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Gefangen im virtuellen Raum - "Fußfessel" Blackberry & Co

Was also tun?

Die Politik fordert Verbote und die Technikfeinde empfehlen das Gerät einfach öfter einmal abzuschalten und im Wald spazieren zu gehen, dem Vogelgezwitscher zu lauschen und all das. Genau so gut könnte man einem Er­trinkenden raten, er möge doch bitte endlich zu schwimmen anfangen.

Claas Triebel
Unser Gastautor: Claas Triebel.

Bewegungen wie slow food, slow travel und jüngst auch slow media artikulieren ein Bedürfnis nach Entschleunigung. Doch der Tritt auf die Bremse reicht nicht für einen nachhaltig gesun­den Umgang mit einer neuen Weltordnung. Das Problem mit der ständigen und grenzen­losen Er­reichbarkeit liegt tiefer als auf der operativen Ebene des Off-Knopfes. Ab­schalten – das hat schon am Ende von Peter Lustigs Kindersendung Löwenzahn nicht genügt.

Nicht der Blackberry ist das Problem, sondern das Verhältnis zwischen dem an­sprüchlichen Arbeitge­ber und dessen Arbeitnehmer, der darin einwilligt sich an die unsichtbare Leine legen zu lassen. Nicht das weltweite Internet stellt die Schwierigkeit dar, wenn ich meine Zeit statt bei der Familie im Anderswo verbrin­ge, sondern die Notwen­digkeit mich ständig vermarkten zu müssen.

Nicht Face­book und Google sind Schuld

Nicht Face­book und Google sind Schuld, wenn es um das Aufweichen der Privatsphäre geht, sondern wir als Kunden, die wir diese Plattformen mit den Daten unseres Le­bens füttern. Technologien und Medien werden angenommen, weil sie Bedürfnisse be­friedigen.

Die Frage ist wie an den Ursachen für diese Bedürfnisse gearbeitet wer­den kann. Somit wirft der Umgang mit mobiler Kommunikation gesamtgesell­schaftlich relevante Fragen auf. Fragen, die weder durch die Lektüre von Ratgeber­literatur noch durch Informatik- oder Medienunter­richt gelöst werden. Notwendig ist vielmehr eine Neudefinition der Rollen von Staat, Wirtschaft und Individuum.

Debatte ist überfällig

Eine Debatte darüber hat es lange nicht gegeben. Sie ist überfällig. Denn bürgerliche Freiheiten wurden im vergangenen Jahrzehnt durch Ausdehnung staatlicher und wirtschaftlicher Einflussspähren vermehrt zurückgedrängt. Und der Mensch hat sich ins Anderswo verzogen, von wo er nach nach Hause telefoniert und sich fragt, wo genau das eigentlich ist – dieses Hier und Jetzt. Von Gastautor Claas Triebel

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