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    Die Kehrseiten des Hochglanzprospekts

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    Die Wohnanlage auf dem Kästrich ist ein Paradestück postmoderner Wohnarchitektur - jedoch beklagen Mieter den teilweise ziemlich schlechten Zustand. 
Foto: Harry Braun
    Die Wohnanlage auf dem Kästrich ist ein Paradestück postmoderner Wohnarchitektur - jedoch beklagen Mieter den teilweise ziemlich schlechten Zustand.
    Foto: Harry Braun

    In der Realität sieht das anders aus. Neben überverhältnismäßig hohen Mieten oberhalb des Mietspiegelniveaus (wir berichteten), müssen die Mieter auf dem Kästrich auch mit dem zunehmenden Verfall der gut 20 Jahre alten Anlage leben. Und auch damit, dass gegen die Malessen nichts unternommen wird: Immer wieder kommt es zu Wasserschäden größeren Ausmaßes, zuletzt im Dezember ausgerechnet in dem Gebäude, in dem sich die Dienstwohnung von Ministerpräsident Kurt Beck befindet. Bewohner, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchten, berichten übereinstimmend gleich reihenweise von Wasserschäden, Rissbildung in den Wänden innen und außen, muffige Bäder ohne Fenster, Schimmel. An sich hochwertige Isolierglasfenster, die jedoch in die Jahre gekommen sind. Und damit wirkungslos.

    Verantwortungslos?

    Die "organisierte Verantwortungslosigkeit" nennt dies ein Mieter, der sich mit der Materie auskennt. Es ist von Beruf Bauingenieur. Sehenden Auges lasse die Corpus Sireo die Anlage systematisch vergammeln. Instandhaltung finde so gut wie gar nicht statt. Tätig werde die Verwaltungsfirma Treureal erst, wenn es nicht mehr anders geht. Der kapitale Wasserschaden im Dezember in einem Haus am Römertor sei hierfür nur ein Indiz.

    Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: die komplizierte Architektur. 369 Wohnungen, jede mit einem individuellen Grundriss. Kaum durchgehend tragende Wände, sondern Trägerkonstruktionen, die die Statik an die Grenzen der Belastbarkeit treibt. Und zum Teil darüber hinaus, wie die Risse allerorten eindrucksvoll belegen. "Hier finden Sie die ganze Bandbreite an Rissbildungen, die man sich vorstellen kann", so der pensionierte Fachmann.

    "Sehr guter Pflegezustand"

    Hinzu kommen dynamische Erschütterungen aus dem Untergrund. Unter der Anlage befindet sich eine Tiefgarage, deren Bausegmente sich hier und dort setzen. Noch darunter fährt die Bahn. Unter dem Strich ist in der Wohnanlage ein gewaltiger Sanierungsstau aufgelaufen. "Die Probleme werden nur verwaltet", sagt ein Mieter gegenüber der MRZ.

    Dafür sind jedoch die Preise top. Für durchschnittlich 3000 Euro pro Quadratmeter ist den Mietern ihre Wohnung zum Kauf angeboten worden. "Völlig überteuert", findet das ein Mieter und winkt ab.

    Auch für die Käufer, die durch die Hochglanzprospekte zum Kauf der hochwertigen Wohnungen gelockt werden sollen, könnte der Sanierungsstau zum Problem werden. Haben sie die Wohnung erst gekauft, können sie gleich mit der Renovierung beginnen.

    Auf Anfrage der MRZ bezeichnet Corpus Sireo der Wohnanlage einen "guten bis sehr guten Pflegezustand". Sie beruft sich dabei auf eine Umfrage, die vor drei Jahren vorgenommen wurde und bei der, so Unternehmenssprecherin Yvonne Hoberg, mehr als die Hälfte der Bewohner teilgenommen habe. "Wir sind stolz darauf, dass diese Anlage zu den gepflegtesten und schönsten in Mainz gehört", sagt Hoberg.

    Beanstandungen der Mieter würden grundsätzlich geprüft, versichert Hoberg, und bei Bedarf würden Mängel beseitigt. Bei Mängeln an der Fassade und der Fenster verweist Corpus Sireo auf die "Wohnungseigentumsgemeinschaft", in der die Käufer der Wohnungen inzwischen seit 2010 die Mehrheit hätten. Diese müsse Sanierungen beschließen und die Bereitschaft mitbringen, die Kosten zu übernehmen. Leitungen etwa seien jedoch ein Sondereigentum. Hierbei muss die Eigentümergemeinschaft nicht zustimmen, wenn diese getauscht werden müssten.

    Nichtsdestotrotz zeigt man sich bei der Corpus Sireo stolz auf die Anlage, deren Wohnungen "von Mietern und Kaufinteressenten stark nachgefragt" würden.

    Übrigens: Die Kupferbergterrassen sind nicht das einzige Objekt, das von der Corpus Sireo verwaltet wird. Auch die zurzeit entstehenden Luxuswohnungen am Winterhafen werden von der Sparkassen-Tochter verwaltet und vermarktet. Andreas Nöthen

    Mietpreisstreit auf dem Kästrich: Corpus Sireo? Nie gehört!Hintergrund: Corpus Sireo und die SparkassenAuf dem Kästrich wackelt der Mietspiegel Achtung, Heuschrecke!Corpus Sireo
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