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  • Volle Breitseite erwischte den Landkreis - Rückblick auf ein Chaos-Wochenende

    Rhein-Hunsrück. Diesmal traf es den Rhein-Hunsrück-Kreis - und zwar mit voller Wucht. Als am frühen Samstagmorgen das Gewitter über der Region tobte und der Starkregen einsetzte und nahezu zeitgleich Einsatzkräfte im gesamten Kreis alarmiert wurden, passierte das spektakulärste Unglück unten zwischen Oberwesel und dem Kauber Fähranleger.

    Von Suzanne Breitbach, Charlotte Schick, Sebastian Schmitt und Thomas Torkler

    Auch wenn auf den Hunsrückhöhen bis zum frühen Abend gegen 18 Uhr Daueralarm herrschte und das Martinshorn den ganzen Samstag überall zu hören war - das spektakulärste Unglück passierte zwischen Oberwesel und dem Kauber Fähranleger. Ein in Richtung Frankfurt fahrender Regionalexpress entgleiste, weil das Gleisbett überspült war. Dabei wurde der Lokführer schwer verletzt und mit dem Rettungshubschrauber in ein Koblenzer Krankenhaus geflogen. Zehn Zugreisende, darunter ein Bahnbediensteter, erlitten leichte Verletzungen. Wenige hundert Meter von der Unfallstelle entfernt war bei einem weiteren Hang Geröll abgerutscht und blockierte die Gleise. Der Bahnverkehr ruht voraussichtlich bis Mittwoch. Im Zuge dieser Ereignisse wurde auch der Raderlebnistag Tal total am Sonntag abgesagt.

    Auch die Hunsrückbahn zwischen Boppard und Emmelshausen blieb nicht verschont. Zwischen Boppard und dem ersten Tunnel legten sich mehrere Bäume am Samstagmorgen über die Steilstrecke. Die Freiwilligen der Feuerwehr Boppard sorgten mit Hilfe der Motorsägen und Muskelkraft für schnelle Weiterfahrt.

    Daran war auf den Straßen des Hunsrücks nicht zu denken. Zunächst verwandelte der Starkregen am Morgen die Straßen in gefährliche Rutschbahnen durch Aquaplaning. Ein Gemüsetransporter geriet auf der B 50 in Fahrtrichtung Flughafen Hahn hinter Kirchberg dadurch ins Schleudern, prallte links in die Leitplanke und lag schließlich quer zur Fahrbahn im rechten Straßengraben auf der Fahrerseite. Den beiden Insassen war glücklicherweise nichts passiert. Der Verkehr wurde einspurig an der Unfallstelle vorbeigeleitet.

    Zu dem Zeitpunkt, gegen 6 Uhr früh, begann für sämtliche Feuerwehren im Hunsrück, für THW, DLRG, das Rote Kreuz sowie Straßenmeistereien - und unzählige freiwillige Helfer aus den Dörfern und Städten der Arbeitstag, der sich erst gegen 18 Uhr entspannte.

    Es ergaben sich in vielen Orten extreme Hochwasserlagen. Die Bäche traten überall über die Ufer, aber häufig waren es auch einfach nur Wassermassen und Geröll von höher gelegenen Wiesen und Feldern, die sich ihren Weg talwärts bahnten. Sämtliche Dörfer in Tallage liefen voll.

    Der Simmerbach machte sich in Simmern mächtig breit, überschwemmte Straßen, Keller liefen voll, und bachabwärts - eigentlich müsste man formulieren flussabwärts - wurden die Anliegergemeinden Ohlweiler, Belgweiler und schließlich Gemünden und Gehlweiler heimgesucht. Auch der Kauerbach bei Unzenberg wurde von allen Seiten, von höher liegenden Äckern sowie kleineren Bächen, kräftig gefüttert, sodass sich im Ort ein reißender Strom ergab. Dies sind nur zwei Beispiele. Ein weiteres zeigt die Luftaufnahme von Ravengiersburg auf dieser Seite. Das Bild symbolisiert das ganze Ausmaß der Überflutungen, die Straßensperrungen im gesamten Hunsrück zur Folge hatten. Die meisten konnten nach den Aufräumarbeiten und nach dem sinkenden Wasserspiegel wieder aufgehoben werden. Sonntagmorgen meldete die Polizei: Alle Straßen sind wieder befahrbar.

    Ausnahme ist die B 421 zwischen Simmertal und Gemünden. Hier bleibt die Sperrung noch bis mindestens heute bestehen, denn Bäume blockieren die Fahrbahn auf der engen Straße im Kellenbachtal. An der steilen Böschung gegenüber dem Campingplatz bei Hochstetten-Dhaun wurden in etwa 40 Metern Höhe mehrere Bäume entwurzelt, die jederzeit abrutschen können. Laut Polizei findet am heutigen Montag dort eine Begehung durch Spezialisten statt. Die Beeinträchtigungen für den Verkehr auf der wichtigen Verbindungsstraße dürften also noch andauern.

    Ministerpräsidentin Malu Dreyer reiste am Samstag durch die Region, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. In Simmern empfingen sie VG-Bürgermeister Michael Boos und Kreisfeuerwehrinspekteur Stefan Bohnenberger. Angesichts der Dauerbelastung der Hilfskräfte in den vergangenen Wochen - allein die Feuerwehr Kirchberg fuhr im Juni 150 Unwetter-Einsätze - sagte Malu Dreyer: "Es ist gut, dass wir uns in solchen Situationen auf die vielen freiwilligen Helfer verlassen können - aber mittlerweile ist die die Belastung schon sehr hoch."

    Auch Staatssekretär Randolf Stich vom Mainzer Innenministerium erkundigte sich vor Ort über die Situation und sprach mit Einsatzkräften und Betroffenen. Stich und Bohnenberger zeigten sich beeindruckt von der Eigeninitiative der Bevölkerung und der Nachbarschaftshilfe, die in allen Orten die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit unterstützten, wo sie nur konnten. Für die unermüdliche Arbeit der teilweise fast 800 ehrenamtlichen Einsatzkräfte sämtlicher Organisationen bedankte sich auch Landrat Marlon Bröhr stellvertretend bei KFI Bohnenberger.

    Rhein-Hunsrück: Besser aufs nächste Hochwasser vorbereiten Zwischen Simmertal und Gemünden: Hochwassersperrung bleibt noch bestehenKommentar: Man kann nur sagen: Hut ab - Thomas Torkler zur beispiellosen Hilfsbereitschaft Der reißende Simmerbach setzt Gemünden unter WasserUnd am Samstagmorgen donnerte es schon wieder: Dauereinsatz der Feuerwehrenweitere Links
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