Kein Notarzt vor Ort: Vater erstatt Anzeige wegen Tod seines Sohnes
Kreis Altenkirchen - Wegen unterlassener ärztlicher Hilfeleistung hat eine Familie aus Betzdorf über einen Fachanwalt Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Koblenz erstattet. Vergangenen Mittwoch war der 27 Jahre alte Sohn bei einem Verkehrsunfall bei Freusburg ums Leben gekommen. An den drei Notarztstandorten im Kreis Altenkirchen (Kirchen, Wissen, Altenkirchen) waren an dem Tag die Dienste abgemeldet. Der Rettungshubschrauber aus Koblenz flog zur Unfallstelle.
Mehr als eine Stunde sei vergangenen bis ein Arzt am Ort gewesen sei, beklagt der Vater. Manche Zeugen des Geschehens würden sogar noch von einem noch längeren Zeitraum sprechen. „Mit diesem Schritt“, so der Vater, „bekommen wir unseren Sohn nicht zurück. Wir wollen jedoch erreichen, dass sich in dem Bereich Notarzt für die Zukunft etwas verbessert und so künftig Leben gerettet werden können“.
Die Strafanzeige befindet sich bei der Staatsanwaltschaft in Koblenz noch nicht in der Bearbeitung. Folglich könne man sich auch nicht äußern. Aber aus dem Todesermittlungsverfahren zu dem Unfall „ergeben sich keine Anhaltspunkte für unterlassene Hilfeleistungen“, heißt es aus Kreisen der Staatsanwaltschaft.
Nach dem tragischen Verkehrsunfall wird im Kreis Altenkirchen wieder intensiv über die Notarztversorgung diskutiert. Die SPD fordert sofortiges Handel und bezeichnet die Situation als „lebensgefährlich“. Der Kreis Altenkirchen müsse finanziell in Vorleistung treten, um Notärzte zu bezahlen. Auch alle drei Notarztstandorte werden in Frage gestellt. Was helfen sie, wenn sie nicht besetzt sind? Dann lieber weniger Standorte, die aber auf jeden Fall besetzt sind, so der Tenor.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Peter Enders, der selbst als Notarzt tätig ist, ist richtig sauer. Die SPD sollte sich an ihren Innenminister Roger Lewentz wenden, der letztendlich verantwortlich sei, wenn es in der Notarztversorgung hake. So stehe es im Rettungsdienstgesetz. Ende Mai habe er dem Minister geschrieben und um ein Gespräch über die problematische Notarztsituation gebeten. Mitte Juni habe er im Ministerbüro nachgehakt. „Doch bis heute gibt es keine Antwort.“ Das macht den Landtagsabgeordneten wütend. Ihm gehe es nicht um Parteipolitik. Hier gehe es um die Sicherstellung der Notarztstandorte und deren Besetzung mit qualifiziertem Personal. Für Enders ist klar, dass in dem Flächenkreis drei Standorte unbedingt notwendig sind. Den Vorschlag der SPD, dass der Kreis finanziell in die Bresche springen soll, hält Enders für abwegig. Das würde die Aufsichtsbehörde auch nicht dulden. „Zuständig ist eindeutig die Landesregierung, hier an erster Stelle der Innenminister“, stellt der Abgeordnete noch einmal klar. Andreas Neuser













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