Zeller Land will das ZEL-Kennzeichen zurück
Zell - Noch in diesem Jahr werden die Bürger von Stadt und Verbandsgemeinde Zell das Kennzeichen ZEL an ihre Kraftfahrzeuge anbringen dürfen. Diese Prognose wagt Professor Dr. Ralf Borchert von der Hochschule Heilbronn. Der Wissenschaftler begleitet die Initiative für Altkennzeichen in ganz Deutschland. Der Bürgerwille im Zeller Land war eindeutig: Eine Befragung von 272 Personen, darunter 76 aus der Verbandsgemeinde, hat im Oktober ergeben, dass das ZEL-Kennzeichen mit überwältigender Mehrheit gewünscht wird. 79,8 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus.
Für Hans Schwarz, der den Stadtrat mit einem Beschluss vom Dezember hinter sich weiß, ergibt sich jetzt die Chance, „die Geschichte des Altkreises, die leider in Vergessenheit geraten war,“ wieder sichtbar werden zu lassen, dank ZEL. Nach Auskunft des Stadtbürgermeisters hat die Kreisverwaltung in Cochem bereits „Zustimmung signalisiert“, dass ein zweites Kennzeichen auf Autofront und -heck kommen könnte.
Professor Borchert hat überrascht, dass es eine regelrechte, bundesweite politische Bewegung für Altkennzeichen – übrigens auch im benachbarten Bernkastel-Kues – gibt. Ein Kfz-Kennzeichen sei „ein starkes Identifikationselement“ für eine Region. „Ein kleines Thema zwar, aber der Charme ergibt sich daraus, dass es mit einem geringen Aufwand eine Wirkung erzielt wird“, sagte Borchert. Und: Eine Umstellung kostet nichts. Dagegen bringt es äußere Wahrnehmung und sei „ein Selbstgänger“. Die Stadt Zell verspricht sich einen Marketingeffekt. Und, so Hans Schwarz, dass das Zeller Land zusammenrückt.
Dass zwei Kennzeichen innerhalb eines Kreises möglich sind, hat der Main-Kinzig-Kreis gezeigt. Neben dem Kennzeichen MKK gestand der Kreis der Stadt Hanau ein Extrakennzeichen zu. Die hessische Stadt Wetzlar erhält in Kürze ihr WZ zurück.
Männer, so Professor Borchert, gebrauchen in der Debatte um das Für und Wider im Übrigen Vokabeln, mit denen sie sonst zurückhaltend umgehen. „Ich liebe dieses Kennzeichen“ – das haben er und sein Team von Männern öfter zu hören bekommen. Einige hätten sogar bekundet, dass sie gerne 50 Euro hinblättern würden, um das ZEL-Kennzeichen zurückzuerlangen.
Nostalgie als treibendes Moment spielt eine wichtige Rolle. Im Jahr 1969 endete die Prägung von ZEL-Kennzeichen. Mit der Kommunalreform war nur noch das einheitliche COC für den neu zusammengefügten Kreis Cochem-Zell vorgesehen. Allerdings besteht, so Professor Borchert, eine Rechtslücke, die Raum für ein Zweitkennzeichen lässt. Derzeit ist der Bundesrat bestrebt, eine Regelung in eine gesetzliche Form zu gießen. Dazu ist die Zustimmung der Länder nötig. Im Frühjahr könnte der Prozess für eine Änderung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung in eine entscheidende Phase treten, Anfang Juli würde der Bund dies womöglich veröffentlichen. Dann dürften vom Herbst an nicht nur kuriose Schnauferl oder betagte Trecker im „ZEL-Look“ über die Straßen im Zeller Land zockeln – ZEL wäre überall. Von unserem Redakteur Thomas Brost













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