Andrea Nahles kämpft an mehreren Fronten
Berlin - Andrea Nahles ist als Generalsekretärin eine mächtige Frau in der SPD – und befindet sich zugleich in der schwierigsten Phase ihrer nun zweijährigen Amtszeit. In Berlin muss die kämpferische Politikerin aus der Eifel viel Kritik einstecken, ihre Beziehung zu SPD-Chef Sigmar Gabriel gilt als angespannt. Die Ursachen für diese Krise liegen im Zusammenspiel der sozialdemokratischen Führungstroika, aber auch bei Nahles selbst. Eine Spurensuche.
Eine Generalsekretärin hat im politischen Berlin keinen leichten Job: Sie muss den Laden zusammenhalten und ist zugleich für die Abteilung Attacke zuständig. Sie gleicht aus, motiviert, polarisiert, tüftelt an Strategien, dient als Puffer und manchmal auch als Sündenbock.
In richtig schwere Wasser gerät die Parteimanagerin allerdings, wenn sie auch intern Gegenwind bekommt oder besser ausgedrückt: von tückischen Fallwinden getroffen wird. Diese ungestümen Luftbewegungen sind nicht nur unberechenbar. Sie kommen auch mit Vorliebe von hinten.
Die SPD-Politikerin Andrea Nahles wird ein Lied davon singen können. Die streitbare Eiflerin aus dem Dorf Weiler bei Mayen muss derzeit wie selten zuvor um ihren festen Stand kämpfen. In den zwei Jahren, in denen sie als Generalsekretärin der Bundes-SPD amtiert, befand sie sich noch nie in einer derart stürmischen Phase.
Ein Stück öffentliche Demontage
Denn was sie in den vergangenen Wochen erlebt hat, ist ein Stück öffentlicher Demontage. Plötzlich war die Rede davon, dass SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel ihr die Organisation des anstehenden Bundestagswahlkampfs nicht zutraut. Dann rüffelt Gabriel seine Generalsekretärin, weil sie einen etwaigen Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff mit Neuwahlen verband.
Im Willy-Brandt-Haus, der Parteizentrale, rappelte es mächtig. In Berlin heißt es auf einmal, dass der SPD-Chef seine Abneigung nur noch mühsam verbergen kann. Spötter prägen gar den Begriff von Gabriels Sekretärin statt Generalin.
Der hausinterne Knatsch erfreut die taumelnde schwarz-gelbe Bundesregierung. Und das alles geschieht just zu dem Zeitpunkt, an dem die SPD in Umfragen gut dasteht. Erliegen die Sozialdemokraten wieder ihrer verhängnisvollen Lust an der Selbstzerfleischung? Oder steht allein Andrea Nahles vor einem Karriereknick?
Nicht leicht in die Defensive zu drängen
Die 41-jährige Sozialdemokratin ist beileibe keine Frau, die leicht in die Defensive zu drängen ist. Sie ist gut vernetzt in der Partei, hat viel Rückhalt im Willy-Brandt-Haus. Doch die Stimmung in Berlin setzt ihr zu. Bei einer Begegnung in ihrem Mayener Wahlkreisbüro macht sie einen nachdenklichen Eindruck.
„Für mich ist rätselhaft, wie ich nach einem höchst erfolgreichen SPD-Parteitag plötzlich mit einer Kompetenzdebatte konfrontiert bin“, sagt sie. Nach einem Bundesparteitag, bei dem sie mit 73,2 Prozent deutlich besser als 2009 abgeschnitten hat. Die jüngsten Attacken empfindet sie als unfair. „Ich weiß nicht, wer da was mit welchem Ziel lanciert, aber es ist nicht gut für die SPD“, sagt sie.




















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