Windkraft bald im Soon?
Hunsrück - Drehen sich bald die Rotoren von neun bis zu 190 Meter hohen Windkraftanlagen auf dem Hochsteinchen? Einen entsprechenden Antrag hat die Juwi Holding aus Wörrstadt bei der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück gestellt. Die Einwendungen dagegen wurden jetzt in einem Erörterungsverfahren behandelt. Bis zu 80 interessierte Bürger, in erster Linie Vertreter von Umweltverbänden und Anlieger, strömten dazu in den großen Sitzungssaal des Simmerner Kreishauses.
Der Sensibilität des Themas war sich Heinz-Dieter Wieß, Leiter des Genehmigungsverfahrens, durchaus bewusst. Es wären die ersten Windkraftanlagen auf dem Soonwaldkamm – ein Dammbruch, wie viele Naturschützer befürchten. „Es ist der größte Erörterungstermin in dieser Sache“, unterstrich Wieß, „normalerweise machen wir ein solches Verfahren nur, wenn es um die Genehmigung von Windparks ab 20 Anlagen geht.“ Er machte den Besuchern deutlich, dass der Erörterungstermin keine Plattform für politische Willensäußerungen bilde. „Das hilft niemanden weiter.“ Mit dem Flächennutzungsplan, den die Verbandsgemeinde Rheinböllen aufgestellt habe, sei die Standortfrage abgeschlossen. Es gehe jetzt nur noch um mögliche Beeinträchtigungen von Fauna und Flora. 27 Fachbehörden haben ihre Stellungnahmen dazu bereits abgegeben, weitere Gutachten sind schon beantragt.
Vier Windkraftanlagen sollen auf Rheinböllener Gemarkung im Staatsforst, weitere fünf im Gebiet der Gemeinde Ellern aufgestellt werden. Die Windräder haben eine Leistung von bis zu 7,5 Megawatt – einmalig in der Hunsrückregion. Die Verträge dazu zwischen Juwi und Ellern sowie Landesforsten sind bereits unterzeichnet.
In einer zum Teil sehr emotional geführten Debatte brachten die Einwender ihre Argumente gegen die Anlagen am Hochsteinchen vor. Juwi war sogar mit einer zehnköpfigen Delegation von Gutachtern, Juristen und Ingenieuren angereist. Wieß betonte, dass der Entscheidungsprozess „ergebnisoffen“ verlaufe. Ob überhaupt und wie viele Anlagen genehmigt würden, hänge von der Meinung der Fachgremien und Experten ab.
Monika Kirschner von der Initiative Soonwald sprach von einem „Sündenfall“. Die Anlagen am Soonwaldkamm seien mit dem Firmenprofil von Juwi nicht zu vereinen. Anlieger warfen dem Wörrstadter Unternehmen „reine Profitgier“ vor. Durch Schattenwurf und Schall würden Tiere und Pflanzen geschädigt. Kraniche und die Bechsteinfledermaus sahen Vertreter des Naturschutzbundes in erster Linie gefährdet. Stefan Wickert von der Simmerner aSL fürchtet durch die enormen Erdbewegungen um den Soonwald als Grundwasserspeicher. Nicht zuletzt wurde immer wieder die Frage gestellt, ob ausgerechnet auf dem Soonwaldkamm „Energiefabriken“ aufgestellt werden müssten – bei jetzt schon 150 Windrädern im Kreis. Die Experten der Kreisverwaltung rechnen mit mehreren Wochen, bis feststeht, ob und wie viele Anlagen aufgestellt werden.














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