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Halb nackter Heiliger empört den Bischof

Münstermaifeld - Welche Aufgaben hatte eigentlich der Dampfkesselüberwachungsverein? Und seit wann trägt der heilige Sebastian in der Münstermaifelder Stiftskirche sein güldenes Lendengewand? Das und noch viel mehr erfährt derjenige, der sich die DVD „En Meensterer verzellt“ anschaut. Wunderschöne Geschichten werden darauf erzählt. Geschichten die das Leben schrieb. Der Förderverein Kulturbesitz Gebiet Münstermaifeld hat die DVD erstellt und damit nicht nur echte Heimatkunde betrieben, sondern auch Heimatgeschichte(n) vor dem Vergessenwerden bewahrt.
So erzählt beispielsweise Elisabeth Wölbert von einem Bischof, der vor rund 100 Jahren in Münstermaifeld zur Firmung weilte und sich dabei beim Pfarrer über den halb nackten Sebastian, eine Heiligenfigur in der Stiftskirche, empörte. Er wies den Pastor an, diesem zu einer ansprechenden Bekleidung zu verhelfen. Der Pfarrer sträubte sich zwar, suchte aber dann doch die Werkstatt Port auf und schilderte dort des Bischofs Verlangen. Wölberts Großvater sagte nur: „Nä, datt geht net. Da wird nix dran geändert“. Ein aus Bayern stammender Vergolder mischte sich in das Gespräch ein: „Meister, dös mache me scho“, sagte er knapp. Später nahm er ein Sackleinen, tauchte es in Leim, schlang es dem Sebastian um die Lenden und arbeitete einen Faltenwurf heraus. „Noch heute ziert das Kleidungsstück den Heiligen und verdeckt seine Blößen. Seitdem war „Dös mache me scho“ in der Werkstatt ein geflügeltes Wort, wenn mal was Brenzliges an stand“, erzählt Elisabeth Wölbert lachend.
Die Kunstschreinerei Port war weit über unsere Region hinaus bekannt. Spezialisiert waren die Handwerker auf die Herstellung von Altären und Kirchenmobiliar. In vielen Gotteshäusern der nahen und weiteren Umgebung sind noch heute Altäre aus der Werkstatt Port zu bestaunen. Elisabeth erlernte das Handwerk des Vergolders. Ihr Vater Karl war einer der ersten, die in Münstermaifeld ein Auto besaßen. Nachdem er schon viele Fahrten unternommen hatte, wurde er vom damaligen Hausarzt gefragt, wie man denn den Führerschein erlangen kann. Er gedenke sich auch ein Fahrzeug zuzulegen. Nie hatte Port eine derartige Prüfung gemacht. Nie hatte ihn jemand nach dem Führerschein gefragt. So bestellten beide einen Ingenieur vom Dampfkesselüberwachungsverein. Dieser, der Vorläufer des heutigen TÜV, war seinerzeit für die Fahrprüfung verantwortlich. „Der Ingenieur fuhr mit den beiden Aspiranten los. Bis nach Gappenach fuhr Karl Port, von dort bis nach Polch saß der Arzt am Steuer. Beiden wurde anschließend der Führerschein ausgehändigt“, erzählt Elisabeth Wölbert schmunzelnd.
Nicht irgendwelche anonymen Personen sind es, die auf der DVD zu sehen und zu hören sind. Nein, es sind waschechte Meensterer, dazu noch weithin bekannt: Rudi Schlegel, Elisabeth Wölbert und Christel Tenhonsel, alle drei haben die 80 bereits überschritten. Sie kramten in ihrer Erinnerungskiste und förderten dabei allesamt tolle Geschichten ans Tageslicht.
Rudi Schlegel, in jüngeren Jahren eine echte Karnevalskanone, weiß herrliche Begebenheiten zu berichten, die sich in früheren Zeiten beim Fassenachtstreiben zutrugen und auch vom Geschehen bei der Feuerwehr, der er lange Zeit angehörte. 1995 erhielt er wegen seiner Verdienste um den rheinischen Karneval den Kreiswackes verliehen. Lange Jahre war er Präsident der Karnevalsgesellschaft. „Damals wurde keine Büttenrede gehalten, die ich nicht vorher durchgesehen hatte. Zweideutigkeiten und Anzüglichkeiten gab es bei mir nicht. Da war ich unerbittlich“, erzählt er. Und von der Mordgeschichte berichtet er, anderswo Bierzeitung genannt, wobei Bürger während einer Fastnachtssitzung zur Freude der Mitmenschen durch den Kakao gezogen wurden.
Auch die Eckensteher erwähnt Schlegel, Männer, die keiner Arbeit nachgingen, am Rathauseck standen und sich einen Spaß daraus machten, Vorübergehende zu veräppeln. Neise Pitter widmet er ebenfalls ein Verzellchen. Der lag wegen seiner Atemnot beinahe Tag und Nacht am Fenster und bekam alles mit, was sich draußen abspielte. Auf ihn verließen sich die Nachbarn, als Einbrecher mal bei Meister Walderich, einem Bäcker, einbrachen. Der Neise Pitter wird uns warnen, sagten sie. Als dieser dann eines Nachts mal laut pfiff, stürmten alle erschreckt ans Fenster, im Glauben, das der Pitter einen Warnpfiff losgelassen habe. Von dem aber war nur zu hören: „Legt euch wieder hin. Wollte nur mal gucken, ob ihr euch rührt, wenn ich pfeife.“
Christel Tenhonsel, die Dritte im Bunde, verbindet viele Erinnerungen mit ihrer Tätigkeit als Wirtin der bekannten Gaststätte mit Saal und Kegelbahn. Der Saal, allgemein als Nasse-Saal bekannt, war früher weithin bekannt und bei Veranstaltungen immer rappelvoll. „Nie habe ich einen Fastnachtszug gesehen. Ich war immer im Gasthaus im Einsatz“, sagt sie. Wenn sie sich an die alten Steckelchen erinnert, dann muss sie nicht selten beim Erzählen herzhaft lachen.
Die DVD (7,50 Euro) gibt es unter Telefon 02605-962520 (Ritzenhofen) und auf dem Adventsmarkt am 26. November am Stand des Kulturvereins. Franz-Josef Dosio

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