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Fahrtauglichkeit kann im Alter abnehmen: Rund 60 Menschen müssen pro Jahr im Kreis ihren Führerschein abgeben

Kreis Bad Kreuznach - 50 bis 60 Menschen ab 65 Jahre, die im Kreis Bad Kreuznach leben, muss die Kreisverwaltung pro Jahr auffordern, sich einer Führerschein-Eignungsuntersuchung zu unterziehen. In der Stadt Bad Kreuznach betraf dies im Jahr 2010 sechs Personen. Die medizinische Untersuchung wird fällig, wenn den Behörden begründete Hinweise dafür vorliegen, dass die Führerscheinbesitzer nicht mehr fahrtauglich sein könnten.


Eine verbindliche Altersgrenze, ein Führerschein auf Zeit, regelmäßige Tests ab 65: Zahlreiche Vorschläge wurden in der Vergangenheit diskutiert, wenn es um die Fahrerlaubnis im Alter geht. Politisch ein heikles Thema. Die Ämter entscheiden heute weiter von Fall zu Fall und werden erst aktiv, wenn jemand im Verkehr auffällig geworden ist. Es folgt meist ein persönliches Gespräch. Erhärtet sich der Eindruck, dass die Fahrtauglichkeit eingeschränkt sein könnte, wird ein Check beim Hausarzt oder Verkehrsmediziner angeordnet.
„Zwischen 15 bis 20 Prozent geben ihren Führerschein schon vor dieser Untersuchung freiwillig ab“, sagt Gebhard Enders, der die Führerscheinstelle in der Kreisverwaltung leitet. Denn die ärztliche Untersuchung müssen die Betroffenen selbst zahlen und viele wissen bereits um ihre gesundheitlichen Probleme, wie Diabetes oder Herzkrankheiten. Enders: „So ein Gutachten kann schnell mal ein paar Hundert Euro kosten.“

Je nach Ergebnis des Gutachtens entscheidet dann die Behörde, ob sie dem Betroffenen den Führerschein entzieht oder ob er weiterfahren darf. Die Hinweise auf eine eingeschränkte Fahrtüchtigkeit erhält die Kreisverwaltung zu 80 bis 90 Prozent von der Polizei, aber auch Verwandte oder Nachbarn wenden sich an die Behörde, wenn sie sich um einen Angehörigen oder Bekannten sorgen. Etwa im Falle einer Demenzerkrankung. In der Stadt Bad Kreuznach musste einer der sechs medizinisch untersuchten Personen im Anschluss auf seinen Führerschein verzichten. Im Alter ist das Auto für viele Menschen gleichbedeutend mit Selbstständigkeit, besonders im ländlichen Raum. Im Kreis Bad Kreuznach ist jeder fünfte Einwohner älter als 65 Jahre. Die Organisation des Alltags mit Einkäufen und Arztbesuchen hängt davon ab, und auch die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
Doch die Zahlen der Behörden verdeutlichen, dass die Fahrtauglichkeit im Alter verloren gehen kann. Die älteren Semester gelten zwar als Risikogruppe im Straßenverkehr, verursachen aber im Schnitt weniger Unfälle als etwas Fahranfänger, hielt der Automobilclub ADAC in der Vergangenheit immer wieder dagegen.
Bei den meisten Senioren verläuft der Verlust der Fahrtüchtigkeit schleichend: Straßenschilder sind mit der Zeit schlechter zu erkennen, Umgebungsgeräusche werden leiser wahrgenommen.Es sind meist Blechschäden beim Ein- und Ausparken oder auch Auffahrunfälle, die auf das Konto der Senioren gehen. Dies liegt am nachlassenden Sehvermögen der älteren Verkehrsteilnehmer, weiß Manfred Brummer. Der Seniorenbeauftragte der Verkehrswacht Rheinland-Pfalz ist seit 40 Jahren in Sachen Verkehrssicherheit tätig und erlebt immer wieder extrem schlechte Ergebnisse bei Sehtests.

Der 66-Jährige würde deshalb verbindliche Augenprüfungen im Zwei-Jahres-Rhythmus befürworten. Auch das Hören sei bei vielen Senioren beeinträchtigt, aber nicht in der Relevanz wie die Sehfähigkeit. „Insgesamt überfordert Senioren die richtige Aufnahme vieler Signale in kurzer Zeit und die richtige Reaktion darauf“, erklärt Brummer. Kreuzungen und Einmündungen sowie der Spurwechsel stellen ältere Fahrer vor Herausforderungen.
„Das Risiko, bei Unfällen schwer verletzt oder getötet zu werden, liegt bei der Altersgruppe der über 65-Jährigen deutlich höher als bei jüngeren Altersgruppen“, heißt es in der Verkehrsunfallstatistik der Bad Kreuznacher Polizei, in der die Unfälle aus dem Jahr 2010 aufgelistet sind.
Ab dem 75. Lebensjahr steige das Unfallrisiko nochmals stark an. Im Gebiet der Polizeidirektion Bad Kreuznach ereigneten sich 2010 insgesamt 867 Verkehrsunfälle, an denen Senioren über 65 Jahre beteiligt waren. Das entspricht 16,38 Prozent aller Unfälle. Betrachtet man die Verkehrsunfallentwicklung der vergangenen Jahre, stellt man laut Polizei einen sehr starken Anstieg der Unfälle fest, an denen ältere Fahrer beteiligt waren: von 611 im Jahr 2005 auf 867 im Jahr 2010. Dies entspricht einer Steigerung von 41,90 Prozent.
Der älteste der Polizei bekannte Unfallbeteiligte in der Region im Jahr 2010 war ein 94-jähriger Autofahrer, der beim Wenden von der Fahrbahn abkam und seinen Wagen erheblich beschädigte. Insgesamt hatten laut Statistik sechs Unfallbeteiligte das 90. Lebensjahr vollendet. Bei Unfällen unter Beteiligung von Senioren wurden im Jahr 2010 zwei Personen getötet, 21 Personen schwer und 85 Personen leicht verletzt. Denise Bergfeld

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