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  • Bewegte und bewegende Dokumente: DVD-Edition ab sofort erhältlich

    Koblenz – Es ist vollbracht: Die "Filmschätze unserer Heimat" sind nach eineinhalb Jahren geborgen. Aus 1119 filmischen Puzzleteilen mit einer Gesamtaufnahmelänge von circa 45 000 Stunden, die 198 Leser unserer Zeitung eingesandt haben, entstand mithilfe moderner Technik durch die Produktionsfirma Kamera Zwei aus Hannover ein heimatkundliches Gesamtbild - ein bewegtes und bewegendes Dokument der Zeitgeschichte unserer Region.

    Weihnachten in den 50er-Jahren: Ausschnitte aus der "Filmschätze"-Edition.
    Weihnachten in den 50er-Jahren: Ausschnitte aus der "Filmschätze"-Edition.

    Am Sonntag wurde es der Öffentlichkeit vorgestellt. Etwa 90 Gäste - darunter die 50 Leser, deren Originalmaterial in die Dokumentation einfloss, sowie die zehn Kommentatoren, die im Film zu Wort kommen, erlebten im Apollo-Kino in Koblenz die Premiere der Dokumentation. In einer verkürzten Sonderschau bekamen sie einen ersten Eindruck von dem Material, das im Original in der vierteiligen DVD-Edition fast drei Stunden Sehvergnügen bereitet. Die Zuschauer machten sich im Kinosessel auf eine Zeitreise durch die Jahrzehnte.

    Die Reise beginnt Anfang der 20er-Jahre in Neuwied. Die Aufnahmen, denen man ihr Alter ansieht, zeigen Straßenzüge, die manchem heute vielleicht noch vertraut vorkommen. Es folgen Szenen vom zugefrorenen Rhein, vom Hochwasser und vom Bau des Deichs, der der Stadt innerhalb von drei Jahren mit seinem fast acht Kilometer langen Wall den ersehnten Schutz vor der braunen Brühe brachte.

    Das Leben der Menschen damals ist schlicht, die Arbeit hart. So wie die Maloche der Kohlenhändler, die die schweren Säcke mit Briketts schleppen und auf Pferdefuhrwerken zu den Kunden bringen. Die alten Aufnahmen der Hobbyfilmer zeigen nur einen kleinen Teil des Alltagslebens. Die Menschen leiden unter Armut und Arbeitslosigkeit. Die Stimmung kippt.

    In den 30er-Jahren übernimmt das NS-Regime die Macht. Bilder von Soldaten und Kriegsmaschinerie flimmern über die Leinwand. Kriegsaufnahmen folgen. Am Ende steht das zerstörte Koblenz als Sinnbild für ein ganzes Land, das komplett in Schutt und Asche liegt.

    Doch die Menschen bauen ihre Heimat wieder auf. Sie packen an in der Landwirtschaft, errichten neue Häuser, die Wirtschaft nimmt ganz allmählich wieder Fahrt auf. Szenen privater Filmer halten die Entwicklungen im Dorf und in der Stadt für immer fest. So werden die Zuschauer Zeugen eines ganz normalen Schultags im Hunsrück.

    Kinder in Dorweiler bei Kastellaun machen sich auf den Weg zum Unterricht. Den Lederranzen, an dem das gehäkelte Tafelputztuch wie ein Fähnchen im Wind weht, auf dem Rücken und die Pudelmütze auf dem Kopf, marschieren sie los. Im Klassenzimmer sieht man die Schiefertafeln, die Holzbänke mit dem Tintenfass und den Dorfschullehrer. Fast meint man, den Geruch von Kreide und Bohnerwachs zu riechen.

    Nach der Schule geht es in den Tante-Emma-Laden. Der Junge im Film kauft etwas zu naschen ein, und viele der überwiegend älteren Zuschauer schwelgen dabei in Erinnerungen. Zum Beispiel auch an die Weihnachtszeit, die plötzlich vor ihnen auf der Leinwand wieder lebendig wird. Szenen einer Familie mit Kindern flimmern über die Leinwand. Es ist die intime Momentaufnahme einer Bescherung an Heiligabend. Das Puppenhaus, der Weihnachtsbaum und die Märklin-Eisenbahn spiegeln die 50er-Jahre wider.

    Der Aufschwung macht sich bemerkbar. Auf den Straße nimmt der Autoverkehr zu. Der Käfer wird zum Verkaufsschlager. Wie viel Gepäck in den sogenannten Kugelporsche hineinpasst, zeigen die Aufnahmen einer Familie, die in den Urlaub aufbricht. Auf die goldenen 60er folgen die wilden 70er: lange Haare, schrille Kleidung, Protestaufkleber und Demos.

    Fußgängerzonen entstehen in den Städten. Ein schweres Unglück erschüttert Koblenz am 10. November 1971: Beim Bau der Südbrücke knickt ein Großteil der Konstruktion ein, 13 Menschen lassen dabei ihr Leben. Ein knappes Jahr später stürzt ein Gerüst ein, sechs Arbeiter sterben. Erst 1975 wird die Brücke fertiggestellt. Auch ein anderes Großprojekt bewegt seinerzeit die Gemüter: das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich.

    Die Filmedition lässt jeden teilhaben an dem Leben, wie es früher zwischen Sieg und Nahe ablief. Die Arbeit auf dem Feld und im Weinberg, in der Fabrik und in der Schifffahrt ist dokumentiert. Sport und Freizeit wie Besuche am Nürburgring und beim internationalen Leichtathletik-Meeting in Koblenz, bei Karnevalsveranstaltungen, Umzügen und Festen bleiben in Erinnerung.

    Freud und Leid aus sieben Jahrzehnten sind konserviert. Zehn Zeitzeugen aus der Region ordnen mit ihren Worten das Filmmaterial in die Historie ein, bereichern es mit persönlichen Anekdoten und werden so Teil der Heimatdokumentation. Das gemeinschaftliche Gedächtnis von Generationen wird bewahrt und kann an die folgenden Generationen weitergegeben werden.

    Von unserer Redakteurin Renate Brog

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