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  • Nachbarn wollen Bahntrasse statt Radweg

    Kreise Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg sprechen sich gegen eine Umwandlung aus

    Ist der Zug endgültig abgefahren? Kreistagsmitglied Hans Dunger will die Hunsrückbahntrasse von Büchenbeuren zur Türkismühle am liebsten in einen Fahrradweg umwandeln lassen. Doch die Nachbarkreise sind von dieser Vorstellung überhaupt nicht begeistert.
    Ist der Zug endgültig abgefahren? Kreistagsmitglied Hans Dunger will die Hunsrückbahntrasse von Büchenbeuren zur Türkismühle am liebsten in einen Fahrradweg umwandeln lassen. Doch die Nachbarkreise sind von dieser Vorstellung überhaupt nicht begeistert.
    Foto: Werner Dupuis

    Auf wenig Gegenliebe bei den Nachbarn stößt das Ansinnen des Rhein-Hunsrück-Kreises, die Eisenbahntrasse von Büchenbeuren über Morbach nach Hermeskeil in einen Radweg umzuwandeln. Einen entsprechenden Antrag hatte der Bündnisgrüne Hans Dunger im Juli im Kreistag gestellt und dafür eine Mehrheit gefunden (wir berichteten).

    Landrat Marlon Bröhr sollte die Meinung der Nachbarn über die Umwandlung der bis Ende 2014 noch für Ausflugsfahrten genutzten Eisenbahntrasse in einen Radweg einholen. Konkret geht es um die rund 50 Kilometer lange Bahnstrecke Büchenbeuren-Hermeskeil, von der ungefähr sechs Kilometer (etwa 12 Prozent) auf dem Gebiet des Rhein-Hunsrück-Kreises liegen. Der überwiegende Teil liegt in den Gemarkungen der Kreise Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg und St. Wendel (Saarland).

    „Die Eisenbahninfrastruktur ist zwischen Büchenbeuren und Türkismühle seit Ende 2014 stillgelegt. Die Touristikzüge zwischen Hermeskeil und Türkismühle sowie zwischen Büchenbeuren und Morbach sind eingestellt. Für einen Zugbetrieb gibt es also keinen Bedarf mehr“, hatte das Kirchberger Kreistagsmitglied seinen Antrag begründet. Mit der Einrichtung eines Radweges auf der alten Bahntrasse führten vom mittleren Hunsrück steigungsoptimale Radwegetrassen zur Mosel und zur Nahe bei Türkismühle, ergänzte Dunger.

    Damit befindet sich der Grüne Fraktionsvorsitzende auf Konfrontationskurs mit seiner Landtagsfraktion. Deren Sprecherin für Mobilität und Infrastruktur, Jutta Blatzheim-Roegler, hatte sich noch im Mai bei einem Ortstermin auf dem Simmerner Bahnhofsgelände für eine Reaktivierung der Hunsrückbahn ausgesprochen. Ins gleiche Horn stößt auch Simmerns Stadtbürgermeister Andreas Nikolay (CDU). Für ihn erhält die Hunsrückbahn durch den Nationalpark Aufwind. „Eine Erschließung bis Morbach wäre sinnvoll. Dann wäre auch unsere Region an den Nationalpark angeschlossen und würde touristisch davon profitieren.“

    Genau diese Chance wollen sich auch die südwestlichen Nachbarn weiter offen halten. So schreibt Gregor Eibes, Landrat in Bernkastel-Wittlich, in seiner Stellungnahme an Bröhr: „Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass alle Bemühungen darauf gerichtet sein müssen, eine vorhandene Schieneninfrastruktur zu erhalten und wieder einer Nutzung zuzuführen. Deshalb sollten zunächst die Chancen ausgelotet werden, die sich für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald beziehungsweise für die Eisenbahninfrastruktur ergeben. Hier kann man sich eine rein touristische Nutzung, aber auch einen Nutzen durch die Einbeziehung in den ÖPNV vorstellen. Sollten die Planungen des Landes bezüglich der Strecke Hahn-Langenlonsheim umgesetzt werden, wäre eine Verlängerung Richtung Türkismühle und damit Richtung Saarbrücken-Frankreich auch für das Frachtaufkommen des Flughafens Hahn sinnvoll.“

    Eibes verweist auf eine neue Verwaltungsvorschrift zur Förderung der Investitionen für die Reaktivierung beziehungsweise Ertüchtigung von Eisenbahninfrastrukturen in Rheinland-Pfalz, die sich aktuell im Abstimmungsverfahren befindet. Der Bernkastel-Wittlicher Landrat betont: „Bevor diese Überlegungen nicht zu einem Abschluss geführt wurden, kann ich die Planungen zum Bau eines Radweges nicht unterstützen.“

    Unterstützung erfährt er dabei von seinem Kollegen Günther Schartz aus dem Kreis Trier-Saarburg. „Eine existierende Eisenbahninfrastruktur darf man in der heutigen Zeit nicht aufgeben“, unterstreicht er. „Die Bahn ist nach wie vor reaktivierbar, wie zahlreiche Beispiele in der Bundesrepublik es auch belegen. Dies gilt für touristische Zwecke und für den SPNV. Ich darf insofern auch auf die Entscheidungen des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr RLP-Nord zur Hunsrückbahn verweisen.“ Schartz hebt hervor: „Das Land plant weiter an der Bahnverbindung zum Hahn, und im Koalitionsvertrag der Landesregierung ist die Streckensicherung festgeschrieben. Insofern gibt es ein weiteres Interesse daran, die Verbindung vom Hahn bis nach Türkismühle zu sichern und zu gegebener Zeit weiter zu entwickeln. Die Erschließung des Nationalparks und die Schaffung attraktiver verkehrlicher und touristischer Angebote lässt ebenfalls weiteren Raum für die Bahnstrecke.“

    Der Trier-Saarburger Landrat macht außerdem sein Unverständnis deutlich, dass ausgerechnet „an den Enden der Hunsrückbahnlinie, wo es jeweils eine Anbindung an den SPNV und die großräumigen Bahnnetze gibt, der Abbau des mittleren – verbindenden – Teils verlangt wird. Man hat selbst keine Nachteile vom Abbau, aber will den Kommunen entlang des Mittelteils einen Weg vorschreiben“.

    Für eine Umwandlung der Bahn- in eine Radstrecke spricht sich letztlich nur der Kreis St. Wendel aus. „Einen weiteren Ausbau der Radwegeanbindung in den Hunsrück könnten wir uns vorstellen“, nimmt Martina Scheer von der Tourist-Info Sankt Wendeler Land Stellung zur Anfrage des Rhein-Hunsrück-Kreises. „Vorbehaltlich jeglicher Beschlüsse in den entsprechenden Gremien beziehungsweise der Finanzierung erfolgt diese Interessenbekundung aus rein touristischen Gründen.“

    Hans Dunger tut die Wünsche aus Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg derweil als „Träumereien“ ab. Beide seien bereits optimal mit Radwegen ausgestattet. Die Mobilitätsstudie zur Erschließung des Nationalparks sehe eine Anbindung der Bahnstrecke an den ÖPNV nicht vor. „Was den Radweg auf der alten Bahntrasse betrifft, setze ich meine Hoffnungen auf das Saarland.“  mal

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    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

     

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