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  • "Wir weigern uns, Feinde zu sein": Juden und Araber posten kleine Hoffnungszeichen

    New York/Jerusalem – Man kann es naiv nennen, wirkungslos gegen den kalten Automatismus der Gewalt. Oder man kann sich einfach an kleinen Zeichen der Hoffnung freuen: Juden und Araber posten ihre Weigerung, den anderen als Feind zu sehen. Die Kampagne macht Furore.

    Von unserem Redakteur Lars Wienand

    Es begann mit zwei Studenten, er aus Israel und Jude, sie aus Syrien und Muslimin. Israel hatte seine Gaza-Offensive zwei Tage zuvor begonnen, und Abraham Gutman "wollte nicht nur zusehen und auf das Beste hoffen". Also habe er gedacht, "wir erinnern die Menschen daran, dass sie sich dem hasserfüllten Schlagabtausch verweigern können", erklärt er selbst. Eine Social-Media-Kampagne sollte her - und sie legten los:

    Sie fotografierten sich gemeinsam, dazu auf hebräisch, arabisch und Englisch die Botschaft: #JewsAndArabsRefuseToBeEnemies - ein Satz aus der israelischen Friedensbewegung.  Sie posteten das Foto auf Twitter und Facebook, sie starteten eine Facebookseite und warteten darauf, dass die Kampagne abhebt.

    Tat sie aber nicht, wie sie das erhofft hatten. Die gleichen Menschen, die Gutman erklärten, dass sie seine Idee toll finden, sagten auch, dass sie aus Angst vor Reaktionen selbst aber lieber nicht mitmachen möchten. Gutman: "Und das sind keine Menschen aus Nord Korea oder Eritrea, Schlusslichter bei Pressefreiheit, das sind Menschen aus den USA, Israel und Palästina." Die Fotos sind auch zwei Wochen später längst kein Massenphänomen. Nur die Aufmerksamkeit dafür ist inzwischen gewaltig – weil die Menschen es sich wünschen.

    Daran maßgeblichen Anteil hatte Sulome Anderson, als sie ein Foto schoss und verbreitete, das zum Gesicht der Kampagne werden sollte. Eine Botschaft der Liebe - sie, Kind libanesischer Eltern, er Jude, in einer orthodoxen jüdischen Familie aufgewachsen, beim innigen Kuss. 

    Er ruft sie mit dem hebräischen Kosewort Neshama, ("Liebling, eigentlich "Seele"), sie ihn mit dem arabischen Habibi ("Geliebter"). In beiden vereint sich viel Widersprüchliches; Sie, die auch in palästinensischen Flüchtlingslagern gearbeitet hatte und er, der Zeuge war, wie Terroristen in Israel in einem Bus eine Bombe zünden. "Wir sind oft uneins, aber in einem sind wir uns einig", erklärt sie selbst: "Hier geht es nicht nur um Politik. Hier geht es um Menschen." Man dürfe nicht die entmenschlichen, die einen verletzten. "Man muss die Menschen in ihren Lebensumständen sehen und sie als menschliche Lebewesen begreifen, wenn man echten Frieden haben will." Mit ihnen - und mit sich selbst.  

    Ihr Foto zog Kreise, US-Medien griffen es auf, jetzt fanden sich bald auch mehr Nachahmer. Auf Facebook teilten am Dienstag Matt Martin und Salem M. Almaani dieses Foto, das die Fundamentalisten auf beiden Seiten vermutlich noch besonders herausfordert:

    Großen Eindruck gemacht hatte auch das Foto. Kinder an die Macht?

    Das herzzerreißende Bild entstand allerdings nicht für die Kampagne, sondern der Agentur Anadolu zufolge am Rande einer Demonstration in New York. Bei der israelkritischen Kundgebung waren auch einige Juden ganz vorne dabei. Es handelt sich dabei um Mitglieder der ultraorthodoxen Gruppe Neturei Karta, die in dem Staat Israel Sünde sieht und die im Judentum wegen ihrer antizionistischen Haltung weitgehend isoliert ist.

    Und auch dieses Foto ist nicht Teil der Kampagne, auch wenn es rege mit dem Hashtag verbreitet wird:

    Die Italienerin Benedetta Polignone hat es zum Weltkusstag im Rahmen einer Fotoserie "Küsse, die ich mir wünschen würde" gemacht. Und der Wunsch ist stark. Kommentar eines Nutzers auf den Hinweis, dass das Bild älter ist? "Das Bild kann von mir aus 20 Jahre alt sein, es zeigt: es geht!"  

    Bei anderen Bildern wird dann wieder deutlich, dass sie gezielt gemacht worden sind, um die Aufmerksamkeit auf die Kampagne zu lenken:

    Autor:
    Lars Wienand
    (Mail, )

    Massive Zerstörungen in GazaNach Feuerpause: Hamas schießt wieder auf IsraelFlug LH 686: Mit teils mulmigem Gefühl nach Tel AvivLiebe statt Krieg: Juden und Muslime starten Online-Kampagne
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