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Mobiles Kamera-Einsatzkommando: Die "Volksreporter" von Stuttgart 21

Stuttgart - Geplant war das so nicht. Doch der Mann mit dem Twitternamen @tilman36 ist jetzt "Volksreporter“, dazu erkoren von Menschen, die dem David mit seiner WebCam mehr zu- und vertrauen als den etablierten Medien-Goliaths.

Tilman36 war im besetzten Südflügel des Stuttgarter Bahnhofs und filmte mit einem Netbook im Rucksack, der WebCam und einem UMTS-Stick, als die Polizei minutenlang mit einer Tür kämpfte und schließlich funkensprühend mit einer Flex den Durchbruch schaffte. Er lieferte die Bilder zum Spott, der bei Twitter kübelweise ausgeschüttet wurde. Wie der Spruch, dass es für die Stuttgarter Polizei keine Adventskalender geben wird – „sie bekommen ja die Türchen nicht auf“. 16.000 Menschen klickten sich laut @tilman36 rein, während er live übertrug. Über Twitter hatte sich der Link einmal mehr rasend schnell verbeitet. Seither folgten weitere Abrufe in fünfstelliger Zahl.

Die Aufzeichnung der Live-Übertragung von @tilman36 aus dem besetzten Südflügel. Ab etwa 2:23 h schafft die Polizei den Durchbruch

 

@Tilman36, dessen richtiger Name leicht im Netz zu finden ist, der ihn aber dennoch nicht unbedingt in Artikeln lesen möchte, wollte nicht zu einer Galionsfigur werden, wollte nicht überhöht werden. ",Volksreporter', das ist ein Begriff, der das ganze hypt. Ich bin ein ganz normaler Bürger, der was tun wollte. Kein Journalist.“ Jetzt wird das, was er mitangestoßen hat, schon bei xtranews.de als „Sternstunde des Bürgerjournalismus“ gefeiert. Es wird in Zukunft wohl noch mehr darüber geschrieben und geredet werden, wie sich da in Stuttgart eine eigene Öffentlichkeit organisiert hat und wie sie wahrgenommen wird.

Das Aufmunitionieren hatte begonnen, noch ehe sich die halbe Republik empörte angesichts des Polizeieinsatzes im Schlossgarten am 30. September und noch ehe es das Thema in die Hauptnachrichtensendungen und auf die Titelseiten schaffte. Fluegel.tv ließ bereits seit August rund um die Uhr per Webcam die Menschen am Geschehen rund um den Nordflügel und Schlosspark teilhaben, organisiert und überträgt inzwischen auch Gesprächsrunden.

Den nächsten Schritt ging Fachinformatiker @tilman36 - schon lange gegen das Projekt eingestellt - mit der Idee zu cams21.de. Eine Plattform, auf der Live-Übertragungen von Menschen einlaufen, die mittendrin sind. „Der Gedanke war, wenn 10, 20 Leute filmen, dann kommt da einiges an Info zusammen.“

Das war bei der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg so gewesen, deren Hergang sich danach wie ein Mosaik aus zahllosen im Internet hochgeladenen Videos zusammensetzen ließ. Aber das war zufällig, ungeplant, unkoordiniert entstanden.

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