13 Punkte: Wikileaks-Aussteiger erklärt die Plattform und wie es weitergeht
Hamburg - Er war das Gesicht von Wikileaks neben „Staatsfeind Nummer 1“ Julian Assange und ist im Streit gegangen, Inzwischen plant Daniel Domscheit-Berg eine neue Whistleblower-Plattform und ein Buch „Inside Wikileaks“. Jetzt gab er erste Einblicke, warum er im Buch auch von der „gefährlichsten Webseite der Welt“ spricht, was er Wikileaks vorwirft und wieso er in Wikileaks einen Segen für Datenschutz sieht.
Er kam mit dem Zug, und er kam trotz des Wetters pünktlich zur Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung. 90 Minuten zum Thema „Öffentlichkeit 2.0 – Wie Wikileaks, Blogs und Co. den Journalismus verändern mit dem stellvertretenden Chefredakteur ZEITonline Karsten Polke-Majewski, live auch ins Netz übertragen. Und Domscheit-Berg hatte viel zu sagen.
1) Welche Missstände er bei Wikileaks anprangert: Eine Hierarchie mit Befehlsstrukturen, Pop-Kultur statt Inhalte, Marktschreierei, dabei keine Transparenz – Domscheit-Berg wird in seiner Kritik deutlich. „Das ist falsch, gerade für eine Organisation, die für Transparenz und demokratische Werte eintreten will.“ Die Plattform zeige in ihrer derzeitigen Situation „extrem gut, wo die Flaschenhälse bei einer solchen Organisation sind, sowohl, was die Ressourcen angeht, was auch die Macht betrifft, die irgendwie verwaltet werden muss“. Nach seinen Angaben sind am Jahresanfang 2010 „extrem viele“ Einsendungen gekommen, ohne dass damit etwas geschieht. „Es wird sehr schwer, aus der Position heraus wieder zurückzufinden in einen normalen Betrieb, in dem man sich ohne Diskriminierung von Materialien wieder mit allen Information auseinandersetzt, wie wir das irgendwann eigentlich mal machen wollten“.
2) Was er an Wikileaks so gefährlich findet: Er tut sich schwer, den Untertitel des Buchs in wenigen Sätzen zu erklären. Die Webseite sei für alle Beteiligten gefährlich: Wikileaks kann die gefährlichste Webseite der Welt für all diejenigen, die Macht haben und Sachen im Verborgenen halten wollen. Das könne sie aber auch sein für Leute, die ihr Infos anvertrauen. Und gefährlich sei die Seite auch, wenn sie demokratisch unkontrolliert agiert, und niemand weiß, welche politischen Ziele verfolgt werden.
4) Wie das neue Wikileaks wird: Domscheit-Berg verrät noch nicht einmal den Namen, „wir spielen noch mit mehreren“. Neben ihm sind weitere frühere Wikileaks-Mitarbeiter beteiligt – „und einige, die gerne bei Wikileaks eingestiegen wären, aber gesehen haben, dass das in die falsche Richtung geht.“ Eine Webseite, die es „in den nächsten Wochen“ geben soll, soll alles erklären. „Die Ideen, die wir verfolgen, sind relativ kompliziert. Ich hoffe, dass uns da die Öffentlichkeit noch Zeit gibt, um das richtig zu machen.“ Die Beteiligten wollten aber „alle einen Schritt zurücktreten“. Nicht die Organisation soll Aufmerksamkeit auf sich lenken, sondern die Inhalte sollen es. Finanzierung und Entscheidungsprozess sollen dabei aber transparent sein.














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