang. Einen weiteren Beweis dafür lieferte das dritte Westerwälder Mundart-a-cappella-Festival, das Cannibale vocale und die WZ in Heiligenroth präsentierten und das die Vogelsanghalle mit rund 800 Zuhörern belebte. Und das allein mit der Stimme, „dem schönsten Instrument, das es gibt“, wie Thilo Daubach zum Auftakt diagnostizierte.
Die „beliebteste Boygroup“ des Westerwaldes wartete unter der Leitung von Marco Herbert gleich zu Beginn des Konzerts mit heiteren bis besinnlichen Stücken auf. Unter dem Motto „Mit Essen spielt man nicht“ präsentierte Cannibale vocale ihr diesjähriges Programm, umrahmt von einer hierzulande ungewöhnlichen Darbietung: dem Dudelsackspiel von Kim Neuroth aus Hundsangen. Gleich im Anschluss, passend dazu, sang die „Boygroup“ mit gänsehautverdächtigem Klang das Stück „Loch Lomond“. Ebenfalls passend: die Bilderschau, die mit Impressionen von Schottland Eindruck machte und später Fotos zur Erinnerung an Matthias Labonte zeigte. Ihrem im Jahr 2010 verstorbenen Chorleiter verehrten sie das Stück „Halleluja“ von Leonhard Coen. Im zweiten Teil ihres Auftritts ging es sowohl gesanglich als auch darstellerisch zu wie in einer Komödie. Womit bewiesen wäre: Cannibale vocale sind nicht nur hervorragende Sänger, sie sind auch noch gute Schauspieler.
Getreu der Absicht „Man muss sich sein Publikum erziehen“ forderte der Mädchenchor La Filia des Landesmusikgymnasiums in Montabaur die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuhörer für moderne Gesangskompositionen mit ungewohnten Klängen. Unter der Leitung von Martin Ramroth lieferten die Mädchen gleich zu Beginn einen eindringlichen Auftritt. Inmitten der Zuschauer verzauberten sie Sirenen gleich ihre Zuhörer, die sich förmlich an ihrem Gesang festsogen. Auf der Bühne begann der „Bildungsteil“ des Chores, gefolgt von Ohrwürmern der Popmusik. Den Schluss bildete ein „Joik“, ein dem Jodeln ähnlicher Gesang, mit dem in Lappland Tiere und Naturphänomene besungen werden. „Wenn sie den Texten Sinn entnehmen wollen, dann viel Erfolg“, lautet die Ansage von Chorleiter Martin Ramroth.
Mit den Klangküssen aus Bonn vereinnahmte ein Quartett die Zuhörer, das durch mehrfache Auszeichnungen ebenfalls in der Oberliga mitsingt. Ganz im Sinne des Barbershop-Gesangs wird jede Melodienote in einen vierstimmigen Akkord umgesetzt. Normalerweise ist ein solches Quartett nur von Frauen besetzt.
Die Klangküsse aber sind nicht nur in dieser Hinsicht außergewöhnlich: Bei ihnen ist der Bass mit einer sanften Männerstimme besetzt. In dieser Konstellation lässt sich einiges anstellen. Was zum Beispiel passiert, wenn der Bass vergisst, seine Feinstrumpfhose anzuziehen? Die Klangküsse werden ihrem Namen gerecht und verführen mit den leisen Tönen von Dur bis Moll, gepaart mit einem außergewöhnlichen Talent zur Komik.
Rein und klar wie der Gesang einer Nachtigall erobern auch Rossignol aus Limburg ihre Zuhörer und ziehen sie in ihren Bann. Ihr Repertoire entspringt in der Hauptsache der klassischen Chormusik und ist stimmlich von hoher Qualität. Darin liegt ihre Stärke, und die spielen sie bis zum letzten Ton eindrucksvoll aus.
Ein Abend, bei dem nicht nur die heiter bis melancholische Auswahl der Lieder unterhielt, sondern auch die Ansagen und sogar der Werbeblock vor der Pause. In einer Geschichte um die Renovierung eines Wohnzimmers heiter verpackt, brachte es Thilo Daubach fertig, das Publikum sogar bei der Nennung der acht Sponsoren des Festivals zum Lachen zu bringen. Zu den Sponsoren gehören unter anderem auch die Kreissparkasse Westerwald, die Naspa-Stiftung und die Hachenburger Brauerei.
Von unserer Redakteurin Susanne Willke














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