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St. Goar nahm gestrandete Reisende auf

St. Goar. Das Zugunglück hätte wahrlich schlimmer ausgehen können. Der Intercity von Hamburg nach Stuttgart knallte auf seiner Fahrt nach Süden gegen 14.20 Uhr in einen Geröllhaufen, der offenbar von den starken Regenfällen am Nachmittag ausgelöst wurde. Von 700 Zugreisenden verletzten sich nur fünf von ihnen. Der Lokführer musste schwer verletzt ins Krankenhaus geflogen werden. Das Unglück ereignete sich etwa einen Kilometer vor St. Goar.

Die Fahrgäste kamen größtenteils mit dem Schrecken davon. Das reibungslose Ineinandergreifen der einzelnen Rettungsorganisationen sorgte dafür, dass keine Panik entstand. „Ich saß im dritten Wagen. Plötzlich hörte ich einen lauten Knall und danach das Kreischen der Bremsen. Der Zug kam trotz seiner recht hohen Geschwindigkeit recht schnell zum Stehen“, schildert Udo Adolph seine Eindrücke. Verblüfft sei er gewesen, wie schnell die ersten Einsatzkräfte vor Ort waren. „Die waren sofort da und haben fantastisch gearbeitet“, schwärmte der Mann, der geduldig vor der Rheinfelshalle auf seine Weiterfahrt wartete.

Kurz nachdem der Zug stand, ertönte eine Lautsprecherdurchsage. Die Reisenden wurden beruhigt und informiert, dass sie mit Bussen zunächst zur Sammelstelle in die Rheinfelshalle gebracht werden. Auch Rettungskräfte und Notärzte wurden angefordert. Einer von ihnen war Rettungssanitäter Oliver Hagedorn, der mit seiner Freundin von Köln nach Idar-Oberstein wollte. „Ich bin sofort nach vorne gerannt, habe in den Waggons einige Leute mit Schocksymptomen gesehen, aber ansonsten keine Verletzten“, sagte er. Vorn beim schwer verletzten Lokführer waren bereits genügend Hilfskräfte, sodass sein Einsatz nicht mehr notwendig war. „Alle Leute mussten dann raus aus dem Zug mit ihrem Gepäck.“ Auf der B 9 warteten Kleinbusse auf die Reisenden, während einige Koffer noch auf den verbogenen Schienen lagen. Darum kümmerten sich die vielen Helfer. Sogar die im Zug mitgeführten Fahrräder sammelte das THW ein und brachte sie nach St. Goar. Vor der Rheinfelshalle konnten die Besitzer sie wieder in Empfang nehmen. Ein Pärchen hatte keine Lust, lange auf alternative Transportmöglichkeiten zu warten. In strömendem Regen schwangen sie sich auf ihre Drahtesel und wollten die Fähre auf die rechte Rheinseite nehmen, um dort einen Zug zu kriegen.

In der Rheinfelshalle registrierte das DRK alle Fahrgäste. Sogar eine Nummer schrieben die Helfer ihnen aufs Handgelenk. „Und du bleibst schön bei mir“, sagte ein junger DRK-Helfer zu der zwölfjährigen Maike, die von Bonn nach Mainz wollte. Sie durfte im Taxi heimfahren.
„Kinder, Kranke und Personen mit dringenden Terminen zuerst“, wies der Bahnnotdienst-Leiter Franz-Josef Hilgers die wartenden Fahrgäste an. Ein wildes Stimmengewirr drang ihm entgegen. Jeder hatte natürlich seine individuellen Bedürfnisse, was die Weiterfahrt betraf. Einige hatten unterdessen private Abholung organisiert und warteten. So zum Beispiel eine Handvoll fröhlicher Damen aus Aschaffenburg: „Wir kommen von einer Frauentour aus Köln und wollen unbedingt daheim noch ein Fest besuchen“, sagte eine von ihnen und hielt sich den Kopf. Ein herabstürzender Koffer im Abteil hatte ihr eine Beule verpasst.

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