Für Tauben soll es ungemütlich werden
Koblenz - In Scharen belagern sie die Straßen und Plätze der Stadt: Tauben gehören fast schon zum Koblenzer Stadtbild – und leider auch ihr Mist. Das ärgert viele Koblenzer, vor allem weil die Stadt nicht viel dagegen unternimmt. Von einer Taubenplage könne man zwar nicht sprechen, sagt Hildegard Henritzi vom Ordnungsamt. Laut Gesundheitsamt liegt diese erst vor, wenn Infektionen auftreten, die auf Tauben zurückgehen. Viele Bürger sehen das allerdings etwas anders.
Auch Charly Diewald ärgern die vielen Tauben und der Mist, den sie hinterlassen. Der 72-jährige Rentner findet vor allem die Situation an der Fußgängerbrücke über die Moselstaustufe unzumutbar. „Da gehen viele Leute spazieren“, sagt er, und gerade Familien mit Kindern würden gern über das Geländer blicken. Doch das sei durch den Taubenmist, der das Geländer bedeckt, schier unmöglich geworden.
Im neuen Jahr soll sich das ändern. Für die Reinigung ist der Betreiber der Brücke zuständig, wie die Stadt mitteilt, in diesem Fall also das Wasser- und Schifffahrtsamt. Ein Sprecher des Amtes teilte mit, dass eine Taubenabwehranlage für Ende Januar geplant sei. Mittels Ultraschall soll es den Tauben ungemütlich gemacht werden, sodass sie sich in diesem Bereich nicht mehr niederlassen. Anschließend sei auch eine gründliche Reinigung der Brücke geplant. Hier scheint es zumindest eine
kleine Hoffnung auf Besserung zu geben.
Doch ist das nicht der einzige beliebte „Taubentreffpunkt“ in der Stadt. Heiko Breitbarth von der Pressestelle der Stadt erklärte, dass es keine Stelle bei der Stadt gibt, die sich nur um die Beseitigung des Taubenmists kümmert. Im normalen Reinigungsturnus wird das an den Stellen miterledigt, wo die Stadt auch zur Reinigung verpflichtet ist. Ansonsten fällt das in den Aufgabenbereich des jeweils zuständigen Amtes oder Eigenbetriebs, so Breitbarth. Bewohner wie Charly Diewald sind enttäuscht, dass die Stadt nicht mehr Initiati-
ve zeigt.
Ein weiteres Ärgernis sind Mitbürger, die die Tauben auch noch anlocken. Einige Leser haben der RZ von einer älteren Dame berichtet, die auf öffentlichen Plätzen und Straßen die Tauben füttern soll. Allerdings muss sie dabei so geschickt vorgehen, dass ihr bisher noch nichts nachgewiesen werden konnte. Das ist nicht nur ärgerlich, es ist darüber hinaus auch noch strafbar. Hildegard Henritzi vom Ordnungsamt betont: „Nach der Gefahrenabwehr-Verordnung ist es auf öffentlichen Straßen und Plätzen verboten, Tauben zu füttern.“ Das gilt als Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro bestraft werden.
Um der Taubenmenge Herr zu werden, hatte die Stadt Koblenz bereits vor einiger Zeit einen „Taubenwagen“ angeschafft. Dabei handelt es sich um einen eigens für die Vögel umgebauten Bauwagen, in dem sich die Tiere zum Nisten niederlassen sollten. Das Ziel: Eine artgerechte Reduzierung der Stadttauben, indem die Eier gegen Kunststoffeier ausgetauscht werden. Soweit die Idee – doch bis zur Umsetzung ist es bisher nicht gekommen.
„Die Bewirtschaftung übersteigt den wirtschaftlichen Wert“, erklärt Reiner Klug, Leiter des Ordnungsamts. Geplant war, dass die Carmen gGmbH und das Jobcenter den Wagen mit einem „Ein-Euro-Jobber“ betreiben. Doch wie Carmen mitteilte, konnten sich beide Seiten nicht über die Höhe der „erstattungsfähigen Aufwendungen“ einigen, und damit sei eine Umsetzung nicht möglich. Seitdem steht der Taubenwagen auf dem Gelände der Zulassungsstelle des Ordnungsamtes. Im nächsten Jahr soll geprüft werden, ob eine der Tierschutzverein Koblenz das Projekt übernehmen könnte.















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