Disput im Rat: Wo gehören Bäume gestutzt?
Weißenthurm - Nach dem Sturm am 25. August hat die Stadt Weißenthurm kurzfristig 26 Platanen am Rheinufer beschneiden lassen und sich dafür in der darauf folgenden Stadtratsitzung nachträglich die Zustimmung geholt. Dennoch wurde im Ratssaal Widerspruch gegen dieses Vorgehen laut – und zwar in der Einwohnerfragestunde.
Warum ließ die Stadt nicht gleich alle Bäume der Allee stutzen, da die Baumservicefirma schon einmal an Ort und Stelle war, fragt der Weißenthurmer Klaus Orlikowski. Er ist selbst Anwohner der Allee, allerdings in der Fährstraße, der die jüngste Schnittaktion nicht zugute kam. Dem Rat zeigt Orlikowski Fotos seines Gartens. Ihn und seine Frau ärgert nicht nur das allherbstliche Blättermeer auf dem Grundstück, sondern auch, wie die acht Platanen die Sicht auf den Rhein versperren: „Ich kann nicht einmal mehr lesen, wie die Schiffe heißen, die vorbeifahren“, klagt Irmtraud Orlikowski.
Stadtbürgermeister Gerd Heim führt fünf Gründe an, um das Vorgehen der Stadt zu rechtfertigen. Erstens: Unter den 26 Platanen zwischen den Einmündungen Becherstraße und Rauschergasse sei „unmittelbar Gefahr im Verzug“ gewesen, da ein sehr stark frequentierter Radweg direkt unter den Bäumen entlangführt. Zweitens: Gerade weil der Stadt und ihm besonders die Bäume ein Herzensanliegen , habe man kürzlich einen Baumexperten der Firma Wirges im Bau- und Liegenschaftsausschuss zu Gast gehabt, der anfallende Pflegearbeiten kostengünstig erledige. Man wolle drittens ein Baumkataster erstellen, um alle anderen Bäume im Stadtgebiet nach und nach, so es der Haushalt
ermöglicht, auf Vordermann zu
bringen. Viertens habe Weißenthurm schon seit mehreren Jahren keinen Baumbeschnitt mehr durchgeführt, sodass Orlikowskis nicht von einer Benachteiligung sprechen könnten, meint Heim. Und fünftens: „Wir wollen doch eine grüne Stadt. Blätter gehören dazu, die muss man dann hinnehmen.“
Benachteiligt fühlen die Orlikowskis sich trotzdem. Ein Faktor lässt sich nicht mit der Säge beseitigen: Anders als die meisten Rheinanlieger hat ihr Grundstück und das einiger weniger Nachbarn keine Mauer. Die Blätter werden also ungehindert in den Vorgarten geweht. Was das Ehepaar allerdings nicht versteht: Auch unter den Platanen vor ihrem Grundstück führt der Rheinradweg entlang, zudem befindet sich dort eine Liegewiese: Kann dort kein Totholz Passanten treffen, ist dort keine Gefahr im Verzug? Ein wenig wundert sich das Paar auch darüber, dass der Schnitt nach dem Sturm ausgerechnet in dem Bereich des Rheinufers Priorität hatte, wo Stadtratsmitglied Gabriele Schmalenbach (CDU) wohnt.
Von der Stadt haben Orlikowskis schriftlich Bescheid bekommen, dass nicht vorgesehen sei, die Kronen zurückzuschneiden oder die Bäume gar zu fällen. Das wiederum ist gar nicht ihr Wunsch, sagt
Irmtraud Orlikowski. „Sondern
dass regelmäßig etwas an den
Bäumen getan wird, wie in Andernach auch.“
Dorothea Müth















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