Aus fürs Open-Air: Die Bonner Rheinkultur gibt es nicht mehr
Bonn - Ein herber Schlag für alle Musikfans: Europas größtes eintrittsfreies Open-Air-Festival ist Geschichte, 2012 wird es keine 30. Rheinkultur geben.
Die Gesellschafter des Veranstalters haben die Nase voll – und sind auch nicht bereit, weiter das finanzielle Risiko zu tragen. Sie haben frustriert das Handtuch geschmissen, wie sie bei einer Pressekonferenz im Parkrestaurant in der Rheinaue bekannt gaben. Ein ganzes Bündel von Gründen führte offenbar zu der Entscheidung, die den Machern der Rheinkultur schwer fiel. Hauptgrund: zu wenig Unterstützung durch die Stadt Bonn.
Mit den Verantwortlichen der Stadt Bonn gehen die Festivalveranstalter deshalb hart ins Gericht. Sie werfen der Kommune vor, ihnen immer neue Hürden in den Weg gestellt zu haben. Wirkliche Unterstützung und Hilfe habe man nicht erfahren. Das ernüchternde Ergebnis fasst Burkhard Schmoll vom Rheinkultur-Team so zusammen: „Die Schere zwischen Risiko und getragener Verantwortung einerseits und dem persönlichen Resultat andererseits ging Jahr für Jahr immer weiter auseinander.“
Was die Festivalmacher besonders ärgert: Die Stadt Bonn habe der Rheinkultur nicht den Stellenwert beigemessen, den sie verdiene. Schmoll: „Die Bedeutung des Festivals und die Strahlkraft in Bezug auf eine junge Zielgruppe weit über die Stadtgrenzen hinaus ist seitens der Stadt weit unterschätzt worden.“ Zwar werbe man gerne mit der „Rheinkultur“ – beispielsweise im Imagefilm der Stadt Bonn – und spare auch nicht mit verbalen Bekundungen. Aber: „Konkrete Handlungen und Verbesserungen sind rar gesät“, sagte Schmoll.
Vor allem bei der Aufteilung der Zuschüsse ist die Rheinkultur laut Ernst-Ludwig Hartz schlecht weggekommen. 50 Millionen Euro umfasst der Kulturetat der Stadt Bonn. „95 Prozent der Gelder gehen an Kulturveranstaltungen wie zum Beispiel das Beethovenfest. Diese ziehen aber nur fünf Prozent der Besucher“, rechnete er kopfschüttelnd vor. „Wir haben hier in Bonn eigentlich viel Geld. Es ist schon sehr traurig, wie die Stadt sich verhält. Die Veranstaltung ist ohnehin jedes Jahr ein Drahtseilakt für uns. Wir sind jedoch jetzt an einem Punkt angekommen, wo es nicht mehr geht.“
Die Macher der Rheinkultur zeigten sich auch frustriert wegen der ihrer Meinung nach kontinuierlichen Ungleichbehandlung im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen in der Stadt. Etwa was Auflagen und Anforderungen an den ÖPNV oder die Lärmemissionen betrifft. Nachdem bereits die Open-Air-Konzerte auf der Bonner Museumsmeile Geschichte sind und an diesem Platz nicht mehr fortgesetzt werden, befindet sich die einstige Bundeshauptstadt auf dem besten Wege, nur noch mit klassischen Konzerten auf sich aufmerksam zu machen.












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