Piraten wollen Koblenzer Stadtrat aufmischen
Koblenz - Die Berlin-Wahl hat die Piratenpartei aus dem Schattendasein mitten ins Parlament befördert: 15 Mitglieder standen auf der Liste - alle zogen ins Abgeordnetenhaus ein. Ein Knall, der bis an die Basis nach Koblenz schallte - und immer noch nachhallt.
"Wir gehen davon aus, dass wir in den Koblenzer Stadtrat kommen", sagt der stellvertretende Landesverbandschef Heiko Müller, als wir ihn in einem Altstadtcafé zum Gespräch treffen. Doch bis zur Kommunalwahl 2014 gibt es für die Piraten noch viel zu tun.
Die Koblenzer Regionalgruppe, die 2009 gegründet wurde, zählt zwar mittlerweile 40 Mitglieder. Zum harten, aktiven Kern zählen aber lediglich fünf Leute. Die Gründung eines Kreisverbandes ist deshalb noch nicht in Sicht. "Dafür fehlt uns einfach im Moment das Personal. Aber wir planen schon", sagt Müller.
Den ersten großen Zulauf erlebten die Koblenzer nach der Bundestagswahl 2009 - damals wurden die Piraten in Deutschland bekannt, als sie sich für Datensicherheit und gegen Netzsperren aussprachen. Die Regionalgruppe wuchs auf 25 Mitglieder an. Der zweite Schub kam nach der jüngsten Wahl in Berlin. Der Altersdurchschnitt der Koblenzer Piraten ist vergleichsweise hoch: Er liegt bei 40 Jahren. "Das ist untypisch für uns", sagt Müller. Woran das liegt, weiß er nicht.
Wer zum Stammtisch geht, der trifft dort Menschen unterschiedlicher Überzeugungen. Sei es in der Bildung, der Erziehung, der Wirtschaft oder in ethischen Aspekten. "Das macht unsere Arbeit so spannend", sagt Maik Nauheim. Er ist seit 2009 an Bord und ist mittlerweile voll in die Parteiarbeit integriert: Stammtischprotokolle gliedern, die Website pflegen und während der Treffen aktuelle Texte zur Diskussion im Internet aufrufen. Seit einiger Zeit macht ihm der Zulauf von Neulingen zu schaffen. "Es ist eine riesige Aufgabe, die neuen Mitglieder in die Kommunikationsmittel einzubinden. Die wollen aktiv sein, wissen aber nicht, wie das funktioniert." Die Piraten kommunizieren hauptsächlich übers Internet. Dort werden Arbeitsgruppen gegründet, Themen diskutiert und Aktionen geplant. Die Stammtische der Regionalgruppen dienen zum persönlichen Austausch und der Kontaktpflege mit Sympathisanten.
Wie sehr die Partei noch dabei ist, sich zu finden, wird bei ihrem jüngsten Treffen deutlich: Es wird rege diskutiert - allerdings nicht über lokale Themen, sondern über grundlegende, parteiinterne Dinge. Zum Beispiel über die Satzung: Soll diese Vorschriften darüber enthalten, wer in die Partei aufgenommen werden darf und wer nicht? Anlass der Diskussion: In Nordrhein-Westfalen entpuppte sich ein Pirat als Ex-NPD-Mann.
















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