Von Sorgen und Sehnsüchten der Soldatenfrauen: Idar-Obersteinerin Katrin Schwarz veröffentlicht Buch
Idar-Oberstein - Was schreiben Angehörige „ihren“ Soldaten im Auslandseinsatz? Wie sieht die andere Seite der Feldpost von heute aus? Die Idar-Obersteinerin Katrin Schwarz wollte wissen, was Frauen, Schwestern und Mütter ihren Briefen anvertrauen, wenn der Empfänger als Bundeswehrsoldat in Afghanistan, im Kosovo oder vor Somalia im Einsatz ist. In einer Auswahl aus mehr als 200 Briefen und Kurzmitteilungen via Handy erzählt ihr vor wenigen Tagen erschienenes Buch „Ich kämpf' mich zu dir durch, mein Schatz“ von den Sorgen, Sehnsüchten und dem Alltag der „Soldatenfrauen“.
Katrin Schwarz kennt diese Gefühle nur zu gut: Auch ihr Mann war bereits ein halbes Jahr im Kosovo im Einsatz; möglicherweise steht schon bald ein erneuter Auslandsaufenthalt an...
Die Briefe geben einen beeindruckenden Einblick in die Gefühlswelt jener, die zu Hause bleiben, wenn ein Soldat ins Ausland geschickt wird. Ein Einsatz beginnt nicht mit dem Abreisedatum, sondern weit früher, und oft endet er nicht, wenn der Soldat wieder zu Hause ist, denn manchmal kehrt der „Krieg im Kopf“ mit zurück. Die Angehörigen bemühen sich um Stabilität und ein Funktionieren im Alltag an der „Heimatfront“ als Voraussetzungen für einen von privaten Sorgen und Nöten freien Dienst der Soldaten im Einsatz und ihre Rückkehr in das „normale Leben“, heißt es in der Buchbeschreibung auf der Internetseite des Verlages „adatia“.
Unbeschreiblich Weibliches und tief Bewegendes ist da zu lesen: Die Briefe setzen sich mit Einsamkeit und Ängsten auseinander, mit dem „Exotenstatus“ der Soldatenangehörigen in einer pazifizierten Gesellschaft, mit dem Auf und Ab der Gefühle zwischen “Mach' Dir keine Sorgen” und “Denk' nur nicht, es ginge mir gut ohne Dich”. Sie zeigen den großen Pragmatismus und die leise Verzweiflung, handeln von Vorfreude auf die Rückkehr und vor allem von Liebe über die Entfernung.
Einfühlsam und informativ kommentierend begleitet die vierfache Mutter Katrin Schwarz die Leser durch die Etappen eines Auslandseinsatzes aus der Sicht der Daheimgebliebenen. Die 47-Jährige berichtet: „War es zumindest während der großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts noch üblich und eher normal, Soldatenfrau zu sein, so ist eine Frau, wenn sie mit einem Soldaten verheiratet, anderweitig verwandt oder liiert ist, heute fast schon eine Exotin. Ich selbst gehöre dazu. Sich und andere 'Soldatenfrau' zu nennen, klingt in diesem emanzipierten Zeiten etwas rückständig. Frau steht ja für sich selbst und außerdem ihren Mann. Aber der Beruf spielt im Falle der Bundeswehrangehörigen auch für die Familie eine so große Rolle, dass der Begriff Erfahrungswelten beschreibt, die sich im zivilen Leben kaum finden lassen.“ Besonders berührend sind aus ihrer Sicht jene Briefe, die erkennen lassen, über welche Gefühle nicht geschrieben wird und warum und worüber die Schreiberinnen „Selbstzensur“ ausüben, um den Männern den erforderlichen Rückhalt zu geben und sie nicht zu beunruhigen.
Katrin Schwarz wurde 1964 in Berlin geboren. Aufgewachsen in Hessen, wohnt sie nach mehreren Umzügen mit ihrem Ehemann und ihren vier Kindern nun seit zehn Jahren in Idar-Oberstein. Die Diplomverwaltungswirtin engagiert sich seit dem Jahr 2000 ehrenamtlich für die Interessen von Soldatenfamilien und betreibt die sehr erfolgreiche Internetpräsenz www.frauzufrau-online.de. „Die Verwirklichung meines ersten Buches begann mit einem Aufruf auf der Internetseite. Die Resonanz war überwältigend, und am Ende lagen mir über 200 Briefe in elektronischer, gescannter oder sogar in Originalform vor. Manche Frauen haben alle Briefe geschickt, andere nur einen. Die meisten Ausdrücke wurden so belassen, wie sie im Original verwendet wurden. Auch Smileys finden sich wieder. Während dieses Arbeitsgangs fand auch die Anonymisierung statt: Jeder Brief wurde von seinem Absender 'getrennt' und bekam eine Nummer, um die Privatsphäre der Schreiberinnen zu schützen. Die Namen, die man unter den Briefen findet, sind also nicht die Namen der Absender.“ Und auch ein einfaches Abdrucken kam nicht in Frage. Nach vielen Versuchen, die Briefe zu kategorisieren, bot sich der Verlauf des Einsatzes von Abschied bis Heimkehr als für den Leser am besten nachvollziehbar an. (vm)
Das Buch „Ich kämpf' mich zu dir durch, mein Schatz“ (adatia-Verlag) ist für 14,90 Euro im Buchhandel erhältlich














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