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  • Interview: Kreis meint es mit Erneuerbare-Energien-Ziel nicht ernst

    Noch im Januar war Projektentwickler Gereon Schürmann zuversichtlich, was seine beiden Windparkprojekte in der Eifel angeht: 2018, so schätzte er, könnten bei Reifferscheid beziehungsweise Bauler/Barweiler/Pomster die geplanten Windräder in Betrieb gehen. Doch dieser Optimismus hat sich weitgehend verflüchtigt. Warum er sich nicht mehr so sicher ist, ob überhaupt etwas aus seinen Projekten wird, darüber sprach die Rhein-Zeitung mit dem Leimbacher.

    Herr Schürmann, im Januar klang es noch, als seien Sie auf der Zielgeraden. Was hat Sie ausgebremst?
    Es fehlt nach wie vor die Genehmigung der zuständigen Behörde. Die Anträge auf ein raumordnerisches Verfahren liegen seit 2015 bei der SGD Nord. Im Juni 2015 gab es ein Gespräch mit dem Präsidenten, Herrn Kleemann. Daraus ergab sich eine Liste von Unterlagen, die noch nachzureichen waren. Das habe ich getan. Es kommen aber immer neue absurde Forderungen. Im Juni habe ich auf diesen Umstand hingewiesen. Seither habe ich von der Behörde nichts mehr gehört.

    Sie werfen auch der Vizepräsidentin der SGD Nord, Sandra Weeser, vor, durch die Lande zu touren, um die Windkraftgegner zu unterstützen.
    Als stellvertretende Landesvorsitzende der FDP halte ich sie für befangen. Da sich Frau Weeser offenkundig den Verhinderern des weiteren Ausbaus der regenerativen Energien verpflichtet fühlt, kann es nicht verwundern, dass bei der SGD Nord, was die Verbandsgemeinde Adenau angeht, der Fortgang blockiert wird.

    Welche Rolle spielt die Kreisverwaltung?
    Die SGD Nord bedient sich der Ortskenntnis der Kreisverwaltung, die also mit blockiert. Dazu kommt diese ungeheure Arroganz der Koblenzer Behörde, und es gibt auch keinerlei Unterstützung aus der Politik. Das ist nicht sehr ermutigend.

    Aber die Kreispolitik – mit Ausnahme der FDP – hat sich doch für das 100-Prozent-erneuerbare-Energien-Ziel ausgesprochen. Wie erklären Sie sich den Mangel an Rückendeckung für Ihre Projekte?
    Wenn es die Kreispolitik ernst meinen würde, müsste sie hinter den Projekten stehen. Denn dann wäre das Ziel schon fast erreicht.

    Aber sie meint es nicht ernst?
    Offenkundig nicht. Es gibt zwar auch andere erneuerbare Energien wie Biogas und Fotovoltaik, aber ohne weitere Windenergie wird das Ziel nicht zu erreichen sein.

    Im September hat der Ministerrat neue Regeln für Windkraft auf den Weg gebracht. Was bedeuten diese Neuerungen für Ihre Projekte?
    Die neue Abstandsregel, wonach Windkraftanlagen ab einer Anlagenhöhe von 200 Metern erst ab 1100 Metern Entfernung zur Wohnbebauung aufgestellt werden dürfen, hat zur Folge, dass eines der vier geplanten Windräder bei Reifferscheid nicht am geplanten Standort errichtet werden kann. Das erfordert neue Planung und gefährdet das Projekt.

    In der Neufassung des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) müssen Projekte, die bereits eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz haben, erst noch ausgeschrieben werden. Bereitet Ihnen das Kopfzerbrechen?
    Als Projektentwickler hat man bis zu diesem Zeitpunkt schon rund 400 000 Euro für Gutachten und Untersuchungen ausgegeben. Dazu kommen noch mal rund 150 000 Euro, die man als Sicherheit hinterlegen muss, um an der Ausschreibung teilnehmen zu können. Und zu diesem Zeitpunkt weiß man noch nicht, ob man überhaupt ans Netz kommt. Es ist ein Verfahren, das dafür sorgt, dass am Ende nur noch die großen Anbieter übrig bleiben werden. Für die kleineren ist das Risiko zu groß.

    Heißt das, Sie lassen die Projekte fallen?
    Ich werde weitermachen. Schätzungsweise 90 Prozent der Kosten habe ich schon gestemmt. Es wäre kein guter Zeitpunkt auszusteigen. Ob ich es aber selbst weiterbetreibe, ob ich, was ich habe – Gutachten, Pachtverträge – verkaufe oder mich mit einem Partner zusammenschließe, das weiß ich noch nicht. Aber auch, wenn hier der Widerstand besonders heftig ist: Ich gebe nicht auf.

    Das Interview führten Uli Adams und Frieder Bluhm

    Flaute bei Energiewende: Der Windkraft geht im Kreis die Puste aus
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    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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