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    Chansonnière Anna Piechotta in Cochem: Musik und Posie verschmelzen zu Magie

    Ihre Musik und ihr Gesang gleichen dem Leben: In dem einen Moment lösen sie Gelächter und Freude aus, im nächsten rufen sie eine Trauer hervor, dass man fast in Tränen ausbricht. Die in Hannover lebende Pianistin und Chansonnière Anna Piechotta führte ihre Zuhörer jetzt bei einem Konzert in ihrer alten Heimat Cochem mit feinem Gespür durch diesen rasanten Wechsel der Stimmungen und Gefühle. Viele verließen danach den Pater-Martin-Saal des Kapuzinerklosters irgendwie verändert – wo nicht glücklicher, da doch zumindest erfüllter.

    Steht für Chansons mit viel Witz, Geist und Gefühl: die in Cochem aufgewachsene Anna Piechotta.
    Steht für Chansons mit viel Witz, Geist und Gefühl: die in Cochem aufgewachsene Anna Piechotta.
    Foto: Jens Fiedermann

    Cochem - Ihre Musik und ihr Gesang gleichen dem Leben: In dem einen Moment lösen sie Gelächter und Freude aus, im nächsten rufen sie eine Trauer hervor, dass man fast in Tränen ausbricht. Die in Hannover lebende Pianistin und Chansonnière Anna Piechotta führte ihre Zuhörer jetzt bei einem Konzert in ihrer alten Heimat Cochem mit feinem Gespür durch diesen rasanten Wechsel der Stimmungen und Gefühle. Viele verließen danach den Pater-Martin-Saal des Kapuzinerklosters irgendwie verändert – wo nicht glücklicher, da doch zumindest erfüllter.

    Karger könnte die Bühne kaum ausgestattet sein: Schwarzer Konzertflügel, Mikrofone ragen hinein, davor ein nicht minder schwarzer Hocker. Mehr braucht's nicht. Durch eine Seitentür betritt Anna Piechotta die Bühne. Die 29 Jahre alte Künstlerin setzt jeder Kargheit ein Ende, allein schon optisch: Sie trägt ein knielanges hellrotes Kleid, ein schmaler schwarzen Gürtel ziert ihre Taille, ihre braunen Locken fallen locker auf die Schultern. Lächelnd setzt sie sich an den Flügel. Karg wird's für die circa 170 Konzertbesucher in den nächsten gut zwei Stunden auch akustisch nicht.

    Lustig geht's los: „Ihr kommt hier heute sowieso nicht mehr raus – bis zum Aus“, heitere Klänge umspielen die Worte. Piechottas Blick wandert über die ersten Stuhlreihen, trifft auf viele lachende Gesichter. Niemand will hinaus. Im Gegenteil, die Neugier wächst noch. Denn Piechotta kündigt an, es werde „ein bisschen gewählte Sprache geben und auch Gossensprache“. Wer Letztere nicht verstehe, dürfe jederzeit nachfragen.

    Selbst mit dieser Bemerkung spielt sie im Laufe des Abends. Etwa in einem Lied über eine Frau, die einen Mann, vermeintlich den ihrer Träume, über eine Flirtbörse im Internet kennenlernt. Sie trifft ihn letztlich nicht nur in der virtuellen, sondern auch in der realen Welt. „Beruflich war er Geiger, optisch hübscher als Til Schweiger.“ Nur Manieren hat er keine, dafür einen furchtbaren bayerischen Akzent. Deshalb endet das Rendezvous seitens der Dame mit der Frage „Würdest du mir bitte jetzt ein Taxi rufen, du Arsch?“ Frech und flink fügt Piechotta an: „Gibt's jetzt 'ne Frage zu dem Wort?“ Keine Fragen, viele Lacher.

    Heiser prustend krümmt sich plötzlich eine Frau in den vorderen Stuhlreihen vor Lachen. Dabei hat Piechotta doch nur „ein Kinderlied“ intoniert. Mit der nervigen Quäkstimme einer neugierigen Göre richtet sie singend Fragen an eine ebenfalls von ihr gemimte Mutter: „Weshalb heißt ein Nachttopf Nachttopf? Kocht man nachts darin Spaghetti? Und was ist ein Mutterkuchen – und darf ich den mal versuchen?“ Irgendwann reißt Mama der Geduldsfaden. „Stopp, stopp, stopp“, schreit sie. Piechotta haut zu diesen Worten auf die Tasten, dass man um den Flügel fast Angst haben muss. Doch das perfekte Zusammenspiel von Text – oder besser Erzählung – und Musik kommt an.

    Dabei mutet die Künstlerin ihrer Stimme eine Menge zu. Gar nicht so leicht, mit einem derart feinen und hellen Organ einen brummigen Papa zu geben oder den grölenden Bayern aus der Flirtbörse. Doch es klappt. Und in Stücken, in denen es stimmlich eher filigran zugeht, spielt die studierte Sängerin all ihre Stärken aus.

    Klar, rein und kraftvoll kommt ihre Stimme etwa im mit Tangomusik unterlegten Lied „Kein Talent“ daher. Melancholiebeladen und bleischwer dagegen in „Am Grab“, einem Stück über Tod, Verlust und Trauer. Es gehört zu den wenigen Chansons des Abends, die längere rein instrumentale Passagen haben. In diesen kullern Töne die Tonleiter hinab wie Tränen eine Wange. Die Poesie der Worte entfaltet Magie. Verflogen die Heiterkeit aus zuvor gespielten „Liebesliedern zum Entlieben“.

    Für diesen Stimmungswechsel gibt Piechotta ihren Hörern Raum. Bevor sie den ersten Ton spielt, schließt sie die Augen – Stille, sekundenlang. Lange lässt sie am Ende des Liedes die letzten Klänge im Raum verhallen. Beifall. Und zum Abschluss des Abends noch ein eher fröhliches „Duett“. Gleich mehrere Zugaben erklatscht sich das Publikum. Ruhig, allem Anschein nach beseelt treten die meisten den Heimweg an. Beseelen kann eben nicht nur Heiteres. David Ditzer

    Klasse Musik und mehr

    Anna Piechottas aktuelle CD trägt den Titel „Ganz Ohr“. Die selbst getexteten und komponierten Chansons darauf sind gesanglich und musikalisch anspruchsvoll. Geigen- oder auch Celloklänge bereichern mitunter das Klangbild. In eher poppigere Gefilde begab sich die Künstlerin für „Care for rare“, ein Lied über Kinder mit seltenen Erkrankungen. Dieses Lied ist auf einer Maxi-CD erhältlich. Der Verkaufserlös kommt einer gleichnamigen Stiftung zugute, die sich um ebensolche Kinder kümmert. Mehr Infos: www.annapiechotta.de dad

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