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  • Solidarische Landwirtschaft: Landwirt und Geldgeber teilen sich die Ernte

    Hausen. Der Bioland-Hof der Familie Kröll in Hausen-Stopperich hat erfolgreich ein Modell etabliert, bei dem Beteiligte und der Landwirt zu gleichen Teilen profitieren. Die Rede ist von der solidarischen Landwirtschaft, die bundesweit immer mehr Befürworter findet.

    Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft findet bundesweit immer mehr Befürworter.
    Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft findet bundesweit immer mehr Befürworter.
    Foto: privat

    Von unserem Redakteur Ralf Grün

    Das Prinzip ist schnell erklärt: Eine Gruppe von Menschen garantiert die Abnahme der landwirtschaftlichen Produkte und finanziert alles, was nötig ist, vor. Landwirt und an ökologisch wertvollen Lebensmitteln Interessierte teilen sich so Verantwortung, Risiko, Kosten und die Ernte. Wer Lust hat, kann auch bei der Ernte helfen. "Die Menschen verbinden sich mit den Landwirten, Tieren und dem Boden vor Ort", erzählt Jürgen Kröll. Das macht die Produktion von gesunden, regionalen Lebensmitteln unabhängig von Subventionen und sichert die Existenz von Betrieben, die sich diesem Metier verschrieben haben. Im Kreis Neuweid dürften Jutta und Jürgen Kröll die ersten sein, die den Mut hatten, auf dieses Pferd zu setzen.

    Im Bonn-Kölner Raum etwa liegt die solidarische Landwirtschaft absolut im Trend. Jetzt hat Familie Kröll bewiesen, dass das auch im ländlichen Raum funktionieren kann. Das erste Jahr, bei dem sich der eigentliche Milchbetrieb zunächst einmal auf den Anbau von 30 bis 40 Gemüsesorten konzentrierte, lief jedenfalls "erstaunlich gut", erklärt Jutta Kröll. Daran änderten auch die Rehe nichts, die auf den gepachteten Flächen in Glockscheid einen Teil der Gemüseernte gefressen hatten. Wenn es weiterhin so gut läuft, kann irgendwann der ganze Hof über die solidarische Landwirtschaft betrieben werden. Dann könnten sich alle Beteiligten komplett versorgen - von der Milch, über Butter, Käse, Gemüse, Obst und, und, und. "Aber das muss sich Stück für Stück entwickeln und hängt letztlich auch von der Zahl der Mitglieder ab", weiß Jürgen Kröll.

    Die Idee, in die solidarische Landwirtschaft einzusteigen, tragen Jutta und Jürgen Kröll schon eine Weile mit sich herum: "Ein befreundeter Bauer erzählte uns oft davon." Zudem treibt Jürgen Kröll die 2015 wegfallende Budgetierung der Milchproduktion um. "Das wird die Produktion hoch- und den Preis runtertreiben", ist er sich sicher. Um nicht in Sachen Milch auf volles Risiko gehen zu müssen, fasste das Ehepaar im Februar dieses Jahres den Entschluss, es zu versuchen.

    40 Interessierte lauschten Vortrag

    Mithilfe des Netzwerkes Solidarische Landwirtschaft waren kurzfristig Vortragsabende in der Region organisiert - und immerhin 30 bis 40 Leute gaben sich dazu ein Stelldichein. Das Ganze mündete schließlich in eine sogenannte Bieterrunde, bei der sich Gruppe von 36 Mitgliedern fand, mit denen der Biohof in den solidarischen Gemüseanbau gestartet ist. Die Menschen - inzwischen sind es bereits fast 45 Mitglieder - kommen aus Köln, aus Nachbarkreisen oder aus der näheren Umgebung. Unter den Mitgliedern ist eine 80-jährige Witwe, die den Hof und seine Produktion unterstützen will, genauso wie eine siebenköpfige Großfamilie, sagt Jutta Kröll. "Ohne die Struktur der solidarischen Landwirtschaft wäre das für uns unmöglich gewesen", betont Jürgen Kröll.

    Konkret läuft das so ab: Die Mitglieder verpflichten sich für ein Jahr, einen Teil der Ernte abzunehmen und zahlen einen von ihnen selbst festgelegten Betrag in die Kasse ein. Kommt in einer von mehreren möglichen Bieterrunden ausreichend Geld zusammen, stellt Landwirt Jürgen Kröll ein Budget auf. Aus diesem bezahlt er etwa benötigte Maschinen und eine Gärtnerin, die sich um den Gemüseanbau kümmert.

    Der Anreiz für die Mitglieder besteht darin, dass es wöchentlich eine Kiste frisches Gemüse, je nach Jahreszeit variiert, vom Hof gibt. Es sind fünf bis sechs Depots eingerichtet, von denen die Kisten abgeholt werden können. Kosten für Transport und Lagerung fallen somit nicht an. "Das klappt prima. Beeindruckt hat uns vor allem das Gemeinsame im Denken und Handeln", freuen sich die Krölls.

    Übrigens: Im Februar steht die nächste Bieterrunde an. Dann geht es für Familie Kröll um die Frage: Kriegen wir noch mehr Mitglieder zusammen? "Aber wir sehen das entspannt, wir haben es ja schon einmal durchgestanden."

    Infos im Netz: www.solidarische-landwirtschaft.org

    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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