München. Simone wird sterben – und das freut sie. Sie darf die Leiche im „Krimi 2.0“ spielen – dem ersten Kriminalfilm, der über das Web 2.0 realisiert wird.
Die Geschichte und Handlung, die Figuren und Besetzung – über all das wird von den Zuschauern auf www.krimi2null.de entschieden. Sie können Vorschläge machen, abstimmen und damit am Ende den Krimi kreieren, den sie bisher im Fernsehen vermisst haben. Gerade wird darüber abgestimmt, welche professionellen Schauspieler die Hauptrollen erhalten.
Ein Teil von „Krimi 2.0“ wird Simone Arnold sein. Sie hat die meisten Stimmen der Internetgemeinde auf ihre Videobewerbung als Leiche erhalten. Sie war die erste Bewerberin und das Musterbeispiel, wie der Krimi funktioniert: Sie hat soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook genutzt, um möglichst schnell möglichst viele Menschen zu erreichen und auf Stimmenfang für ihre Bewerbung zu gehen, gewann dann noch einen Radiosender zur Unterstützung. Die 33-Jährige hat bewiesen: Sie würde für die Rolle sterben!
Genau solches Engagement möchte Schauspieler Michael Jäger (43) sehen – er steckt hinter dem Projekt „Krimi 2.0“. Der in Kaiserslautern aufgewachsene Fußball-Fan – „sein“ Verein ist natürlich der 1. FCK – war unter anderem jahrelang der Lehrer Matthias Kruse in der täglichen Seifenoper „Marienhof“. Im Web 2.0 spielte Jäger schon eine große Rolle, als er sich 2009 öffentlich im Netz um die Rolle als Tatort-Kommissar bewarb. Auch wenn Jäger die Rolle nicht bekommen hat – die Resonanz seiner Kampagne hat ihn überzeugt, dass „noch mehr möglich ist“ und auch ein ganzer Film mit Hilfe des Web zu realisieren ist: „Es ist Zeit, zu beweisen, dass das Internet kein Hort des Bösen ist, sondern im Gegenteil ein riesengroßer Raum voll kreativer Gehirne, die gemeinsam Gutes tun können.“
„Krimi 2.0“ startete im Februar und soll ein Jahr später, am 11. Februar 2011 Premiere in einem Münchner Kino feiern. „Die Idee dazu schlummerte schon knapp 8 Jahre, aber ich bin jemand, der sich erst einmal viele Gedanken macht, bevor er anderen Leuten davon erzählt.“, verrät Jäger.
„Wunschkonzert“, so der Arbeitstitel, soll für einige Lacher sorgen. Das Publikum hat sich für eine Krimi-Komödie entschieden. Die ersten Teile der Geschichte sind schon geschrieben. Für die sechs erfahrenen und teilweise mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Autoren, die Jäger für sein Projekt gewinnen konnte, ist es eine neue Herangehensweise – sie richten sich komplett nach den Wünschen der späteren Zuschauer.
Ergänzt wird das Team hinter den Kameras durch Regisseure, Fotografen und Berater, die – wie alle Mitwirkenden – auf Gagen verzichten und ihren Teil zum Erfolg von „Krimi 2.0“ beitragen. Mögliche Einnahmen werden am Ende einem wohltätigen Zweck oder einer Organisation gespendet. Fast schon selbstverständlich ist es, dass auch hierbei das Publikum Vorschläge machen und abstimmen darf, wem oder was das Geld zugute kommt.
Doch Ausrüstung, Verpflegung und auch die Drehorte werden viel Geld verschlingen. Über Sponsoren, die sich später im Film wiederfinden möchten, wird das Projekt finanziert und Jäger scherzt: „Für die einen ist es ein Krimi, für die anderen die wahrscheinlich längste Werbesendung der Welt.“
Als Hauptdrehort hat man sich für Schliersee in Oberbayern entschieden. Dort stellt ein Hotel dem gesamten Team ab dem 4. September, dem ersten Drehtag, für sechzehn Wochenenden Unterkunft und Verpflegung. „Wir drehen nur an Samstagen und Sonntagen, damit alle Beteiligten unter der Woche noch die Chance haben, Geld zu verdienen – die Miete zahlt sich nicht von selbst!“
Aktuell werden die Schauspieler der Hauptrollen vorgestellt. Zuerst galt es eine kleine Hürde zu nehmen, denn das Projekt stand kurzzeitig vor dem Aus. Viele Bewerber taten sich schwer, die wenigen Regeln des Bewerbungsvideos einzuhalten. Doch ein Projekt wie Krimi 2.0, in das Jäger und viele viel andere schon sehr viel Herzblut und Schweiß gesteckt haben, darf nicht sterben – so zumindest war die Resonanz aller Leser, Zuschauer und Unterstützer auf das plötzliche Ende. Die Stimmen gaben Jäger und dem Projekt neuen Schwung, und die Hauptrollen können nun fast ausnahmslos besetzt werden. Wobei auch das ein Krimi für sich ist: Er muss er sich mit Manipulationsversuchen auseinandersetzen, bei denen bestimmte Kandidaten nach vorne gewählt werden sollen. Die Folge: Jetzt ist eine Anmeldung für die Abstimmung nötig.
Für Gastrollen sind unter anderem namenhafte Schauspieler eingeplant: So wird Charles M. Huber (bekannt aus „Der Alte“) einen Gastauftritt haben. Über Statistenrollen dürfen sich dann einige Zuschauer freuen. Unsere Zeitung wird auch eine Rolle spielen – eine extra für den Krimi gestaltete spezielle Titelseite wird in den Händen einer bayerischen Ministerin zu Filmehren kommen….
Yannick Schiep
Mehr Informationen und einen Überblick über das aktuelle Geschehen gibt Michael Jäger auf www.krimi2null.de.
