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Internationale Jugend in Simmern

Simmern - Sie hämmern, sägen, schneiden Äste und Gras zum Wohl der Allgemeinheit: 17 Jugendliche aus acht Nationen sind derzeit im Rahmen eines Workcamps in Simmern aktiv.

Die Patina blieb auf den Grabsteinen des Judenfriedhofes. Vorsichtig, der Würde des Ortes entsprechend, gingen die Jugendlichen vom Workcamp an ihr Werk. Bürgermeister Nikolay, Hans Werner Kirschner vom Bauhof und Ratsmitglied Wickert (hinten von rechts) waren beeindruckt.
Werner Dupuis

Ihr wichtigstes Projekt sind Pflege- und Instandsetzungsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof. In diesen Tagen sind sie im neu entstehenden Wingerstbergpark aktiv.
In Zusammenarbeit mit der Stadt veranstalten die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) dieses Workcamp. Zwei Wochen lang leben die jungen Leute zusammen. Sie logieren dabei im Pfadfinderheim. Fünf Stunden werkeln sie täglich in einem gemeinnützigen Projekt. Gemeinsam verbringen sie auch ihre Freizeit. Hier sind Erkundungen im Hunsrück angesagt. Das Zusammenleben in der internationalen Gemeinschaft ermöglicht ein intensives Kennenlernen fremder Kulturen innerhalb der Gruppe und der Gastgemeinde. Die Workcamps dienen somit der Völkerverständigung und dem interkulturellen Lernen. Jedes Jahr beteiligen sich mehr als 1500 Freiwillige in 100 Workcamps deutschlandweit. Die „ijgd“ wurde 1949 gegründet. Sie ist die größte und eine der ältesten Workcamp-Organisationen Deutschlands.
Mit großem Engagement waren die Jugendlichen in der vergangen Woche auf dem hinter dem Hunsrückstadion gelegenen jüdischen Friedhof von Simmern aktiv. Sie säuberten die Mauerkronen der aus Bruchsteinen errichteten Umfassungsmauern und befreiten sie vom Bewuchs, der die Bausubstanz beeinträchtigt.
Mit größter Sorgfalt reinigten sie die Grabsteine aus Granit. Nach Absprache mit der jüdischen Kulturgemeinde Koblenz – dem Eigentümer des Friedhofes – und des Denkmalamtes sollten entsprechend der jüdischen Tradition so wenige Veränderungen wie möglich stattfinden. Die Grabsteine aus Sandstein beließ man im aktuellen Zustand: Spuren der Zeit wurden nicht beseitigt. Auch die außerhalb des Friedhofs liegenden Grabsteine bleiben unberührt. Gemeinsam mit dem Bauhof der Stadt wurde das Eingangstor entrostet und neu gestrichen.
Zum Projekt gehörte auch die Auseinandersetzung mit der jüdischen Vergangenheit und dem Holocaust. In Kastellaun trafen sich die Workcamp-Teilnehmer mit Christof Pies, dem Experten für jüdische Geschichte im Hunsrück. Besonders interessierten sie hier die Stolpersteine, die das Schicksal in Kastellaun lebender und in nationalsozialistischen Konzentrationslagern ermordeter Juden im öffentlichen Bewusstsein halten.
In dieser Woche kümmern sich die jungen Leute um den in den Simmerbachauen gelegenen Wingertsbergpark, der bald eingeweiht wird. Unter Assistenz des städtischen Bauhofs entstehen ein Pavillon, ein Spielfeld für Boule und verwandte Sportarten sowie ein Steg über den Simmerbach.
Simmerns Ratsmitglieder sorgten dafür, dass die internationalen Gäste mobil sind. Spontan stellten sie ihre Fahrräder für die Dauer des Workcamps zu Verfügung.

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