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Tätowierer gehen in den Sternchen-Streik

Koblenz - Chinesische Zeichen, Arschgeweih, Sternchen, Schriftzüge - Tätowierungen dieser Art werden in Deutschlands Städten immer öfter gesichtet. Ob Hausfrauen von nebenan, Bankangestellte, Versicherungsvertreter oder Ärzte, immer mehr Leute lassen sich gern mithilfe von Nadel und Farbe verzieren. "Gesellschaftsfähig" wird die Kunst auf der Haut bereits von den Medien genannt.

Für Harald "Chopper" Heinz (47), den Besitzer des wohl ältesten Tattoo-Studios "Ghost Tattoo" in Koblenz, ist es eine Frage des Motivs, ob ein Tattoo zum spießigen Symbol wird oder nicht. Foto: Christine Helmeke
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Ist das einstmals wilde und verrufene Zeichen von Knastbrüdern und Seefahrern auf dem besten Weg, spießig zu werden? "Spießig? Nee, spießig ist das wirklich nicht", sagt Harald "Chopper" Heinz von "Ghost Tattoo" und fängt schallend an zu lachen. Er ist der Besitzer eines der ältesten Studios in Koblenz, das gerade 25-jähriges Bestehen feiert. Und Claudia Linde von "Cutan Art" meint: "Also, ich sehe es als eine positive Entwicklung, dass diese Verschönerung des Körpers mittlerweile zu einem normalen Teil des Stadtbilds geworden ist."

Unbestreitbar gibt es bei den Hautverzierungen heute bereits verschiedene Modeerscheinungen. "Bei den Frauen sind im Moment leider die Sternchen am beliebtesten. Aber dieser Trend ist zum Glück schon wieder rückläufig", sagt Harald Heinz. Ihm war es zum Schluss einfach zu viel: Jede zweite Kundin wollte Sternchen haben. "Das ist wie das Arschgeweih: Irgendwann kann man es nicht mehr sehen, und dann ist es verpönt, weil es einfach zu viele auf der Haut haben", findet der erfahrene Tätowierer. Sowohl sein Studio als auch das von Claudia Linde sind daher in einen "Sternchen-Streik" getreten und haben unabhängig voneinander beschlossen, keinen Frauenkörper mehr mit kleinen Himmelskörpern zu verzieren - zu deren eigenem Schutz, damit sie sich später nicht über ein ungeliebtes Bild auf der Haut ärgern. Wenn heute aber jeder Normalo ins Tattoo-Studio geht und sich schöner stechen lässt, was macht dann derjenige, der wirklich aus dem Rahmen fallen will? "Der lässt sich zum Beispiel den gesamten Rücken tätowieren", sagt "Chopper" Heinz. "Wir haben jetzt erst einen Drachen gestochen, der fängt vorn auf der Brust mit dem Kopf an, und der Rest verläuft dann über die Schulter nach hinten über den gesamten Rücken - also wirklich riesengroß." Außerdem können auch verrückte Bildvorschläge der Kunden bei der ausgefallenen Verschönerung abseits der Massentrends helfen. Claudia Linde hatte sogar schon Motivanfragen für "Schnitzel mit Pommes". Dieses Vorhaben scheiterte allerdings dann doch am mangelnden Mut des betreffenden Kunden. "Das Schrägste, was wir tatsächlich mal umgesetzt haben, war ein etwas blutiges Trickfilmszenario: Rehkitz Bambi wird von Kaninchen Klopfer angefallen", erzählt Linde.

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