Mobilfunk „klaut“ Kulturszene die Frequenzen
Von unserem Redakteur Tim Kosmetschke
Rheinland-Pfalz - Kabellose Mikrofone und Funksender sind so gut wie überall dort im Einsatz, wo Menschen zum Publikum sprechen oder für ihre Fans musizieren – also bei Konzerten, Festivals, Kongressen und in Theatern. Doch bald werden fast alle diese Funkmikros nutzlos: Handys senden dann auf den Frequenzen, die bislang der Veranstaltungstechnik vorbehalten waren. Schon jetzt wird manchem Theater und Kulturklub schwindlig angesichts der möglicherweise drohenden Investitionen.
Doch bald könnten Mikros mit Kabel eine ungewollte Renaissance erleben: Weil die Frequenzen, auf denen derzeit bei so gut wie allen öffentlichen Veranstaltungen vom Konzert über die Theateraufführung bis zum Expertenkongress die Mikros funken, bei einer Versteigerung im Frühjahr an diverse Mobilfunkanbieter neu vergeben wurden, werden die bisherigen Funkstrecken der Veranstaltungstechnik wertlos. Auf diesen Frequenzen wird demnächst das mobile Internet ausgebaut, vor allem für den ländlichen Raum.
Theater: 50 000 Euro Kosten
Allen Nutzern der Funktechnik bleibt dann aber wohl nichts anderes übrig, als neue Mikros, Sender und Empfänger anzuschaffen. Eine Maßnahme, die Michael Stein vom Theater Koblenz den Schweiß auf die Stirn treibt: „Wir können unsere gesamte Funkanlage in die Tonne kloppen“, findet der Verwaltungsleiter harte Worte. Erst 2003 wurde sie angeschafft, immer wieder kamen Funkmikros hinzu – „weil sie auch immer öfter eingesetzt werden, im Musical sowieso, häufig aber auch im Schauspiel oder bei Moderationen.“ Michael Stein findet es ärgerlich, dass die Geräte bald nicht mehr eingesetzt werden können: „Das ist ja voll funktionsfähiges Material.“
Nun macht er sich Sorgen für den Fall, dass die Lizenzen „Knall auf Fall“ neu verwendet werden – und weiß selbst nicht so recht, wie sein Haus eine neue Anlage bezahlen soll: „Unser Beschaffungsetat beträgt jährlich 10 000 Euro. Deshalb sind wir sowieso schon zum Beispiel auf unseren Freundeskreis angewiesen, wenn wir etwas Neues brauchen. Wie wir aber jetzt die geschätzten 50 000 Euro für eine neue Funkanlage aufbringen sollen, weiß ich nicht.“ Ohne Unterstützung, so Stein, sei das schlichtweg unmöglich.










Diesen Artikel versenden