US-Atomwissenschaftler Kimball: Alle sind in der Pflicht - RZ-Interview
Daryl Kimball ist Direktor der Arms Control Association, einer US-Initiative zur Rüstungskontrolle. RZ-Amerika-Korrespondent Frank Herrmann sprach mit ihm ihn Washington.
Wie groß ist die Gefahr, dass spaltbares Material in die Hände von Terroristen gelangt. Die falschen Waffendossiers des Irakkrieges haben ja alle gelehrt, skeptisch zu sein, wenn solche Gefahren beschworen werden. Wie real sind sie?
Kimball: Atomarer Terrorismus ist nicht sehr wahrscheinlich, aber wenn der Fall der Fälle eintritt, hat er verheerende Konsequenzen. Es ist für niemanden leicht, in den Besitz so großer Mengen nuklearen Materials zu gelangen, dass es für den Bau einer Atombombe reicht. Aber wir müssen alles tun, um es so zu sichern, dass sich kein Unbefugter Zugang verschaffen kann. Es ist ein Rennen gegen die Uhr.
Was heißt das konkret?
Kimball: Barack Obama hat das Ziel gesetzt, das am stärksten gefährdete Material innerhalb von vier Jahren zu sichern. Während des Gipfels werden wir mehr dazu hören.
Wo liegen die Gefahrenherde? In Pakistan?
Kimball: Im Falle Pakistans muss man befürchten, dass Nukleartechnik erneut auf dem Schwarzmarkt verkauft wird, was das Schmuggelnetzwerk des Atomphysikers Abdul Kadir Khan ja schon früher getan hat. Dass sich Fanatiker Zugang zu den pakistanischen Atomanlagen verschaffen, sehe ich momentan nicht. Das kann sich freilich ändern.
Aber alle sind in der Pflicht, auch Staaten, die als stabil und verantwortungsbewusst gelten. Warum ist Deutschland eingeladen? Oder Österreich? Solche Länder müssen anderen helfen, damit die ihre nukleare Infrastruktur besser unter Kontrolle bekommen. Oder nehmen Sie Chile. Chile hat gerade erst hoch angereichertes Uran in die USA verschiffen lassen, damit es sicherer verwahrt und letztlich entsorgt wird.
Im Mai folgt in New York die Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags, die viele für noch wichtiger halten als den Gipfel in Washington. Was erwarten Sie?
Kimball: Erstens müssen die Nuklearmächte ihre Verpflichtung erneuern, dass sie ihr Atomarsenal stärker abbauen. Im neuen Start-Vertrag haben die USA und Russland nur bescheidene Reduzierungen vereinbart, aber immerhin haben sie den Weg geebnet zu tieferen Einschnitten. Das ist hilfreich, etwa, wenn man über Iran redet. Zweitens geht es um eine Zone ohne Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten. Sie war eine der Auflagen, zu denen der Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen (NPT) zuletzt verlängert wurde. Besonders für Ägypten war das wichtig. Ägypten ist Mitglied des NPT und besorgt, weil Israel Kernwaffen besitzt und dem NPT nicht beigetreten ist. Da muss etwas geschehen. Für den Anfang könnte man einen Sonderbeauftragten ernennen, einen erfahrenen Staatsmann. Der könnte dann eine Konferenz über besagte nahöstliche Zone einberufen.









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