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  • Legt der Verteidiger von "Pulver-Kurt" Revision ein?

    Bad Kreuznach/Hundsbach - Das Landgericht Bad Kreuznach bestätigte am Dienstag in weiten Teilen die Anklagepunkte gegen den als „Pulver-Kurt“ bundesweit bekannt gewordenen Waffen- und Sprengstoffsammler Kurt N. aus Hundsbach. Die Zweite Große Strafkammer verurteilte den Rentner zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren ohne Bewährung und blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre beantragt hatte.

    „Pulver-Kurt“ musste an drei Verhandlungstagen viele Fragen über sich ergehen lassen. Nun wurde das Urteil gesprochen.
    „Pulver-Kurt“ musste an drei Verhandlungstagen viele Fragen über sich ergehen lassen. Nun wurde das Urteil gesprochen.
    Foto: Klaus Dietrich

    Bad Kreuznach/Hundsbach - Das Landgericht Bad Kreuznach bestätigte am Dienstag in weiten Teilen die Anklagepunkte gegen den als „Pulver-Kurt“ bundesweit bekannt gewordenen Waffen- und Sprengstoffsammler Kurt N. aus Hundsbach. Die Zweite Große Strafkammer verurteilte den Rentner zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren ohne Bewährung und blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre beantragt hatte.


    Dienstagmorgen, 9 Uhr: Zu Beginn des dritten Verhandlungstages erkundigt sich der Vorsitzende Richter, Dr. Bruno Kremer, bei dem 64-jährigen Angeklagten nach seinem Gesundheitszustand. „Pulver-Kurt“ war am vergangenen Mittwoch vor der Urteilsverkündung zusammengebrochen. Die wurde daraufhin auf Dienstagmorgen verschoben. „Ich bin noch ziemlich unstabil. Wenn ich mich aufrege, fängt der Kreislauf an zu spinnen. Da geht gar nichts mehr“, berichtet der Hundsbacher. Trotzdem riss sich „Pulver-Kurt“ gestern Morgen zusammen und fuhr mit seinem Anwalt, Dr. Ulrich Stange, zur Urteilsverkündung.
    „Ich habe immer gedacht, ich könnte das durchstehen. Oberstes Gebot für mich war, dass nichts in falsche Hände gerät. Ich habe Fehler gemacht. Damit muss ich jetzt leben“, räumt Kurt N. ein. In seinem Namen hat sich sein Sohn bei der Eigentümerin der Becherbacher Scheune entschuldigt, in der „Pulver-Kurt“ Unmengen Waffen und Sprengstoffen gelagert hatte, erzählt der Angeklagte: „Später habe ich versucht, mit der Frau zu reden, aber da war nichts mehr.“
    Mit Unverständnis reagiert der Vorsitzende Richter auf ein Flugblatt, das im Zusammenhang mit dem „Pulver-Kurt“-Prozess verteilt wurde. Es handelt sich um ein „Pamphlet eines geistig Verwirrten“, stellt Bruno Kremer fest. Der Autor des Textes fordert, den Fall vor den Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte zu bringen. Kurt N. distanziert sich auf Nachfrage von Richter Kremer von dem Flugblatt.
    Als sich die Richter zur Beratung zurückziehen, wächst bei Kurt N. sichtlich die Anspannung. Bei der Urteilsverkündung bleibt er gefasst. Bruno Kremer begründet den Richterspruch, verdeutlicht die Ausmaße der Waffen- und Sprengstoffsammlung, darunter Maschinengewehre, -pistolen, eine Antipersonenmine, Panzerfäuste und mehr als 100 Kilogramm Sprengstoff. „Pulver-Kurt“ verstieß in über 70 Fällen gegen das Kriegswaffen-, Waffen- und Sprengstoffgesetz. Das Landgericht wertet das Geständnis, die „besondere Haftempfindlichkeit“ des Rentners und die Möglichkeit der Sicherung von Waffen und Sprengstoff als strafmindernd. Verschärfend gilt hingegen die enorme Menge und die Gefährlichkeit von Waffen und Sprengstoff. „Wenn das alles in falsche Hände gelangt wäre“, gibt Bruno Kremer zu bedenken. Der von der Gutachterin als sehr intelligent eingestufte Kurt N. habe „das Gesetz bewusst gebrochen“.
    Ob der 64-Jährige gegen das Urteil Revision einlegt, ist noch unklar. Sein Verteidiger will dies mit „Pulver-Kurt“ ohne Eile überdenken. Dafür ist eine Woche Zeit. Dass der Hundsbacher Selbstmord begehen könne, glaubt Ulrich Stange nicht. Sein Mandant befinde sich in einem gefestigten Familienverbund. Kurt N. müsse gezielt auf den Freiheitsentzug, vor dem er soviel Angst habe, vorbereitet werden. Stange kündigt an: „Er muss gestärkt in die Haft gehen.“
    Die Geschehnisse der vergangenen Monate hätten „Pulver-Kurt“ traumatisiert. Zum Beispiel sei das Interesse an Schützenvereinen weg. Welches Motiv liegt den Straftaten zugrunde? „Ein Schutzgedanke“, glaubt Ulrich Stange. Er vermutet, dass noch viele Waffen von Privatpersonen in Deutschland illegal aufbewahrt werden. „Vielleicht trägt das Urteil dazu bei, dass die Bestände abgegeben werden.“

    Von unserem Redakteur Klaus Dietrich

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    Kolumnen von

    Gerhard Engbarth

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