Immer mehr Karnevalsvereine verlieren den Spaß
Cochem-Zell - Karnevalsvereine müssen mangels Nachwuchs aufgeben. Zuletzt hat es den Laubacher Verein erwischt, die Zukunft des Kardener Carnevals-Klubs hängt am seidenen Faden. Zurzeit sind 53 Karnevalsvereine im Kreis Cochem-Zell registriert.
Die Laubacher Narren waren immer früh auf den Beinen, schnallten sich frühmorgens die Pappnase um, weil sie sich am Fastnachtsonntag schon um 11 Uhr in Bewegung setzten – die närrischen Zeiten sind passé, der Verein hat den konzertierten Frohsinn eingestellt. In Karden könnte es einen Klub im 19. Jahr seines Bestehens treffen. „Das ist sehr schade. Weil viele Ältere aufgehört haben und kein Nachwuchs nachfolgt, stehen wir mit dem Rücken zur Wand“, sagt KCK-Vorstand Thomas Esser. Auflösung nicht ausgeschlossen. Zum ersten Mal seit Jahren hat es weder in Karden noch in Treis einen Umzug gegeben.
Für Helmut Schmitt, im Vorstand der Rheinischen Karnevalskorporationen (RKK) aktiv, zeigt sich in mancher Vereinskrise der Wandel des Karnevals. „Die Vereinsarbeit wird schwerer, zumal junge Leute, die nachrücken könnten, weniger eine Vereinsbindung eingehen als früher“, sagt Schmitt. Der Mann, bei den Ulmener Burgnarren mit an vorderer Stelle, weiß, wovon er redet. Der eigene Verein hat drei Versammlungen einberufen müssen, um drei Vorstandsposten besetzen zu können.
Der Wandel hat auch den Saalkarneval erfasst. Die typische Kappensitzung mit Kalauern und trockenen Gags ist immer schwieriger an den Narr zu bringen. „Viele junge Leute wollen reinen Partykarneval. Daher gehen Vereine dazu über, in der zweiten Hälfte ihrer Sitzung nur noch Tanz, Musik und Gesang zu bringen“, sagt Schmitt.
Organisiertes Karnevalstreiben geht ins Geld. Mancher Verein bittet seine Gemeinde um finanzielle Unterstützung, damit der Zug rollen kann. Wege aus dem sich anbahnenden Abschwung gibt es einige. Ein gutes Beispiel, so Helmut Schmitt, liefern die Vereine in der VG Kaisersesch. Sie konzentrieren in einen oder zwei Umzügen die Wagen aus den umliegenden Orten – ein großer Umzug ist garantiert, die Finanzen werden umgelegt.
Für Vereine, deren Baumöglichkeiten eingeschränkt sind, ergibt sich die Chance, Wagen an einer Börse auszuleihen – sicherlich eine weitere Geldfrage.
Faktor Gemeinschaftssinn: Wie sehr Karneval ein Dorf zusammenschweißen kann, zeigt sich für Schmitt in Bruttig. Zum närrischen Jubiläum machte sich der Elferrat 14 Tage vor der Sitzung auf, um die „Gründungself“ zu besuchen und persönlich einzuladen. Die haben die Einladung gern angenommen – und eine „Bombensitzung“ (Schmitt) erlebt. „Mit viel Gefühl und Herz.“ Von unserem Redakteur Thomas Brost













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