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Fall Neuer zeigt Handlungsbedarf: DFL lehrt Vereine Cyber-Work

Berlin – Die Szene hat Symbolcharakter: „Wie ist die Sache mit dem Geisterspiel ausgegangen, ihr wisst das doch schon“, sagt Thomas Schneider. Einige greifen reflexartig zum Smartphone, andere haben bereits die Info auf Twitter gelesen: „Kein Geisterspiel auf St. Pauli.“ Die Fußballfans auf der Bloggerkonferenz Re:Publika sind dem Vertreter der Deutschen Fußball-Liga (DFL) voraus. Viele Spieler auch - wie jetzt Manuel Neuer. Allerdings arbeitet Schneider daran, dass der Deutsche Profi-Fußball aufholt. Er lehrt die Kollegen Cyber-Work.

Manuel Neuer geht mit seinem Wechsel an die Öffentlichkeit - über Facebook. Rund 200.000 Fans hat der Nationaltorwart dort.

Der Fall Neuer aktuell dürfte den Bundesliga-Managern wieder zu denken gegeben haben: Mit Manuel Neuer hat jetzt erstmals ein Bundesliga-Star seinen Wechsel zu einem anderen Verein über ein Soziales Netzwerk angekündigt (mehr). "Ich habe den Verantwortlichen auf Schalke mitgeteilt, dass ich meinen Vertrag nicht verlängern werde", schrieb der Nationaltorwart auf der Pinnwand seiner Facebook-Seite und sicherte sich so die Hoheit über die Kommunikation.

Für Schalke eine weitere Lektion, dass Facebook inzwischen ein mächtiges Instrument ist.

Felix Magath machte seinem damaligen Club vor, wie es geht: Kritische Fragen von Fans und Berichterstattung in Medien greift er auf seiner persönlichen Facebook-Seite auf, um sie in ein anderes Licht zu rücken. Ein mächtiges Sprachrohr – mit mehr als 180.000 Fans der Seite. Auch „Die größte Nordkurve der Welt“, wie sich die Schalke-Fanseite bei Facebook nennt, bietet mit mehr als 200.000 Anhängern ein enormes Potenzial, auf Stimmungen zu reagieren, sie aufzunehmen oder auch zu machen. Nur: Betrieben wird sie von Fans, der Verein hat bisher keinen Wert darauf gelegt. Offenbar auch aus Sicht von Sponsor Gazprom ein Manko - er hat die Seite Königsblauer Planet erstellt.  Wiederholt sich die Geschichte? Die erste Webseite für einen Bundesligisten kam aus dem Umfeld der Ultras von Eintracht Frankfurt.

Besucher auf die Homepages zu locken hat der Profifußball inzwischen gelernt: 2,05 Millionen waren es im Februar auf bundesliga.de, mehr als 160 Millionen Seitenaufrufe. Thomas Schneider, „Koordinator Fanangelegenheiten“ bei der DFL, sagt aber einschränkend: „Es geschieht momentan so, so viel in so kurzer Zeit. Manchmal muss man auch Trends mal abwarten, ob sie sich durchsetzen. Sportvereine aus der Provinz sind da teilweise sehr progressiv, sehr viel schneller in der Umsetzung. Da gibt es andere Entscheidungswege und andere Ansprüche.“

Und jetzt sollen die Bundesligisten nachziehen: „Cyber-Work habe ich das genannt, weil der Fußball solche klaren Begriffe liebt, da muss man über Jahre dran festhalten, damit die Botschaft dahinter verstanden wird“, sagt Schneider. „Zur kommenden Spielzeit wird es Informationsveranstaltungen und Qualifizierungsmaßnahme geben“. Zuerst sind die Fanbeautragten an der Reihe, dann die Kommunikationsbeauftragten und die Sicherheitsbeauftragten. Medienberichte wie die über Magaths Facebook-Auftritt seien hilfreich, um den Bewusstseinswandel zu beschleunigen.

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