International erfolgreiche Dressurreiterin Bianca Vogel steigt aus dem Sattel
Sinzig - 40 Jahre lang saß sie im Sattel. Nun musste die Sinziger Dressurreiterin Bianca Vogel die Zügel aus der Hand legen: Schmerzen machen der mehrfachen Weltmeisterin und erfolgreichen Paralympics-Teilnehmerin das Reiten unmöglich. Beim internationalen Maimarktturnier in Mannheim nahm sie vor großer Kulisse Abschied vom Leistungssport. Der Behindertensportverband Rheinland-Pfalz ehrte die Reiterin zudem bei einer Veranstaltung in Bad Kreuznach.
Lang ist die Liste ihrer Erfolge: Hoch zu Ross holte Bianca Vogel zahlreiche nationale und internationale Meistertitel. Höhepunkte waren dabei die Erfolge bei den Paralympischen Spielen: 1996 in Atlanta, bei den ersten Paralympics überhaupt, kam sie auf den achten Platz. 2004 in Athen sprangen für sie zwei Silbermedaillen heraus, eine weitere gewann ihr Pferd Roquefort mit einer anderen Reiterin.
Im Behindertensport war Vogel eine der ersten deutschen Reiterinnen, die international Furore machte. Dabei war es gar nicht so selbstverständlich, dass sie überhaupt zum Para-Sport kam. Denn auf dem Pferd konnte die Contergangeschädigte auch mit nichtbehinderten Dressurreitern mithalten. "Was will ich denn bei den Behinderten-Dressurreitern", hatte sie deshalb gefragt, als sie 1990 darauf angesprochen wurde; so gut fühlte sich Vogel auch in ihrer sportlichen Umgebung integriert.
Schließlich konnte sie Dr. Susi Fieger vom Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten doch dazu überreden, bei internationalen Turnieren für den Para-Sport zu werben. Schon im Jahr darauf der erste Triumph: Bei der Weltmeisterschaft in Dänemark wurde die Sinzigerin die allererste Dressur-Weltmeisterin im Behindertensport. Dreimal holte sie Gold - im Einzel, in der Kür und mit der Mannschaft.
Mit ihren Erfolgen rückte Vogel auch den Behindertensport selbst ins Rampenlicht. "Das war nicht immer einfach", sagt sie rückblickend. Was Förderung, Sponsoren und Medienpräsenz anging, hinkte der Para-Sport erheblich nach. Vogel hatte 2003 das Glück, dass ein Sponsor durch ihren Auftritt in der Talkshow von Johannes B. Kerner auf sie aufmerksam wurde. Es sollte eine Ausnahme bleiben.
Negativ in Erinnerung sind Vogel ihre ersten Paralympischen Spiele 1996 in Atlanta. "Mit uns Leistungssportlern ist man da richtig unprofessionell umgegangen", kritisiert sie. Acht Jahre später in Athen sah das glücklicherweise anders aus. Zum ersten Mal durfte sie auf ihrem eigenen Pferd starten - zuvor waren den Para-Reitern stets fremde Dressurpferde zugelost worden.
Jahrelang betrieb Bianca Vogel parallel zum Behinderten- weiterhin den Regelsport. "Mir war es aber wichtig, den Para-Sport über die Öffentlichkeitsarbeit und Showprogramme in Deutschland mehr publik zu machen", sagt die 50-Jährige. Dass dem Behindertensport in den jüngsten Jahren eine größere Aufmerksamkeit zuteil wird, freut sie. Doch wirklich zufrieden ist Bianca Vogel längst noch nicht: "All das reicht nicht aus. Es gibt immer noch keine Gleichstellung."












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