Ehrenbreitsteiner Bankraub: Zwei Heroinsüchtige vor Gericht
Koblenz - "Geld her! Sofort! Alles!" - das soll der Bankräuber beim Überfall auf die Sparkasse in Ehrenbreitstein gebrüllt haben. Ein Bankmitarbeiter gab ihm daraufhin 2000 Euro.
Seit dem Überfall sind gut drei Monate vergangen. Jetzt stehen der mutmaßliche Haupttäter (35) und sein Komplize (41) wegen räuberischer Erpressung vor dem Landgericht Koblenz. Beide Koblenzer sind seit vielen Jahren heroinabhängig. Sie haben ein Geständnis angekündigt. Ihnen droht eine längere Gefängnisstrafe.
Kurz vor Prozessbeginn führt ein Wachtmeister den mutmaßlichen Haupttäter in Gerichtssaal 102. Er ist nicht nur an den Händen gefesselt, sondern auch an den Füßen. Bei jedem Schritt klirrt seine Kette, er kann kaum laufen. Grund für die zusätzliche Sicherheitsvorkehrung: Der Mann war schon oft in Haft - und versuchte wohl schon einmal zu türmen. Seine Anwältin will dazu aber nichts sagen: "Das ist eine alte Geschichte." Später lässt die Vorsitzende Richterin Monika Fay-Thiemann dem Mann die Hand- und Fußfesseln abnehmen - aber nur während des Prozesses.
So gingen die Bankräuber laut Anklage vor: Am Morgen des 17. Oktober 2011 halten sich beide in der Wohnung des 41-Jährigen auf. Sie sind befreundet, wohl auch weil sie ihre Heroinsucht verbindet. Irgendwann sagt der 35-Jährige: "Ich mache jetzt die Bank." Er lässt sich von seinem Kumpel mehrere Kleidungsstücke geben: eine Wollmütze, Schuhe und eine Trainingshose. Er schneidet Sehschlitze in die Mütze und leiht sich bei einem Nachbarn ein Klappmesser mit 8,5 Zentimeter langer Klinge.
Der 35-Jährige maskiert sich und betritt laut Anklage um 9.50 Uhr die Sparkasse in der Wambachstraße. Er bedroht einen Mitarbeiter mit dem Messer und erhält 2000 Euro. Er brüllt: "Ich will alles!" Aber der Mitarbeiter macht ihm klar, dass er den Tresor nicht sofort öffnen kann, weil dieser ein Zeitschloss hat. Der Räuber flüchtet, läuft schnurstracks zur Wohnung seines Kumpels und zieht sich um. Er leiht sich von ihm eine Jacke, damit er nicht sofort als Täter identifiziert werden kann. Die Männer teilen die Beute. Der Jüngere erhält 1400 Euro, der Ältere 600 Euro - so die Anklage. Die Polizei nahm die Männer noch am selben Tag fest, wenige Stunden nach dem Überfall. Beide waren zur Tatzeit wegen ihrer Sucht vielleicht nur eingeschränkt schuldfähig. Ein Gutachter soll dies prüfen.
Der mutmaßliche Haupttäter sagte zur Richterin: "Ich weiß, dass ich meine Strafe bekomme. Ich möchte sie auch absitzen." So beschrieb er sein Leben: Die Hauptschule verließ er ohne Abschluss. Mit 14 rauchte er regelmäßig Haschisch, später konsumierte er auch Ecstasy und Kokain. Mit 16 kam er erstmals in Haft. Mit 21 saß er wieder im Gefängnis, rauchte dort erstmals Heroin. Später machte er viele Drogentherapien - alle erfolglos. Sein Hauptproblem: Er kann nicht mit Enttäuschungen umgehen.















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