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  • Exkursion Mykologie-Freunde sind bei Sinzig unterwegs - Manche Exemplare sind für ihre Heilwirkung bekannt

    Pilzexperten werden auch im Winter fündig

    Sinzig. Pilze suchen, jetzt im Februar? Das geht, denn Pilze kennen keine Jahreszeit. So fanden sich kürzlich am Bad Bodendorfer Sportplatz rund ein Dutzend Mykologie-Freunde und interessierte Sammler zur Winterexkursion der Arbeitsgemeinschaft für Pilzkunde Vulkaneifel (APV) ein.

    Pilzexperten schicken sich an, das Dickicht an der Ahr bei Bad Bodendorf zu durchforsten.
    Pilzexperten schicken sich an, das Dickicht an der Ahr bei Bad Bodendorf zu durchforsten.
    Foto: Judith Schumacher

    Von der anderen Ahrseite wird der Trupp, der sich durchs Uferdickicht arbeitet, von Hundespaziergängern neugierig beäugt. „Die werden sicher denken: Was sind denn das für Irre oder dass wir die Vorhut für den Dreck-Weg-Tag sind“, sagt eine Teilnehmerin. Indessen macht sich der Rest im Gebüsch mit Kamera und Lupe auf die Suche nach Winterpilzen. Im Eifler Denntal bei Adenau hatte Manfred Schröder zuvor das Gelände erfolglos sondiert, wie Klaus Rödder, Pilzsachverständiger aus der Vulkaneifel erklärt. An der Ahr ist es wärmer, die Erfolgsaussichten, etwas zu finden, sind hier größer.

    Der Prachtbecherling ist ein besonders hübscher Pilz.
    Der Prachtbecherling ist ein besonders hübscher Pilz.
    Foto: Judith Schumacher

    Bald darauf steht Manfred Schröder aus Koblenz mit einem wahren Prachtexemplar von Erdstern samt der namensgebenden hübschen Halskrause in der Hand da. Trotz Schröders jahrzehntelanger Erfahrung hatte er noch nie einen so großen und völlig intakten Pilz gefunden. Hübsch anzusehen ist auch der goldgelbe Zitterling, der in einer Farbenexplosion aus dem Dickicht leuchtet. Sogar knallrote Prachtbecherlinge finden sich auf dem Waldboden. „Gleich drei Zentimeter neben dem Schuh, bitte ganz vorsichtig bewegen“, mahnt Dr. Bernd Oertel. Der Pilzforscher, Mikrobiologe und Chemiker wird auf diversen umherliegenden verrottenden Ästen fündig. An einer Pflanze können bis zu sieben verschiedene Pilzarten wachsen. Mit der Lupe identifiziert er Hexenbutter und Winterbecherlinge, die sich als kleine weiße Gebilde mit einem schwarzen Loch in der Mitte angesiedelt haben. Doch auch die ausgewiesenen Experten kennen ihre Grenzen. „Den hab ich noch nie gesehen.“ Oertel schaut sich einen kleinen, hellbraunen Schirmpilz an, den ihm eine Teilnehmerin unter die Nase hält. „Der Einladung zum Pilzeessen von jemandem, der behauptet alle Pilze zu kennen sollte man lieber nicht folgen“, warnt Frank Krajewski, Pilzsachverständiger aus Kripp und Vorsitzender des Ahrtrüffelvereins.

    Interessiert sammeln sich die Teilnehmer um Äste eines Holunderbaumes, auf dem Judas-Ohren wachsen. Dieser Pilz des Jahres der Gesellschaft für Mykologie ist auch als Mu Err (Waldohr oder Baumohr) bekannt, macht sich gut in einer Suppe und stärkt das Immunsystem, wie Krajewski erklärt.

    Manche Arten wie der goldgelbe Zitterling wachsen nur im Februar. „Der Pfifferling hingegen fängt im Dezember an zu wachsen, bis er im Juni erntereif ist“, erläutert Oertel. In ihm ist Mannit enthalten, eine Art biologisches Frostschutzmittel. „Das kann auch vorbeugend gegen Darmkrebs helfen, weil es regelrecht durchputzt“, so Krajewski, der sich intensiv auch mit Heilwirkung von Pilzen befasst. Birkenporlinge, wie einer auch bei Ötzi, der Mumie aus dem Eis, gefunden wurde, hätten erst kürzlich bei einem Mann mit einem offenen Bein, was sich lange nicht geschlossen habe, als Auflage geholfen. Auch sei eine ältere Dame, die unter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) litt, und nichts mehr essen wollte, durch Behandlung mit Chaga-Tee wieder auf die Beine gekommen. „Der Chaga-Pilz (Schiefer Schillerporling) in ebenso wie der Shiitake-Pilz einer der ältesten Heilpilze, die es gibt“, weiß Krajewski.

    Eine Dame bringt einen verwesten Hallimasch an. „Bei diesem Pilz müsste man nur ein ,r‘ an die richtige Stelle setzen, um zu wissen, was passiert, wenn man zu viel davon isst“, betont Krajewski. Zu viele Pilze sollten allerdings grundsätzlich nicht verzehrt werden. Eine Portion von 50 Gramm, was 500 Gramm Frischpilzen entspricht, ist ein Richtwert, an den man sich halten sollte. „Oft braucht man dann nicht auch noch ein Schnitzel dazu, bei der Zubereitung der Pilze solle man sie als Eiweißlieferanten ebenso behandeln, wie etwa Hackfleisch – sie also nur frisch verwenden“, erläutert Krajewski eine Faustregel. Oertel weist auf ein Prachtexemplar von Baumpilz, der in etwa einem Meter Höhe sitzt. „Die Sporen sind so leicht, dass sie Stunden brauchen, bis sie auf den Boden sinken“, erklärt der Fachmann.

    Wer hübsche Baumpilze wie den Feuerschwamm, den flachen Lackporling oder rot geränderten Baumschwamm als Dekoration mit nach Hause nehmen möchte, sollte deshalb Folgendes beachten: „Die an die Luft abgegebenen Sporen können Asthma erzeugen, deshalb sollte man sie mit einer Lackschicht überziehen“, rät Krajewski. Um einiges Wissenswertes bereichert tauschten sich die Pilzfreunde zum Abschluss in der Truffiere des Ahrtrüffelvereins oberhalb von Bad Bodendorf noch weiter über Details der Mykologie aus.

    Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

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