Gefangen im virtuellen Raum - "Fußfessel" Blackberry & Co
Was also tun?
Die Politik fordert Verbote und die Technikfeinde empfehlen das Gerät einfach öfter einmal abzuschalten und im Wald spazieren zu gehen, dem Vogelgezwitscher zu lauschen und all das. Genau so gut könnte man einem Ertrinkenden raten, er möge doch bitte endlich zu schwimmen anfangen.
Bewegungen wie slow food, slow travel und jüngst auch slow media artikulieren ein Bedürfnis nach Entschleunigung. Doch der Tritt auf die Bremse reicht nicht für einen nachhaltig gesunden Umgang mit einer neuen Weltordnung. Das Problem mit der ständigen und grenzenlosen Erreichbarkeit liegt tiefer als auf der operativen Ebene des Off-Knopfes. Abschalten – das hat schon am Ende von Peter Lustigs Kindersendung Löwenzahn nicht genügt.
Nicht der Blackberry ist das Problem, sondern das Verhältnis zwischen dem ansprüchlichen Arbeitgeber und dessen Arbeitnehmer, der darin einwilligt sich an die unsichtbare Leine legen zu lassen. Nicht das weltweite Internet stellt die Schwierigkeit dar, wenn ich meine Zeit statt bei der Familie im Anderswo verbringe, sondern die Notwendigkeit mich ständig vermarkten zu müssen.
Nicht Facebook und Google sind Schuld
Nicht Facebook und Google sind Schuld, wenn es um das Aufweichen der Privatsphäre geht, sondern wir als Kunden, die wir diese Plattformen mit den Daten unseres Lebens füttern. Technologien und Medien werden angenommen, weil sie Bedürfnisse befriedigen.
Die Frage ist wie an den Ursachen für diese Bedürfnisse gearbeitet werden kann. Somit wirft der Umgang mit mobiler Kommunikation gesamtgesellschaftlich relevante Fragen auf. Fragen, die weder durch die Lektüre von Ratgeberliteratur noch durch Informatik- oder Medienunterricht gelöst werden. Notwendig ist vielmehr eine Neudefinition der Rollen von Staat, Wirtschaft und Individuum.
Debatte ist überfällig
Eine Debatte darüber hat es lange nicht gegeben. Sie ist überfällig. Denn bürgerliche Freiheiten wurden im vergangenen Jahrzehnt durch Ausdehnung staatlicher und wirtschaftlicher Einflussspähren vermehrt zurückgedrängt. Und der Mensch hat sich ins Anderswo verzogen, von wo er nach nach Hause telefoniert und sich fragt, wo genau das eigentlich ist – dieses Hier und Jetzt. Von Gastautor Claas Triebel









Diesen Artikel versenden