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Klimaforschung kindgerecht erklärt

Koblenz - Fast zwei Stunden sitzen die Fünftklässler auf ihren Stühlen. Kaum einer der Schüler des Koblenzer Hilda-Gymnasiums redet. Alle sind gebannt von den Aufnahmen der Erdkugel vom Vortag, die Martin Fliegner auf die Buga mitgebracht hat. Der Umweltpädagoge bietet in Zusammenarbeit mit der Organisation Germanwatch Seminare für Schüler zum Thema Klima an.

Nadin Rabaa

150 000 Schüler aus ganz Deutschland haben seit 2005 an diesem Programm teilgenommen. "Unser Angebot ist für jeden verfügbar. Ich mache diese Klimaexpedititon mit allen Schülern, von der Förderschule bis zum Elitegymnasium", betont Martin Fliegner.

Auch auf der Buga haben Kinder im Rahmen des Bunten Klassenzimmers die Chance, im Zusammenspiel mit Fliegner den Klimawandel und seine Risiken kennenzulernen. Je nach Klassenstufe und Alter variieren die Themen und die Intensität, mit der diese behandelt werden. "Mit einer fünften Klasse erarbeitet man erst die Grundlagen, zum Beispiel wie der Treibhauseffekt funktioniert. Wenn ich mit älteren Schülern arbeite, gehe ich auch intensiver auf Einzelheiten ein und diskutiere ethische Standpunkte mit ihnen", erklärt Fliegner.

Heute werden die Kinder langsam an das Thema und seine Unterkategorien herangeführt. Zuerst wird über die Erdrotation gesprochen, dann über Winde und Kontinente. Die Gymnasiasten sind pfiffig und wissen vieles. "So eine Gruppe hat man auch eher selten, die sind wirklich intelligent und haben einen großen Wissensdurst." Zu jeder Frage wissen die Kleinen eine sinnvolle Antwort. Den Unterschied zwischen Wetter und Klima muss allerdings die betreuende Erdkundelehrerin erklären: "Das Wetter ist der Jetzt-Zustand auf der Erde, das Klima wird über viele Jahre betrachtet." Als nächstes kommt das Thema Ozonschicht auf. Fliegner erklärt diese so: "Das ist wie eine riesige Sonnenbrille. Die Sonne strahlt nur abgemindert durch die Gläser, sodass nicht das ganze Licht auf die Erde gelangt." Die Teilnehmer melden sich im Sekundentakt, jeder möchte etwas ergänzen. "Die Ozonschicht ist aber an manchen Stellen der Erde kaputt, zum Beispiel in Australien. Das heißt dann Ozonloch", ergänzt einer der Schüler.

Auch Hurricanes und Tornados werden im Zuge der Klimaexpedition erklärt. Als aktuelles Beispiel zeigt Fliegner Vorher-Nachher-Luftbilder der amerikanischen Stadt Joplin in Missouri, die im Mai von starken Tornados heimgesucht wurde. Die Kinder erkennen an der Schneise des Tornados dessen Ausmaß. "Man darf niemals vergessen, wenn man diese Bilder anschaut, dass dort Menschen wie du und ich gelebt haben", betont der Klimaexperte. Im Anschluss werden globale Probleme wie die Abholzung des Regenwaldes, der Treibhauseffekt und die Massentierhaltung besprochen. Auch Reichtum und Armut spielen eine Rolle. Anhand einer Aufnahme aller Kontinente zeigt Fliegner, wo die Lichter besonders hell und wo sie gar nicht leuchten. Die Schüler stellen fest: Vorwiegend die Nordhalbkugel hat helle Flecken. Der Umweltpädagoge ergänzt: "25 Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen 75 Prozent des vorhandenen Stroms." Ein Kind murmelt: "Ganz schön unfair."

Zum Abschluss ermutigt der Bochumer Pädagoge die Gymnasiasten zur Eigeninitiative. Wer etwas verändern will, muss bei sich anfangen, sagt der Erdspezialist.

Nadin Rabaa

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